Filter und ich – eine lebendige Hassliebe! (GND Filter im Vergleich)

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Jetzt sitze ich auf der Terrasse und höre die Skipper auf Ihren Yachten leise miteinander anstoßen und der weiche Wind pfeift ganz leise durch die Taue der Segelboote…

… und zugleich „muss“ ich einen Blogbeitrag zur Filterfotografie schreiben und finde keinen Einstieg. Bereits drei mal habe ich das Notebook zugeklappt und mir vorgenommen den Schauspielen am Hafen zu lauschen und den Abend bei einem leckeren Bierchen gehen zu lassen und immer wieder „zwingt“ mich mein inneres zu diesem Beitrag. Warum nur?

Ich habe mir einen Filter von einem Freund ausgeliehen und versprochen diesen zu testen!  Ja so habe ich mich in diese Misere gebracht.

Andres Brett, einer meiner Lieblings-Fotofuzzys, und ich haben uns jeder einen neuen Filter gekauft nachdem endlich die Filter mit dem Medium-Verauf auf den Markt gekommen sind. Da er mit einem APS-C System und ich mit meinen mFT-Systemen Landschaften fotografiere sind die bisherigen Soft-Verläufe einfach zu soft und oft im Sucher oder auf dem Display der Kamera gar nicht richtig zu erkennen.  Die Hard-Verläufe sind im Gegenzug oft zu hart und zu krass. Ein Verlauf dazwischen war oft der Wunsch der Fotografen denen nun einige Filterhersteller „endlich“ nachkommen.

Links: Hard 0.9 / Mitte: Medium 1.2 / Rechts: Soft 0.9

Da Andreas eine Reise nach Island geplant hatte und ich hier an der Dänischen Küste viel mit Filtern arbeiten wollte, bestellten wir uns beide die Medium GND-Filter von NISI.  Er kaufte sich den NISI Medium GND 0.9 (3 Blenden) und ich den NISI Medium GND 1.2 (4Blenden) – beide im Format 100x150mm. Eigentlich setzen wir beide sonst HAIDA-Filter ein und sind damit auch sehr zufrieden, aber dieses mal war NISI einfach schneller am Markt mit dem Medium Verlauf und Ihr wisst ja wie das bei Fotofuzzys ist, „Geduld“ kann man ihnen nie als übertriebene Charaktereigenschaft vorwerfen.

So und nun kommen wir zu meinem „Dilemma“, denn ich habe keine Ahnung wie ich Euch mein Ergebnis vorstellen soll. Ich habe beide Filter einige male im Einsatz gehabt. Natürlich (es ist eine echte Hassliebe – die Filter und ich…) habe ich deutlich weniger mit Stativ und Filter am Meer gestanden als ich mir das zu Hause im Home Office bei Bestellung des über 150 Euro teuren Filters eingeredet hatte. Ein paar Bilder die ich heute direkt von der Terrasse für diesen Beitrag geschossen habe, zeigen aber ansatzweise um was es geht (hoffe ich):

Kein Filter im Einsatz
Filter HAIDA GND 0.9 Soft-Verlauf
Filter NISI GND 0.9 Medium-Verlauf
Filter NISI GND 1.2 Medium-Verlauf
Filter HAIDA GND 0.9 Hard-Verlauf

Etwas kann man erkennen worauf ich hinaus will, oder?

Von links nach rechts: HAIDA 0.9 Soft / NISI 1.2 Medium / HAIDA 0.9 Hard / NISI 0.9 Medium

Nun, zum einen ist der Einsatz von Verlaufsfilter erst mal dazu gedacht die oft vorherrschenden Helligkeitsunterschiede vom oberen und unteren Bildteil auszugleichen und dadurch etwas mehr Dynamik ins Bild zu bekommen. Unser Auge nimmt die Realität oft viel ausgeglichener wahr als es ein Kamerasensor kann. Dazu helfen einem die Verlaufsfilter schon sehr gut. Diese Verlaufsfilter sind rechteckig und können vor dem Objektiv hoch und runter geschoben werden in der Filterhalterung. Je nach Objektivgröße ist und je nach Motiv ist ein unterschiedlich starker Verlauf sehr nützlich. An einem Meer stehend mit ganz geradem Horizont ist ein harter Verlauf oft die richtige Wahl, so wie im Horizont, den man ausgleichen möchte, andere Gegenstände mit enthalten sind oder man keine harte Trennung zwischen Hell und Dunkel, zwischen Vordergrund und Hintergrund, haben möchte ist ein softer Verlauf besser geeignet. Wenn jetzt aber ein Objektiv bspw. nur 55mm Frontgewinde hat, ist ein weicher (soft) Verlauf eines 100x150mm großen Verlauffilters über die gesamte Objektivfront verlaufend. Genau da spielt der Medium-Verauf seine Stärken aus und hilft den Kamera-Anwendern die kleinere Sensoren und dadurch auch kleinere Objektive nutzen.

Worauf solltet Ihr beim Filterkauf achten?

  1. Kauft die Filter nicht zu klein – aber auch nicht viel zu groß ein.
  2. Kauft Euch gute und hochwertige Filter sonst habt Ihr Farbverschiebungen ohne Ende.
  3. Achtet darauf das der Filterhalter, auch beim Einsatz von zwei kombinierten Filtern übereinander (gestacked) nicht vignetiert an Eurem stärksten Weitwinkel.
  4. Achtet beim Filterhalter drauf, das er Euch keinen Stress beim Montieren macht. Hier ist „neuer“ nicht immer „einfacher“ in der Bedienung.
  5. Wenn Ihr zum Filterhalter auch einen Pol-Filter kaufen wollt, achtet bei dem besonders drauf wie dieser befestigt wird. Hier ist ein Drehbarer Filterhalter oft auch von Vorteil.
  6. Schaut Euch das Zeug wenn es geht im Fachhandel an. Die Ringfoto-Händler sind hier oft sehr gut bestückt.
  7. Achtet auf die Nano-Beschichtung, die hilft immens beim Reinigen der Filter.
  8. Wenn Ihr es nicht eilig habt mit der Anschaffung, wartet noch etwas, denn die Hersteller arbeiten alle gerade mit Hochdruck an „unkaputtbarem“ Glas für die Filter, denn bisher kann ein „rausrutchen“ aus der Hand beim montieren der Filter schnell mal 150 Euro und mehr kosten und viele Scherben unterm Stativ bedeuten. Das soll wohl bald gelöst sein.

Was ist mit dieser Hassliebe?

Ja ich weiß es auch nicht. Habe ich keine Filter dabei (meistens!) ärgere ich mich allzuoft, das ich sie nicht dabei habe. Schleppe ich die knappen 1.000 Euro Filterglas mit mir herum, nutze ich sie eigentlich viel zu selten. Ihr kennst das! Oder? Aber ich gebe nicht auf…. den Spaß macht es auf jeden Fall!

Kann man diese Effekte nicht auch mit selektiver Aufhellung in Lightroom und Photoshop hinbekommen?

Ja das geht. Aber wie so oft hat dieses qualitative Nachteile und schnell sichtbar werdende Grenzen. Wenn Ihr Teile zu stark aufhellt rauschen die schon schnell und deutlich und es bilden sich auch allzu oft sogenannte „Halos“ an den harten Kanten. All das könnt ihr beim Einsatz von Filtern umgehen. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter, durch den Einsatz eines Filters und den dadurch sehr überlegten Bildaufbau beschäftigt Ihr Euch (und ich mich selbst auch) deutlich intensiver mit dem Bild und seiner späteren Wirkung – und genau das tut jedem Foto gut. Wie auch der Einsatz eines Statives dieses bewirkt.

Wozu jetzt dieser Beitrag?

Na ich hoffe doch das ich Euch etwas vermitteln konnte und vielleicht bei der Suche nach den richtigen Filtern ein paar kleine Ratschläge mit auf den Weg geben konnte. Zum anderen hoffe ich das mein Kumpel Andreas bissi Stolz auf mich ist, da ich nun doch seinen Filter etwas im Einsatz hatte. Smile.

Geht raus und habt Spaß mit dem Licht!

Schöne Grüße – Euer Fotofuzzy – Jörg Langer

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