384 Tage mit der Leica Q – ein Spielzeug das zum Werkzeug wurde!

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Es war der Freitag der 13te – (kurze lesepause) – November 2015 als ich das Paket vom Fotohändler öffnete und ich meine Leica Q aus dem Paket an die frische Luft im Hause Langer hob.  Ok, vergesst den Anfang, viel zu kitschig.

Am 13.11.2015 kam die bestellte Leica Q an…. ach den Anfang könnt Ihr auch vergessen, der wird auch nix. 

Wie sag ich es nur…. ? Ok, ich schreib morgen weiter!

Nach über einem Jahr wird es Zeit für einen Leica Q-Review!

Ok, starten wir noch mal neu mit diesem Artikel. Mitte November 2015 bekam ich meine Leica Q. Ich war Mitte Oktober, also etwa einen Monat vor der Ankunft der Leica Q (es war schon wieder knapp mit den Formulierungen in meinem Kopf….) zum Product-Launch der Leica SL in Wetzlar eingeladen. Dort hat es mir die Leica total angetan, aber nicht die neue und grade frisch präsentierte Leica SL, sondern die Leica Q, die ich an diesem Abend das erste mal ausführlich begrabbeln konnte. Bis zu diesem Abend im kalten Oktober Abend in Wetzlar (Jörg bleib sachlich!) war die Leica Q für mich:

  • So ein Schwachsinn!
  • Eine Kamera an der man das Objektiv nicht wechseln kann? Was soll das?
  • 4.000 Euro? DAFÜR? Ja gehts noch?
  • Die kann ja nix, was andere nicht besser können….
  • 28mm? Was soll das denn? Warum denn kein 35er oder 50er? Und warum überhaupt fest und nicht wechselbar?

Alle diese Gedanken, die aus der Volltheorie betrachtet eine sachliche Daseinsberechtigung haben hatten, waren in den ersten 30 Sekunden mit dieser Kamera in meiner Hand komplett über Board gegangen.

Wie geil ist dieses Stück denn bitte schön?

Waren dann eher meine Gedanken nach den wenigen – aber sehr intensiven – Minuten mit der Leica Q. Die meisten der bestimmt 200 geladenen Gästen an diesem Abend sind wahrscheinlich mit Gedanken zur neu präsentierten Leica SL nach Hause gefahren und ich hatte nur einen Gedanken im Kopf…. 

Wie in Gottes Namen erkläre ich meiner Frau den Verlust von 4.000 Euro auf dem Konto?

Aber da meine Frau – meine treuen Leser wissen das schon – die allercoolste ist war das gar kein echtes Problem. Sie hatte zwar fest damit gerechnet, das ich eine der neuen Leica SL haben will und war vielleicht auch nur froh das ich einen „Schaden“ von 4.000 Euro für die Q und nicht 12.000 Euro für die SL mit nach Hause gebracht hatte.

„Du Schatz, die Leica Q wird aber nur für mich ganz alleine – nicht fürs Geschäft, nicht für die Hochzeiten – nur so ein Edelspielzeug. Nur so zum Belohnen für die beiden letzen recht schweren Jahre….“

Als ich das Aussprach wusste ich zwei der folgenden Fakten noch nicht:

  1. Wie genial meine liebe Frau reagierte mit einem „Mach das Schatz!“
  2. Wie daneben ich lag…

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Die Leica Q wurde vor einem Jahr auf Fehmarnso richtig eingeweiht, bei unserer schon traditionellen Saisonabschlusswoche, die wir beide uns schon seit ein paar Jahren immer Ende November in der selben Ferienwohnung auf „unserer Insel“ gönnen. Ich hatte letztes Jahr in Fehmarn auch darüber hier im Blog geschrieben

Heute sitze ich wieder zum Abschluss einer wunderschönen entspannten Woche auf Fehmarn vor meinem Rechner und tippe an diesem Review – nach nun über einem Jahr.

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Was ist in diesem Jahr passiert?

Nun, ich habe schnell gemerkt wie die Kamera und ich harmonieren. Nein keine Angst, der Text bekommt nicht schon wieder romantische esoterische Wendungen. Die Leica Q und ich haben uns sehr schnell aneinander gewöhnt, so das in nur wenigen Tagen klar war:

Diese Kamera ist nicht nur ein Edelspielzeug – die kann mehr und muss ranschaffen!

Und so was es auch  in diesem Jahr. Die Leica Q wurde bei allen Hochzeiten und Reportagen die wir dieses Jahr im Auftrag für unsere Kunden gemacht haben stark eingesetzt und hat bei den Hochzeiten gute 60% aller Aufnahmen gemacht.

Die Stärken dieser Kamera kann sie gerade bei diesen Hochzeitsreportagen voll ausspielen, die da wären:

  • Extrem Leise
  • Unaufällig
  • Rauscharm – ich nutze die Kamera ganz stressfrei bis ISO 12.500
  • Ein unglaublicher Dynamikumfang – gerade bei Partys auf Hochzeiten in den späten Abendstunden
  • Ein extrem starkes Bokeh
  • Einen sehr guten und sehr brauchbaren Makro-Modus
  • Einen unglaublich treffsicheren Autofokus (der seit dem neuesten Firmware Update auch kleine AF-Felder erlaubt)
  • Eine sehr gute Brennweite für Reportage und People mit 28 mm (an die man sich gewöhnen kann!
  • Ein wahnsinnig schnörkelfreies Äußeres das wirklich reduziert ist auf das Wesentliche!

28 mm und ich sind Freunde geworden! Wir lieben uns jetzt!

So wurde aus meinem Plan, mir als Belohnung ein „Edelspielzeug“ zu zu legen leider nichts. Denn das Edelspielzeug wurde sehr schnell zu einem guten und allzeit bereiten Arbeitspferd. Ich löste mit dieser Kamera sehr schnell meine 35 mm Objektive an meinen Sony Kameras ab, denn diesen Job machte ab sofort die Leica Q mit Ihren 28 mm. So wurde die Leica Q mit 28 mm Brennweite und die Sony A7R II mit 55 und 85mm meine liebste und meistbenutzte Kombination im People- und Hochzeitsfotobusiness. Mittlerweile bin ich selbst so weit gereift das ih sogar nur mit der Leica Q eine komplette Hochzeitsreportage inkl. der Paarbilder und Portraits machen könnte.

Ja Ihr lieben treuen Leser und auch alle neu hinzugekommenen Leser dieses Blogs, wer jetzt auf viele Bilder aus der Leica Q gehofft hat, den muss ich hier kurz enttäuschen, denn ich habe für diesen Beitrag nicht speziell Bilder aus dieser Kamera gemacht oder rausgesucht, da meine kompletten Online Instanzen alle reichlich gefüllt sind mit Bildern aus meiner nahezu täglichen Begleiterin der Leica Q. Ihr finden auf meinem Instagram Account wahnsinnig viele Bilder die aus der Leica Q stammen, auf Hochzeitsemotionen.de und Langeronline.de ebenso wie hier in diesem Blog in den Kategorien Leica und Leicakuh. Stöbert da einfach mal. Wenn Ihr spezielle Bilder sehen wollt, oder Fragen habt, die ich in meinen Beiträgen bisher nicht beantwortet habe, dann schreibt mir doch unten ins Kommentarfeld was Euch fehlt der Ihr wissen wollt, dann versuche ich das umgehend zu beantworten.

Was ich mir von Leica noch wünschen würde:

  • Eine zweite Leica Q mit 50 mm Brennweite (und zwar auch fest dran!)
  • Eine 4K Videofunktion mit Manueller Belichtungssteuerung und Kopfhörerausgang und Mikrofon-Eingang
  • Bitte alles andere wie Akku, Format, Handling, Gehäuse – bitte alles andere genau so lassen!

Wie Ihr seht ist das ganze nicht wirklich ein „Deeply-Review“ geworden, sondern eher eine Liebeserklärung. Aber genau das ist der Punkt, das diese Kamera mit noch so technisch orientierten Menschen etwas anstellt. Sie verändert nicht das Können des Fotografen, aber mit Ihr zu fotografieren macht etwas mit einem. Man genießt das Aufnehmen der Bilder – auch im Job übrigens – anders als mit anderen „gewöhnlichen“ Kameras. Die Bilder und die Ergebnisse aus dieser Kamera sind erstklassig und müssen sich hinter keiner Leica M, Sony A7RII oder sonst welchen genialen technischen ausgereiften Produkten verstecken. Die Bildergebnisse schaffen bei mir und meinen Kunden das was sie sollen – emotionale perfekte Bilder von wertvollen Momenten. 

Der Werbeslogan von Leica „Reduziert auf das Wesentliche“ ist mehr als passend. Ich habe seit langem mein Leben etwas umgestellt und versuche jeden Tag nach dem Motto „weniger ist mehr“zu Leben und dieses Werkzeug passt dort genau hinein.

Die Leica Q ist teuer – aber nach über einem Jahr kann ich sagen – sie hat jeden Cent verdient und ich liebe Sie – auch wenn sie nicht wie geplant das Edelspielzeug wurde und teilweise wie ein Arbeitspferd gefordert wurde. 

Service?

Vor zwei Wochen war die Leica Q in Wetzlar zum Service, weil mein An-Aus-Schalter etwas hakelte und mein Objektivdeckel noch einer der allersten Serie war bei dem sich der Filz innen löste (ja auch Leica kämpft mit solchen Lappalien und Fehlern… denn auch in Wetzlar ist nicht alles Gold was glänzt ) und alles wurde sehr schnell und unkompliziert im Service behoben. So kann ich auch den Service von Leica nur lobend erwähnen, denn es lief alles so wie es ein Pferdehalter Profi der mit den Kameras Geld verdienen will erwartet.

Ich freue mich schon auf die nächsten Termine mit diesem Werkzeug – der Leica Q.

Ich hoffe ich konnte Euch mit diesem Beitrag ein wenig unterhalten und etwas aus dem Nähkästchen plaudern.  

Schöne Grüße von der Insel – Euer Fotofuzzy – Jörg Langer

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16 Kommentare

  1. Eine Q mit festem 50mm fände ich ja auch cool. Aber ich denk das wird Leica nicht machen, da sie sich so selber den eigenen Markt für die M untergraben würden. Preisdifferenz hin oder her.

  2. Kinder, wie die Zeit vergeht! Schon länger als ein Jahr!
    Ich kann mich gut an deine ersten Statements (und unsere erste Alberei mit dem Namen „Q“) erinnern. Selbst wenn du sachliche und berechtigte Kritik geäußert hast, gabund gibt es immer irgendwie ein „Glitzern“ in deinen Augen, wenn du über die „Q“ redest. 😉

  3. Ein echter Jörg-Bericht. Wenig Fakten, viel Leidenschaft! Genau richtig. Wer will schon Schrauben fotografieren und Testcharts lesen?

    Nur eine Sache verstehe ich nicht: Wie kann ein erwachsener Mann mit ausgewachsener Statur und einer nicht zu übersehenden Sehprotese bei einer Hochzeit mit Hilfe einer Kamera „unauffällig“ werden? Das passt doch gar nicht zu deinem Naturell…. 😉

    Weiter so! Grüß mir die Insel!

  4. Hallo Jörg,

    auch wenn ich vor ca. einem Jahr gesagt hatte, dass ich mir keine Q aufgrund des softwarekorrigiertem (aber trotzdem erstklassigem) Objektiv kaufen würde, ertappe ich mich in letzter Zeit, dass ich immer mehr über die Q nachdenke und dann kommst Du mit Deiner Liebeserklärung. Na toll – vielen Dank 😉

    Da mittlerweile viele Hersteller (auch das 24-90 der Leica SL) softwareseitig korrigieren und das nicht von Nachteil ist (im Gegenteil, reine optische Korrektur ist kompromissbehaftet und/oder sehr teuer), gehen meine Gedanken wieder in Richtung Q.

    Sie ist zwar nicht so viel kleiner, als meine M, aber deutlich leichter und aufgrund des AF auch etwas „schnappschusstauglicher“

    Nach Versuchen mit der Ricoh GR und Fuji X70, glaube ich passt die Q besser zu mir und meiner Markentreue 😉

    Schauen wer mal…

    Liebe Grüße Mark

  5. Genau! Kann ich alles unterschreiben. Wie du bin ich auch mit der Kombination Leica Q und Sony (A7II) unterwegs. Der Autofokus und die Stabilisierung waren für mich neben dem tollen Objektiv die wichtigsten Argumente. Die Sony bleibt immer öfter zuhause, nur bei Portraits bietet die mehr.
    Für eine Leica Q mit 50mm würde ich sofort zum Store fahren…
    Emotionen sind nicht strafbar, in diesem Fall sind sie angemessen 🙂
    Gruß
    Dirk

  6. Als ich das Konzept vor über einem Jahr sah hatte ich auch Fragezeichen auf der Stirn, aber mittlerweile sind diese verschwunden….und ich denke Leica täte gut daran ein Q mit 50mm nachzuschieben.
    Wer die Preise aus dem Hause Leica für Objektive im Bereich der 1.4er Klasse kennt der bekommt faktisch mit der Leica Q nicht nur das Objektiv sondern gleich noch den Kamerabody mit dazu!
    Sind wir doch mal ehrlich, für die, die schon sehr ambitioniert fotografieren und der Profi erst recht der hat an jeder Brennweite (Brennweitenbereich bei Zoomobjektiven) die er meistens und gewohnt einsetzt eh schon jeweils einen eigenen Kamarabody dranne hängen….und die Objektivwechselfähigkeit wird im Prinzip nur mal verwendet für jeweils seltenere verwendete Brennweitenanwendungen. Bei dem was man Griffbereit oft benötigt oder einsetzt hängt das jeweilige Objektiv bereits an einem „eigenen“ Kamarabody. Wer schraubt denn heute einen ganzen Tag Objektive auf und ab- insbesondere wer vielleicht auch in schmutzigeren oder staubigen Gegenden oder Situationen öfter fotografiert….man „haut“ sich auf Dauer doch nur unnötig Schmutz und Dreck in die Kamera bzw. auf den Sensor!

  7. Auch ich kann die „Liebeserklärung“ in vollem Umfang teilen. Nach einem Jahr lautet mein Resümee, dass ich die Q im Jahr 2016 am häufigsten eingesetzt habe, der geringere Anteil entfiel auf meine DSLR (Canon 5D MK II) sowie andere Kameras.

    Überzeugend sind vor allem die Schnelligkeit, die Einfachheit der Bedienung und die Bildqualität (Schärfe, Farben). Die Brennweite erfordert jedoch auch eine große Portion Neugier auf eine andere Blickweise und Bildgestaltung.

    Wenn mich jemand zum Nörgeln auffordern würde, wären die folgenden Punkte anzusprechen:
    Die Ablösungen des Filzes im Objektivdeckel kenne ich auch. Ich kann (noch) damit leben. Grundsätzlich hatte ich diesbezüglich schon seit dem Kauf Bedenken aufgrund meiner Erfahrungen mit der „Halt“barkeit einer ähnlichen Konstruktion bei meinem 15mm-Fischauge von Canon.

    Die Bedienelemente (Daumenrad und Verschlusszeitenrad sowie Dioptrien-Einstellrad) verstellen sich leicht. Wenn man die Kamera nicht ausschaltet und über der Schulter trägt, muss man die Einstellungen vor der nächsten Aufnahme schon mal darauf hin prüfen, ob noch alles so eingestellt ist, wie es zuvor war).

    Das letzte Softwareupdate war hinsichtlich der zusätzlichen Möglichkeiten eine Bereicherung (z.B. ausschließliches Speichern von DNG); allerdings habe ich eine ausführliche Erläuterung der einzelen Änderungen und deren Anwendung vermisst (oder habe ich etwas übersehen?). Ohne eine Emailanfrage bei Leica wäre ich nie darauf gekommen, wie man die Größe des Fokusfeldes verändern kann.

    In diesem Sinne freue ich mich auf ein weiteres Jahr mit der Q (und der Überlegung, was ich von meiner übrigen Fotoausrüstung aufgebe …)

    1. Ja die Beschreibungen von Leica sind sehr dürftig bei Firmware-Updates. Auch ich habe eine Weile gesucht und gegoogelt bis ich die Verkleinerung des aktiven AF-Feldes gefunden hatte. Diese Neuerung ist allerdings eine Segnung!

  8. Hallo an alle Q-Owner,
    Ich habe vor 3Wochen meine Q bei Probis Hamburg – meinem Hoflieferanten – bestellt.
    Ich bin seit über 30 Jahren professioneller Fotograf ( mit einer ganz miesen Website). Nun werde ich bald 62 Jahre alt; die mittlere Lebenserwartung schenkt mir mit Glück noch 15 gute Jahre und das ganze Canon -Gedöns wird mir einfach zu schwer! Wird alles vertickt bis auf die TSE -Objektive und das 85/1,8.
    Ich habe nur ein einziges Riesenproblem mit der Q: LIEFERZEIT MINDESTENS SECHS WOCHEN!……das hält kein Mensch aus. Hat jemand gute Beziehungen nach Wetzlar? liebe Grüße aus Nordfriesland, Andreas Birresborn

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