Warum Mittelformat? – Eure Fragen – Meine Antworten

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Warum Mittelformat? Jörg Langer - Content Creator und Fotograf und Filmemacher aus dem Hochtaunuskreis

Zwischen Technikmüdigkeit, Werkzeugliebe und der Suche nach dem richtigen Gefühl

Es gibt Videos, die plant man wochenlang.
Und dann gibt es Videos, die man eigentlich gar nicht machen möchte.

Das aktuelle Video auf meinem YouTube-Kanal gehört ganz klar zur zweiten Kategorie.

Trotzdem ist es entstanden. Nicht, weil ich plötzlich Lust hatte, technische Datenblätter vorzulesen oder Sensorgrößen gegeneinander aufzurechnen, sondern weil mich in den letzten Monaten immer wieder dieselben Fragen erreicht haben:

Warum Mittelformat?
Sieht man das überhaupt?
Ist das nicht nur Prestige?
Warum Fuji und nicht Hasselblad?
Braucht man wirklich 100 Megapixel?

Und irgendwann saß ich mit meiner Frau Anja auf der Terrasse, hatte einen Kaffee vor mir, Sonne im Gesicht, den Hund im Hintergrund – und dachte:
„Okay. Dann reden wir halt mal ehrlich darüber.“

Das Ergebnis ist vermutlich eines der persönlichsten Kamera-Videos, die ich bisher aufgenommen habe.


Technik begeistert mich nicht mehr – zumindest nicht alleine

Das klingt im ersten Moment vielleicht seltsam für jemanden, der beruflich fotografiert, filmt und seit Jahren über Taschen, Kameras und Ausrüstung spricht.

Aber die Wahrheit ist:
Ich bin technikmüde geworden.

Nicht im Sinne von „ich mag keine Technik mehr“.
Sondern eher im Sinne von:
Ich habe keine Lust mehr auf diese endlosen Diskussionen darüber, welche Kamera drei Prozent schärfer ist oder ob Autofokus A minimal besser trackt als Autofokus B.

Ich möchte Werkzeuge benutzen, die funktionieren.
Werkzeuge, die sich gut anfühlen.
Werkzeuge, die mich motivieren, rauszugehen und Bilder zu machen.

Und genau das ist der Punkt, an dem das Mittelformat für mich angefangen hat.


Mittelformat war nie rational

Wenn man ehrlich ist, war Fotografie selten komplett rational.

Natürlich kann man heute mit nahezu jeder modernen Kamera fantastische Bilder machen.
Selbst mit einer kleinen APS-C-Kamera lassen sich Ergebnisse erzeugen, die vor zehn Jahren absolut unmöglich gewesen wären.

Die heutige Technik ist absurd gut geworden.

Und trotzdem gibt es Kameras, die etwas mit einem machen.

Bei mir war das schon früher so.
Analoge Mittelformatkameras wie eine Mamiya 6×7 oder eine Hasselblad 500CM hatten immer eine besondere Faszination für mich. Diese Kameras waren langsam, schwer und oft unpraktisch – aber sie hatten Charakter.

Digital hat mich dieses Thema nie ganz losgelassen.

Und dann kam irgendwann die Fujifilm GFX100RF.

Eine Kamera, von der ich ursprünglich dachte:
„Die will ich niemals.“

Festbrennweite.
Blende 4.
Kein IBIS.
Optisch nicht einmal unbedingt „schön“.

Und dann lag sie plötzlich bei einem Kaffee auf dem Tisch.

Ich habe sie in die Hand genommen – und sie ging mir nicht mehr aus dem Kopf.


Die große Frage: Sieht man Mittelformat überhaupt?

Die ehrliche Antwort lautet:

Ja.
Und nein.

Wer erwartet, dass jedes Mittelformatbild automatisch aussieht wie ein Magazincover aus der Vogue, wird enttäuscht sein.

Der Unterschied zwischen modernem Vollformat und digitalem Mittelformat ist heute wesentlich kleiner als früher zwischen Kleinbildfilm und echtem analogem 6×7-Mittelformat.

Aber trotzdem ist da etwas.

Es ist schwer zu erklären.
Es ist nicht nur Schärfe.
Nicht nur Freistellung.
Nicht nur Dynamik.

Es ist eher eine Bildanmutung.
Eine Ruhe.
Eine Tiefe.
Ein Gefühl.

Und manchmal ist es auch einfach nur die Art, wie man selbst fotografiert, wenn man eine bestimmte Kamera in der Hand hält.


Das Werkzeug beeinflusst den Fotografen

Das ist vermutlich der wichtigste Punkt des gesamten Videos.

Eine Kamera macht kein gutes Bild.

Die Kamera entscheidet nicht über Licht.
Nicht über Perspektive.
Nicht über Emotion.
Nicht über den richtigen Moment.

Aber:

Das richtige Werkzeug kann dafür sorgen, dass der Fotograf anders arbeitet.

Konzentrierter.
Bewusster.
Motivierter.

Ich vergleiche das gerne mit Werkzeug aus dem Handwerk.

Natürlich kann ein grüner Bosch-Akkuschrauber denselben Job erledigen wie ein Hilti-Schrauber.

Aber vielleicht macht der eine einfach mehr Spaß.
Vielleicht fühlt er sich besser an.
Vielleicht arbeitet man lieber damit.

Und genau das passiert bei mir mit den Fujifilm GFX Kameras.


Warum Fuji und nicht Hasselblad oder Leica?

Auch das war eine der häufigsten Fragen.

Und die Antwort ist überraschend unspektakulär:

Weil Fujifilm für mich aktuell das beste Gesamtpaket bietet.

Nicht emotional.
Nicht prestigeorientiert.
Sondern praktisch.

Die Kameras liegen mir hervorragend in der Hand.
Die Bildqualität ist absurd gut.
Die Objektive sind fantastisch.
Der Service funktioniert.

Und vor allem:
Die Kameras motivieren mich.

Das klingt banal, ist aber im kreativen Bereich unglaublich wichtig.

Denn wenn man Lust auf das Werkzeug hat, entstehen automatisch bessere Ergebnisse.


Die Wahrheit über 100 Megapixel

Braucht man 100 Megapixel?

Ganz ehrlich?
Die meisten Menschen nicht.

Auch ich drucke selten riesige Prints.

Die eigentlichen Vorteile liegen woanders:

  • enorme Reserven beim Croppen
  • extrem detailreiche Dateien
  • große Flexibilität im Workflow
  • und vor allem ein unglaubliches Gefühl von „Ruhe“ im Bild

Die Nachteile gibt es allerdings auch:

  • riesige Dateien
  • hoher Speicherbedarf
  • langsamere Workflows
  • mehr Anforderungen an Rechner und Datensicherung

Mittelformat ist nicht automatisch praktischer.

Es ist eher eine bewusste Entscheidung für eine bestimmte Art zu fotografieren.


Mittelformat ist kein Prestigeprojekt

Das war mir im Video besonders wichtig.

Natürlich wirken Mittelformatkameras oft elitär.
Genauso wie Leica-Kameras.

Und ja:
Wir sprechen hier über teure Werkzeuge.

Aber für mich geht es dabei nicht um Status.

Ich klebe die Logos meiner Kameras teilweise sogar ab. Nicht aus Scham – sondern weil mir Markenprestige egal ist.

Ich fotografiere nicht, um zu zeigen, womit ich fotografiere.

Ich fotografiere, weil ich Bilder machen möchte, die sich für mich richtig anfühlen.


Die wichtigste Erkenntnis

Nach all den Fragen, Diskussionen und Kommentaren bleibt für mich am Ende eigentlich nur ein Satz übrig:

Man braucht keine Mittelformatkamera, um gute Bilder zu machen.

Aber manchmal braucht man genau die Kamera, die einem selbst wieder Lust auf Fotografie macht.

Und vielleicht ist genau das der eigentliche Wert hinter all diesen Diskussionen.

Nicht Technik.
Nicht Prestige.
Nicht Megapixel.

Sondern Freude.


Das komplette Video ansehen

Das komplette Gespräch mit meiner zauberhaften Frau Antje mit allen Fragen, Abschweifungen, ehrlichen Antworten und jeder Menge Terrier-Hintergrundgeräuschen findet ihr hier auf YouTube:

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Mehr Informationen

▶️  YouTube-Video: Warum Mittelformat?

Wenn euch solche ehrlichen und ungeschönten Gedanken rund um Fotografie, Werkzeug und kreatives Arbeiten interessieren, schaut gerne auch regelmäßig auf  SchwarzWeissOnline.de vorbei.

 

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