Digital analog fotografieren – Warum ich auf Film verzichte und trotzdem analog fotografiere

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Digital analog fotografieren – Warum ich auf Film verzichte und trotzdem analog fotografiere

Die Frage begegnet mir in den letzten Monaten immer häufiger.

„Jörg, warum fotografierst Du eigentlich nicht analog? Du bist doch genau in der Generation groß geworden.“

Die kurze Antwort lautet:

Weil ich es kann. Und weil ich es nicht möchte.

Die längere Antwort ist deutlich spannender.

Denn tatsächlich fotografiere ich heute digital – aber analoger als jemals zuvor.

Der Analog-Boom ist absolut nachvollziehbar

In meinem Umfeld greifen immer mehr Menschen wieder zu analogen Kameras. Manche haben eine alte Leica, Canon oder Pentax aus dem Familienbesitz übernommen. Andere entdecken die analoge Fotografie komplett neu.

Ich kann das sehr gut verstehen.

Ein Film zwingt Dich zum Nachdenken.

36 Aufnahmen.

Keine Serienbilder.

Keine KI.

Keine hundert Versuche.

Du entscheidest Dich bewusst für ein Motiv.

Genau dieses Gefühl fasziniert viele Menschen wieder – und ich glaube, das hat weniger mit Nostalgie als vielmehr mit unserer heutigen Zeit zu tun.

Wir leben in einer Bilderflut

Noch nie wurden so viele Fotos gemacht wie heute. Smartphones erzeugen tausende Bilder. Künstliche Intelligenz erstellt Motive, die nie existiert haben. Programme versprechen perfekte Farben, perfekten Himmel und perfekte Haut. 

Als Fotograf arbeite ich täglich mit diesen Werkzeugen.

Ich muss das sogar. Meine Kunden erwarten professionelle Ergebnisse. Privat sieht das allerdings völlig anders aus. Dort sehne ich mich nach Entschleunigung.

Analog beginnt im Kopf

Für mich hat analoges Fotografieren heute nichts mit Film zu tun. Es beginnt bereits vor dem Auslösen. 

Ich überlege mir:

  • Welche Bildwirkung möchte ich erzielen?
  • Welche Filmsimulation passt?
  • Farbe oder Schwarzweiß?
  • Welches Seitenverhältnis erzählt meine Geschichte am besten?
  • Ist dieses Motiv überhaupt ein Foto wert?

Diese Gedanken mache ich mir, bevor ich den Auslöser drücke.

Ganz genauso wie früher, als man sich überlegen musste, welchen Film man überhaupt in die Kamera einlegt.

Warum Fujifilm meine Art zu fotografieren verändert hat

Einen großen Anteil daran haben für mich die Filmsimulationen von Fujifilm. Nicht, weil sie einen Film perfekt kopieren. 

Sondern weil sie mich dazu bringen, mich bereits vor dem Fotografieren für eine Bildsprache zu entscheiden.

Acros. Classic Chrome. Velvia.

Jede Simulation erzählt eine andere Geschichte. Und genau diese Entscheidung macht den Unterschied.

Ich fotografiere meine privaten Bilder fast ausschließlich so, dass sie direkt aus der Kamera fertig sind. JPEG. Ohne stundenlange Bearbeitung. Ohne Presets. Ohne künstliche Intelligenz.

RAW fotografiere ich trotzdem

Natürlich speichere ich zusätzlich RAW. Nicht weil ich jedes Bild bearbeiten möchte. Sondern weil ich mir die Option offenhalten möchte. Vielleicht soll ein Bild später doch einmal groß gedruckt werden. Vielleicht passt eine andere Filmsimulation besser. Vielleicht entsteht daraus irgendwann ein Fotobuch. RAW ist für mich heute kein Arbeitsauftrag mehr. Es ist lediglich die Sicherheitskopie.

Qualität statt Quantität

Vor einigen Tagen war ich zwischen zwei Terminen für rund zwei Stunden unterwegs. Ein Spaziergang durch Wiesbaden. Ein kurzer Aufenthalt am Rhein. Ich kam mit sieben oder acht Bildern nach Hause. Vor zehn Jahren hätte ich wahrscheinlich mehrere hundert Aufnahmen gemacht. Heute reicht mir das. Nicht jedes Motiv muss fotografiert werden. Nicht jedes Foto muss veröffentlicht werden. Und genau darin liegt für mich heute die größte Freiheit.

Warum ich trotzdem nicht analog fotografiere

Natürlich könnte ich wieder Film einlegen. Ich besitze noch einige analoge Kameras. Sie funktionieren sogar. Aber ich möchte keine Filme kaufen. Ich möchte keine Entwicklung bezahlen. Ich möchte nicht warten. Und ehrlich gesagt möchte ich auch nicht entwickeln. Mir reicht das analoge Gefühl beim Fotografieren. Den Film brauche ich dafür nicht.

Mein persönliches Fazit

Vielleicht geht es bei analoger Fotografie heute gar nicht um Film. Vielleicht geht es vielmehr darum, wieder bewusster zu fotografieren. Langsamer. Mit mehr Gedanken. Mit weniger Bildern. Und genau deshalb fotografiere ich heute digital – aber so analog wie möglich. 

Mich würde interessieren:

Wie fotografierst Du heute?

Fotografierst Du wieder analog?

Oder hast Du – so wie ich – Deinen ganz eigenen Weg gefunden?

Ich freue mich auf Deine Gedanken in den Kommentaren.


Das passende Video

In meinem aktuellen YouTube-Video spreche ich ausführlich über genau dieses Thema und erzähle, warum ich den Analog-Trend sehr gut verstehen kann, mich persönlich aber dennoch bewusst für einen anderen Weg entschieden habe.

▶️ Hier geht es zum Video:
Warum ich nicht analog fotografiere – aber digital analoger denn je

 

7 Kommentare

  1. Hallo Jörg
    So wie du das machst, mache ich das auch.
    Früher habe ich alles fotografiert was mir vor meiner Linse kam.
    Jetzt nehme ich mir die Zeit und lasse alles in Ruhe angehen.
    Ich war mal den ganzen Tag mit der Kamera unterwegs und habe, für mich, nicht das passende Objekt/Motiv gefunden.
    Habe zu meinen Mitstreiter gesagt, dass ich für mich nichts passendes finde.
    Wurde darauf belächelt und gesagt bekommen, ach der Herr findet nichts passendes.
    Bevor ich mich auf den Weg mache um zu fotografieren, stelle ich mir so ein paar Fragen und habe dann eine bestimmte Vorstellung.
    Ich lasse mir Zeit und gebe mir die Ruhe für ein Foto/Bild.
    Sollte ich dann mal ohne Foto nach Hause kommen, ist das auch nicht schlimm.
    Hauptsache ich war draußen und konnte etwas entspannen.
    Viele Hobby Fotografen gehen mit dem Gedanken und Ziel raus, bei Rückkehr viele Fotos im Kasten zu haben.
    Fotografieren soll keine Hetze sein und das jemand Druck verspürt, viel mehr soll es entspannen, dass Auge schulen und vor allem Spaß machen.

    Wünsche dir noch weiter viel Spaß beim fotografieren und alles Gute aus Stolberg 🤙
    Ottmar

  2. Hallo Jörg,

    dein schöner Artikel beschreibt sehr treffend nahezu alles, was mir zu dem Thema auch aus der Feder tropfen würde. Es stimmt, gerade mit FUJIFILM entstehen Möglichkeiten, die in Summe alles das werden lassen, wovon Du schreibst.
    Bei mir ist es nur so, dass das alles für sich bestehend legitim ist, aber sich daraus nicht unbedingt dieses NEIN zur Analogfotografie ableitet. Kurzum, ich mache das trotzdem… ;-)

    Je nach Laune und Stimmung, je nach Anlass oder Motiv, je nach dem, wonach mir technisch gerade der Sinn steht. Dieses sowohl als auch bekommt zumindest mir deutlich besser, als das entweder – oder. Und vielleicht tut es meiner Fotografie auch ganz gut, will ich mal hoffen…

    Mit besten Grüßen, Dirk

  3. Vieles kann ich genauso unterschreiben. Meine Fuji X-E5 hat da auch mein Verhalten stark verändert. Die manuellen Voigtländer-Linsen haben da sicher ihren Anteil dran. Aber ich wollte das ja auch so. Und ich liebe es! Gerne auch mal nur mit einer Linse/Brennweite. Wobei ich mit den ganzen Features der Filmsimulationen immer noch bisschen auf Kriegsfuss stehe.

    Ok, so bisschen Analog zieht hier gerade wieder ein. Für paar Pinhole-Kameras und vielleicht auch noch ne Panokamera für 120er Film. Scheiß 3D-Drucker… ;-)

  4. iCloud: Du kannst bis 12TB buchen. Man kann nicht nur die angebotenen Pakete als einziges Paket buchen, man kann weitere reine Speicherpakete dazu buchen. Geht auch, wenn man Apple One gebucht hat. Habe gerade erst mein Apple One mit 200GB um 50GB aufgestockt. IMHO gibts da bei Apple im Support passende Anleitungen.

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