Es ist mir egal welche Kamera auf den Markt kommt…

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Jörg, hast Du schon die neuesten Bilder voin der neuen spiegellosen Nikon gesehen? Was sagste dazu?

oder

Die neue Canon wird es dem Markt schon zeigen. Da wird Sony mächtig Stress bekommen… oder was sagste, Jörg?

oder

Schick sieht die neue Nikon ja nicht aus. Ist wohl eher auf Handling als auf Optik getrimmt… Was die wohl kosten wird? Weißt Du da was?

Man merkt deutlich das es mit großen Schritten auf neue Markteinführungen im Kameramarkt und auf die groß0e Photokina zu geht. Mein WhatsApp, meine Mail-Inbox ist voll mit solchen Fragen.

Das sind wohl die Geister, die ich über Jahre als Blogger, Taschenfreak und Fotofuzzy rief.

Leider muss ich Euch sagen, ist es mir mittlerweile völlig egal, welcher Hersteller, welche neue Kamera rausbringt, welche Features oder welche neuen „brachialen“ Marketing-Hypes damit einhergehen. Ich beschäftige mich immer weniger mit der Technik, schon gar nicht mit der vermuteten Technik von Rumors, Gerüchten oder Forenweißheiten zu Kameras die noch gar nicht so richtig im Markt angekommen sind.

Aber Jörg, ohne dieses Wissen lernt man doch nicht dazu? Man muss doch auf den aktuellen bleiben um dran zu bleiben…

Nein, Ihr Lieben das sehe ich mittlerweile gänzlich anders. Um besser in der Fotografie zu werden, um mit meinen Bildern mehr zu beindrucken oder gar erfolgreicher im Verkauf meiner fotografischen Ergebnisse zu sein, muss ich nicht auf dem aktuellen Stand der Technik und deren Diskussionen sein. So habe ich früher aber auch gedacht. Das gebe ich sehr gerne zu. Mir geht es mittlerweile, und über diesen Entwicklungsschritt an mir selbst bin ich wahnsinnig froh und glücklich, vielmehr um die Wirkung die ein Bild erzeugt, um die Message die ein Foto beim Betrachter hinterlässt und um die Zufriedenheit meiner Kunden und Betrachter meiner Fotos.

Bei den großen Meisterwerken der Fotografie fragt keiner ob dies mit einer Sony, einer Nikon oder einer sonstwie gearteten Kamera gemacht wurde. Das ist Nebensache, die meines Erachtens gerade in der Fotoszene völlig überschätzt wird.

„Der Amateur kümmert sich um die Technik, der Profi ums Licht…“

… ein Satz den ich früher immer stark belächelt habe, der aber auch heute in meinen Augen immer mehr zutrifft. Natürlich sind die technischen Möglichkeiten, die aktuelle Kameras bieten grandios und erleichtern oft die zum Teil auch hektische Arbeit, gerade bei Reportagen, aber dennoch wird meines Erachtens zu oft suggeriert das man mit „alten Kameras“ (also die aus den letzten zwei Jahren… smile) keine anständigen Fotos mehr machen kann.

Worauf will ich eigentlich mit diesem Blogpost hinaus?

Ich will keineswegs den technischen Fortschritt schlecht reden, im Gegenteil, der tut uns Anwendern allen gut, gerade auch wenn der Markt durch neue Produkte wieder etwas aufgerüttelt wird. Dennoch möchte ich Euch, meine lieben Freunde und Follower und Blogleser, ermuntern, Euch mehr Gedanken über die Bilder, die Ergebnisse, die hinten aus der Kamera raus fallen, zu machen anstatt die vielen Stunden und Nächte in Diskussionen um die neuesten Gerüchte zu verbringen.

Kauft Euch Bildbände von großen und guten Fotografen, deren Bilder Euch gefallen und beleuchtet diese Fotografien mit Euren Augen und fragt Euch:

  • Von wo kam das Licht?
  • Welche Blende wird er genommen haben? … und warum diese?
  • Wie hat er mit dem Motiv kommuniziert?
  • Was sagt mir das Foto?
  • Erzählt das Foto eine Geschichte?
  • Sind in diesem Bild Emotionen? Wenn ja, warum wirken die auf mich so oder so?
  • Hätte ich dieses Bild auch so gemacht? Wenn nein, warum nicht? Was hätte ich anders gemacht? … und warum?

Diese Art „fotografisches Gehirnjogging“ macht mir selbst große Freude und ich versuche mir oft, auch im stressigen und nervigen Alltag, einen Moment für eine gute Tassee Kaffee heraus zu schneiden, einen Moment das Hamsterrad zu verlassen, um diese Art Weiterbildung und Gehirnjogging beim Betrachten von Fotos aktiv zu betreiben. Mir hilft es sehr, mich weiter zu entwickeln und nicht stehen zu bleiben.

Mir hilft das Nachdenken und Analysieren von Fotos wesentlich mehr als die Diskussionen um die Specs von Kameras…

Vielleicht konnte ich Euch mit diesem Beitrag etwas anregen – anregen mehr über die Ergebnisse der Fotografie nachzudenken. Ich bin auf Eure Meinung sehr gespannt.

Schöne Grüße – Euer Fotofuzzy – Jörg Langer

10 Kommentare

  1. Das sehe ich seit Jahren auch so. Mit ein Grund weshalb ich mich aus den einschlägigen Pixelzählerforen zurückgezogen habe.
    Vor zwei Jahren habe ich, durch eine traurige Begebenheit angestoßen, meine Ausrüstung größtenteils modernisiert. Wann der nöchste Modernisierungsschub kommt? Wer weiß?
    Wenn was kaputt geht?

  2. Aus dem Buch von David deChemin „Die Seele der Kamera“ gibt es dazu ein wunderbares Zitat.
    „Jeder Zugewinn an Schärfe oder Dynamikumfang macht eine Geschichte nicht besser als dies eine modernere Schriftart bei einem Gedicht täte“
    Das Buch kann ich jeden ans Herz legen!

    Beste Grüße
    Günter

  3. „Der Amateur kümmert sich um die Technik, der Profi ums Licht…“ – Toll, die Aussage kannte ich noch nicht. Ich kann dir voll zustimmen. Eine gute Kamera, ein sehr gutes Objektiv, gutes Licht und aussagekräftiges Motiv. Das ist wichtig. Die Kamera braucht man da nicht jedes Jahr wechseln.

    LG Burkhard

  4. Wie wahr. Wir Fotografen sind da schon eine spezielle Spezies. Wer hat schon mal eine Koch gefragt, mit welcher Pfanne er nun dieses Gericht gekocht hat. Selber überzeugt, dass das feine Essen nur mit dieser einen Pfanne möglich ist. Ich glaube, viele Köche wissen gar nicht mit was für einer Pfanne sie kochen. Lasst uns hingehen und fotografieren. Geniesst die Momente und freut Euch über spannende Bilder. Denkt ans köstliche Essen und nicht an die Pfanne.
    LG Thomas

  5. Passend zum Thema: https://www.fotoespresso.de/die-mante-kamera/ ;-)

    Ansonsten gehts mir ähnlich wie Dir, lieber Jörg, ich verfolge die Technik-News nur noch am Rande. Ok, bei Canon guck ich meistens bisschen genauer hin… ;-)

    Wobei man den Technikaspekt eben nicht immer ausblenden kann. Ich bin die letzten Jahre beim Thema Tierfotografie irgendwie nicht weiter gekommen und hatte mir deshalb letztes Jahr mal nen Workshop gegönnt. Und da recht schnell gemerkt, dass irgendwie doch die Technik der limitierende Faktor war. Wenn die Kollegen nebenan dank mehr Lichtstärke und höherer ISO-Tauglichkeit jeweils in der Dämmerung ne halbe Stund länger knipsen können, dann ist das eben extrem hilfreich wenn die Viecher eher dämmerungsaktiv sind oder sich lieber in dunklen Ecken rumtreiben. Da gehts dann nicht darum ob die Bilder besser werden, sondern ob man sie überhaupt machen kann.

    Klar konnte man Tierfotos auch schon vor zwanzig Jahren mit niedrigempfindlichen Film und schlechteren Linsen machen (ich weiß das so genau, weil ich da schon dabei war ;-)), aber die Grenzen der Technik verschieben halt auch die Grenzen des Machbaren und irgendwann halt auch die eigenen Ansprüche an die Ergebnisse.

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