Ich glaube ich verschenke den ganzen Rotz… die Leica, die Mavic Pro, die GoPro6 und so weiter…

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Ich lerne ja sehr gerne von anderen, besonders von Profis. Und gerade jetzt im Urlaub, wenn man etwas mehr Zeit hat zum Lesen und Lernen, kann das gelernte schneller umgesetzt werden.

Die Leica Q, die GoPro6, die Panasonic GX9, die Panasonic FZ2000 und auch die Drohne, die DJI Mavic Pro kann ich unter gar keinen Umständen mehr professionell nutzen – die müssen dringend weg!

Denn genau das habe ich von so vielen Profis diese Woche in den Social Media gelernt. Kameras die nur einen Speicherkarten-Slot haben, so wie die ganz neuen auf den Markt gebrachten Nikon Z6 und Nikon Z7, können auf gar keinen Fall professionell genutzt werden. Es sterben täglich millionen und abermillionen Speicherkarten, und das natürlich immer völlig grundlos und pro Shooting sogar gleich mehrere. Genau das habe ich gelernt diese Woche!

Du kannst kein Profi sein wenn Deine Kamera nur einen Speicherkartenplatz im Bauch hat!

Sagt mal, merkt Ihr alle noch was?

Tragt Ihr eigentlich auch alle zwei Unterhosen? Zwei Schuhe pro Fuß?

Ihr merkt, so langsam, worauf ich hinaus will. Oder?

Natürlich, und das ist wirklich so, unterliegen Kameras mit zwei Speicherslots wesentlich weniger dem Risko eines Datenverlustes beim Shooting, als Kameras, die nur einen Speicherslot haben. Ich selbst freue mich auch sehr über meine anderen Kameras, welche zwei Speicherslots haben. Dennoch halte ich diese Hysterie und diesen Medienschwall, den die neuen Nikons mit nur einem Speicherslot, unbewusst erzeugt haben, für tierisch übertrieben und fernab jeglicher Fakten. Keiner derer die als Redelsführer in diesen Diskussionen unterwegs sind kennen wirklich verlässliche Zahlen wieviele Speicherkarten bei Shootings verrecken. Und selbst wenn man diese Zahlen wüsste, gehören da noch sehr viele andere Faktoren dazu, die bei einer Speicherkarte zum plötzlichen Ausfall führen können.

Ich halte die Wahrscheinlichkeit sich ernsthaft bei einem Shooting zu verletzten für wesentlich größer als den Speicherkartendefekt auf einer Hochzeit.

Und das behaupte ich nicht als Voll-Theoretiker, sondern als Profi der viel Geld in den letzten Jahren mit der Fotografie verdient hat.

Ich habe mal ein paar Faktoren gesammelt die ich persönlich als Gründe für ein Speicherkarten-Tod sehe:

  • Speicherkarten werden viel zu lange genutzt.
  • Speicherkarten haben zu viele Schreib- Lesezyklen drauf.
  • Speicherkarten werden unsachgemäß aufbewahrt (bspw. in der Auto-Türtasche beim großen Magneten des Lautsprechers, in der Jeans beim Schlüssel, in Stoffsäckchen alle beieinander, etcpp. …).
  • Speicherkarten werden in der einen Kamera formatiert aber in der anderen dann genutzt.
  • Speicherkarten werden in 1,99€ Kartenlesern ausgelesen.
  • u.v.m.

Was tue ich – was tun wir – um einem Speicherkarten-Tod vorzubeugen?

  • Speicherkarten werden spätestens nach 2 Jahren komplett ausgetauscht, nach einem Jahr werden die Karten nicht mehr in Kameras mit nur einem Speicherslot genutzt, in den Monaten 13-24 werden diese nur noch als Backupkarten genutzt. (Ja, das ist teuer!)
  • Speicherkarten werden ausschließlich in geeigneten Speicherkartenetuis gelagert.
  • Wir kaufen keine „billigen“ Speicherkarten, sondern nur von Lexar, SanDisk und Samsung.
  • Die Speicherkarten werden rollierend eingesetzt und nicht immer die selben.
  • Die Speicherkarten werden in der Kamera formatiert in der sie auch genutzt werden.
  • Die Speicherkarten werden niemals als erstes bei einer Hochzeit eingesetzt. Die Karten die zu Hochzeiten verwendet werden, waren immer mindestens einmal in einem „unwichtigeren“ Einsatz um zu zeigen das sie keinen Stress machen.

Was tun wir um einem Bilderverlust vorzubeugen?

  • Wir arbeiten bei Hochzeiten zu zweit und jeder von uns nutzt mindestens zwei Kameras recht gleichmäßig. Selbst wenn die eine Karte in der einen Kamera die nur einen Slot hat stirbt, fehlt dem Brautpaar kein wichtiger Moment.
  • Die Speicherkarten werden sehr oft gewechselt (nach dem Getting Ready, nach dem First Contact, nach der Kirche, dem Standesamt, nach dem Paar-Shooting, nach der Torte, etcpp.).
  • Die Speicherkarten kommen direkt nach dem Wechseln in geeignete und hochwertige Speicherkarten-Etuis und zwar NICHT zurück zu den noch leeren Karten, sondern in ein eigenes Etui mit den Karten, die schon Bilder haben. Diese Etuis sind mehr als deutlich gekennzeichnet, so das es in hektischen Momenten auf keinen Fall zu Verwechslungen kommen kann.
  • Die Speicherkarten werden nur in sehr guten Kartenlesern ausgelesen oder bei Hochzeiten schon während der Hochzeit (wenn Zeit dazu ist – und nur in Ruhe!) zusätzlich gesichert auf eine mobile Festplatte (wie bspw. Die WD Wireless SSD).
  • Die Speicherkarten werden erst dann wieder dem „Shooting-Workflow“ zugeführt wenn die Bilder final bearbeitet und für den Kunden als fertige Exporte vorliegen. Bis dahin bleiben die Daten drauf.
  • Vor dem Bearbeiten der rohen Bilder, werden diese zusätzlich doppelt weggesichert. Auf ein NAS, auf eine externe Platte und auf der Speicherkarte sind die rohen Bilder also vorhanden bevor wir mit der Bearbeitung starten.
  • Die Rechner sind alle auf aktuellem Softwarestand und auch diese werden spätestens nach 3-4 Jahren ausgetauscht.

Speicherkarten zeigen in der Regel an das sie bald sterben…

Wenn Speicherkarten sich ihrem Ende zuneigen, dann zeigen diese ganz oft vorher durch mal einen kleinen Lesefehler oder so an das sie es hinter sich haben. „Mit Karte rein und raus geht das schon wieder…„, ja leider denken viele so. Diese Zeichen zu ignorieren ist grob fahrlässig.

Was will ich mit diesem Posting sagen?

Ich möchte sensibilisieren, und zwar in zwei Richtungen:

  1. Zum einen möchte ich Euch vermitteln wie wichtig ein wirklich sorgsamer Umgang mit den Speicherkarten ist. Diese sind – erst Recht wenn sie sensible unwiederbringliche Bilder drauf haben – die Basis unseres Arbeitens und sollten auch so behandelt werden.
  1. Zum einen möchte ich Euch vermitteln, wie überhyped diese schwachsinnige Speicherkarten-Slot (#slotgate) Diskussion in den Medien grade ist. Den Satz „Wie haben eigentlich früher Fotografen mit nur einem Film in der Kamera gearbeitet?“, wollte ich eigentlich aus diesem Blogpostimng raus lassen, weil er doch sehr veraltet ist, aber dennoch zeigt er auf, das man durchaus mit einer Kamera, die nur einen Slot hat, professionell arbeiten konnte und das auch heute noch kann. Diese haben den Film von einer Hochzeit auch nicht beim Discounter an der Fototheke zwischen Milch und Müsli zum entwickeln abgegeben, sondern bei einem Fachlabor, das wusste was es tat. Also die Profis…

Kurzum: Lasst mal die Kirche im Dorf!

Was hat Nikon bei der Präsentation der Z6 und Z7 falsch gemacht?

Nikon setzt auf die sichersten und stabilsten und auch sehr schnelle Speicherkarten, die XQD. Das ist schon mal gut. Sie setzen nur einen Slot davon ein, dafür wird es Gründe geben.

Den einzigen Fehler bei diesem Produktlaunch, den Nikon m.E. gemacht hat, ist nur Vorserienmodelle präsentiert zu haben und nicht direkt am nächsten Tag lieferbar zu sein. Damit wären diese ganzen völligen übertheoretisierten Diskussionen nämlich auf einem ganz anderen Level und man würde über die Ergebnisse der Kameras sprechen, die Bildergebnisse und deren Qualität und nicht über den einen Speicherkartenslot. Die ganzen selbsternannten Profis wüssten dann wenigstens über was sie reden, schreiben oder vloggen sollen.

Das hat Leica der Nikon mit der M10 vorgemacht, dass es deutlich besser geht. Ach diese hat übrigens auch nur einen Slot…. wie kann man die eigentlich kaufen??? Smile.

Also entspannt Euch alle mal und lasst uns mal abwarten, was (und wann…) Nikon mit den beiden Systemkameras wirklich kann, wenn sie denn dann wirklich „da“ sind. Ich bin gespannt, auch wenn ich keine neuen Kameras brauche und auch keine Nikon anzuschaffen plane. Unsere existierenden Nikons machen einen sehr guten Job und auch die Leica und Panasonics arbeiten fleissig und werden das auch weiterhin tun.

… und nein ich verschenke keine der Kameras – sondern nutze die weiterhin professionell zum Geld verdienen – das geht nämlich wunderbar!

Ich wünsche Euch allen einen entspannten und ausgelichenen Tag, denn ich glaube Entspanntheit und Ausgelicheheit bedarf es in der Profi-Liga der deutschen Fotografen weit mehr als zusätzliche Speicherslots.

Schöne Grüße – Euer Fotofuzzy – Jörg Langer

12 Kommentare

  1. Moin Jörg,

    ach herrlich, ich hätte es nicht besser und treffender schreiben können und finde es sehr schade, dass Du die Leica doch nicht verschenken willst ;)

    Mir geht die Diskussion auch auf den Geist. Wenn man überlegt, dass einige Profis bereits zu den spiegellosen Fujis und Sonys wechselten, als diese auch nur einen Slot hatten und dass auch häufig der zweite Slot nicht gleichwertig ist (UHS II vs. UHS I oder XQD vs. SD) und somit der zweite Slot nicht die evtl. benötigte Geschwindigkeit bringt. Oder der zweite Slot „nur“ für JBGs verwendet wird. Letzteres mache ich auch, weil ich sonst nicht weiss, was ich mit dem zweiten Slot machen soll. Ach Mist, ich hab ja keine Ahnung, weil ich kein Profi bin und schon gar nicht selbsternannte Youtubefachmann 😁

    Liebe Grüße Mark

      1. Aber nochmal zum Verständnis, ich will keine Diskussion zum Slotgate, eher den Aufruf zur Ausgeglichenheit und zur Besonnenheit.

        … und zum Sorgsamen Umgang mit den Speichermedien aufrufen, unabhängig der Anzahl der Slots in den Kameras.

  2. Hi Jörg,
    Veto :)

    Wenn ich mit der Gewissheit, dass nur einer von 100.000 Autofahrern gegen einen Baum fährt, durch die Windschutzscheibe fliege, weil ich nicht angeschnallt war, ärgere ich mich schon sehr.

    Und nein, nicht jede Karte gibt einen Warnschuss ab, bevor sie sich verabschiedet.

    Unfall- und Speicherkartentod – beides kann überraschend eintreten. Aber man kann sich absichern.

    Es geht mir als Profi schlicht darum, jedes Risiko zu reduzieren, sofern im Vorfeld machbar.
    Zwei Schuhe pro Fuß behindern die Arbeit und letztendlich kann ich auch auf Socken eine Hochzeit erfolgreich fotografieren. Ganz ohne Verluste.

    In beiden Situationen interessieren Statistiken überhaupt nicht.

    Dass man früher mit nur einem Kartenslot repektive einem Film in der Kamera gearbeitet hat, war allein technischen Möglichkeiten und dem Aufwand geschuldet. Das Argument ist keins.

    In meinen Augen ist es grob fahrlässig, unwiederholbare Situationen ohne Backup zu fotografieren und gegenüber dem Auftraggeber auch nicht zu vertreten.
    Genau das hat etwas mit Professionalität zu tun.

    Das nur, um hier mal eine ernsthafte gegenteilige Meinung zu vertreten und weil manche Thesen gefährlich sind, wenn sie unkommentiert in der binären Sphäre schweben.

    In diesem Sinne
    Dirk Goldbach

  3. Klasse! Ich dachte schon mit meiner Fuji X-E1 kann man nicht mehr fotografieren. Gestern fiel mir bei einem kleinen Fotohändler eine Fuji X-M1 für 480.-€ vor die Füße. Ganz schön teuer für das 5 Jahre alte Ding, was? Es hing aber vorne dran ein schon lange begehrtes Fuji XF 2/23mm und es waren 2 Original Fuji Akkus und eine 16GB Sandisk Extreme dabei. Somit habe ich zum Normalpreis des Objektivs eine Kamera, 2 Akkus und eine Speicherkarte gratis dazu bekommen. Wieder erwarten kann man damit auch fotografieren und das Teil hat sogar ein Schwenkdikplay und so nen „Klebe-Autofocus-Modus“.
    Eine X-E3 oder X-T2 wären zwar willkommener gewesen, aber heute aktuelle Digitalkameras sind eh nur Elektronikschrott von morgen. Mit 800.-€ ist der Gebrauchtpreis für eine 1a X-T2 schon sehr angenehm geworden. Irgendwas mit schnellem AF wäre schon gut. Aber erst kommt ein XF 2/50mm und ein Laowa 2.8/9mm… und vielleicht ein XF 2.8/80mm Makro.
    Only glass will last ;)

  4. Ich möchte den zweiten Slot bei meiner Kamera bei wichtigen Aufnahmen nicht missen.
    Ich fotografiere beruflich auf der Hauptkarte in RAW, habe es mir aber angewöhnt, zusätzlich die Bilder auf einer zweiten Karte als JPEG abzuspeichern. Ich hatte tatsächlich schon mal das Problem, dass mir ein wichtiges Portrait fehlte, weil ich aus Dusseligkeit die falsche Karte gelöscht hatte.

    Das soll aber nicht heissen, dass ich das immer so mache. Die Kamera kann es – ich nutze es. Andere Kameras haben nur einen Slot, auch mit denen fotografiere ich immer noch gerne und auch professionell. Es gibt sicherlich Situationen, in denen so ein Backup absolut notwendig ist (mir fällt da vielleicht eine Dokumentation einer Operation ein), aber ansonsten kann ich mich auf die Speicherkarten verlassen.

    Und sobald die Karte auch nur den kleinsten Lesefehler hat, kommt die weg und eine neue her. Zumindest das sollte man auch ernst nehmen. Leider machen das nicht alle Karten vorher, so dass man auch selbst schon mal – wie Du, Jörg, auch schreibst – selbst die Lebensdauer der Karten im Auge behalten sollte.

    Und nee – auch ich trenne mich nicht von meinen OSC (One-Slot-Cameras) ;-)

  5. …ich hab in meinen analogen Nikons ja auch immer zwei Filme drin – mindestens! Meistens einen Farb- und einen S/W-Film: Kodachrome 64 und einen 400ASA-S/W. Sicher ist das! ;-)

  6. Herrlicher Arikel.
    Ja, ich hatte tatsächlich schon einmal einen Ausfall einer Karte. Marke sag ich jetzt nicht aber es war nicht die billigste.
    Ja, ich habe auch einen zweiten Slot in meiner X-Pro 2. aber ehrlich, gbraucht habe ich ihn bei ca. 10.000 Bildern pro Jahr nicht wirklich. Ich habe das so eingestellt das die zweite Karte automatisch anspringt wenn die erste Karte voll ist. Bei 32 GB ist das bei Shootings noch nicht so oft passiert.
    Wichtig ist der sorgsame Umgang mit den Karten und das ordentliche Auswerfen aus dem Kartenleser.
    In diesem Sinne, stay digital
    Dieter

  7. Mist! Verschenkst du ja doch nicht deinen Fotokram! Die Leica und die Drohne hätte ich genommen. Die GX9 … nee da bleibe ich lieber bei meiner GX8!
    Ja, ja die liebe Technik! Die lieben Influencer! Das liebe Marketing! Da wird auch schon einmal über den langsamen Autofokus gejammert und ein paar Beiträge vor- oder nachher das Adaptieren von Altglas an die neueste Kamerageneration in den Himmel gelobt. Aber sind wir mal ehrlich! Es gibt Tage, da sind wir anfällig für solche Meldungen und es gibt Tage, da sind wir immun dagegen.

  8. Jörg, ich werfe meine tragbaren Rechner und die IQ-Dinger zu Deinem Haufen dazu. Nur ein Kabel, nur eine Festplatte für die hochgefährdeten ersten Datenströme, nur ein slot. Erzähl dieses stümperhafte Vorgehen bloss nicht den Kunden …

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