IXUS-Hype: Warum faszinieren uns alte Digitalkameras?

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Alte Kompaktkameras erleben offenbar ihren zweiten Frühling. Zumindest begegnet mir das Thema immer häufiger: Junge Menschen kaufen sich gebrauchte Digitalkameras, während für manche Canon IXUS Preise aufgerufen werden, bei denen ich erst einmal schlucken muss.

Gibt es da gerade einen echten IXUS-Hype? Und falls ja: Was macht diese Kameras so begehrenswert?

Ich möchte das verstehen. Denn während Smartphones immer beeindruckendere Bilder liefern, wächst anscheinend gleichzeitig die Lust auf eine Technik, deren Grenzen wir vor Jahren eigentlich ganz gerne hinter uns gelassen haben.

Also habe ich meine eigene alte Kompakte aus der Vitrine geholt: meine erste Leica.

Im Video: Meine Leica D-LUX 3 und die Frage nach dem IXUS-Hype

Zwischen zwei Terminen habe ich mich auf eine Parkbank im Hocht aunus gesetzt und darüber gesprochen. Mit dabei: meine Leica D-LUX 3 und reichlich Bilder, die ich mit ihr aufgenommen habe.

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Direkt zum Video auf Youtube: https://youtu.be/CWimisb2GjU

Meine erste Leica: gekauft 2006 im KaDeWe

Im Oktober 2006 habe ich mir die Leica D-LUX 3 zu meinem 35. Geburtstag gekauft. Im KaDeWe in Berlin, mit Bargeld und durchaus schweren Herzens. Den genauen Preis weiß ich heute nicht mehr. Dass sie teuer war, weiß ich noch sehr genau.

Damals war sie für mich etwas Besonderes. Eine kleine, schicke Kamera – und meine erste Leica.

Fast 20 Jahre später ist sie immer noch bei mir. Inzwischen sogar meine einzige Leica. Die letzten Jahre hat sie allerdings überwiegend in der Vitrine verbracht.

Für dieses Video habe ich die Akkus geladen und sie wieder mitgenommen. Unter anderem auf die morgendliche Hunderunde, bei der Chili natürlich auch als wenig begeistertes Fotomodell herhalten musste.

Das gute Stück funktioniert noch. Bei den alten Akkus ist die Ausdauer allerdings überschaubar. Nach ungefähr 30 bis 40 Bildern wird es eng. Hat also fast etwas von einem analogen Film: Irgendwann ist die Runde voll.

Damals begeistert, heute deutlich ernüchtert

Ich erinnere mich noch gut daran, wie begeistert ich damals von den Bildern war. Heute schaue ich anders darauf.

Gerade bei starken Helligkeitsunterschieden merke ich schnell, wie viel sich seitdem getan hat. Ein schöner Himmel mit weißen Wolken, dazu etwas Schatten im Motiv – und schon stößt die Kamera an Grenzen. Auch der Weißabgleich sorgt für Ergebnisse, die mich heute nicht unbedingt glücklich machen.

Im Video zeige ich euch zahlreiche Aufnahmen, damit ihr euch selbst ein Bild machen könnt.

Für mich ist dieser kleine Ausflug vor allem eine Begegnung mit meiner eigenen Fotogeschichte. An der Kamera hängen Erinnerungen. Die Bildergebnisse wecken bei mir allerdings nicht den Wunsch, meine aktuellen Kameras regelmäßig gegen sie einzutauschen.

Und genau da beginnt die Frage, die mich interessiert.

Was reizt euch an einer alten „IXUS“?

Meine Leica habe ich aus persönlichen Gründen behalten. Ich weiß noch, wann ich sie gekauft habe und was sie mir damals bedeutet hat.

Wer sich heute zum ersten Mal eine alte Canon IXUS oder Vergleichbare kauft, bringt diese gemeinsame Geschichte mit der Kamera zunächst nicht mit. Was macht dann den Reiz aus?

Ist es der direkte Blitz? Sind es die Farben? Ist es ein Look, der an frühere Familienbilder und Urlaubsfotos erinnert? Oder liegt es schon daran, einen eigenen Fotoapparat in der Hand zu halten?

Vielleicht verändert eine separate Kamera auch die Aufmerksamkeit. Man nimmt sie mit, um zu fotografieren. Kein Messenger, keine Benachrichtigungen, kein schneller Wechsel zur nächsten App.

Das sind mögliche Erklärungen. Welche davon für euch tatsächlich eine Rolle spielen, würde ich gerne erfahren.

Wie viel Unperfektion suchen wir?

Ich kann die Lust auf unperfekte Bilder durchaus nachvollziehen.

Auch ich schraube Filter vor moderne Objektive, um Bildern etwas von ihrer Schärfe zu nehmen. Auch ich freue mich über digitale Fotos, die nicht klinisch sauber aussehen und mich in ihrer Wirkung an analoge Aufnahmen erinnern.

Trotzdem merke ich bei der alten Leica: Für meinen Geschmack gibt es Grenzen. Wenn mir in hellen Bildbereichen Zeichnung fehlt oder der Kontrastumfang zu knapp wird, empfinde ich das nicht automatisch als charmant.

Andere sehen vielleicht genau darin den besonderen Charakter dieser Kameras.

Es könnte ähnlich sein wie bei einer Schallplatte: Zum Erlebnis gehört mehr als die rein technische Qualität. Das Anfassen, das bewusste Auswählen, das Auflegen. Vielleicht spielen bei alten Digitalkameras das Einschalten, das ausfahrende Objektiv und der Druck auf den Auslöser eine ähnlich große Rolle.

Ist das ein Hype – und wenn ja, warum?

Die Gebrauchtpreise, die mir begegnen, lassen mich jedenfalls staunen. Für manche alten IXUS-Modelle werden um die 200 Euro aufgerufen. Da frage ich mich schon, was Käuferinnen und Käufer heute in diesen Kameras sehen.

Meine D-LUX 3 darf weiter bei mir bleiben. Als Erinnerungsstück und als meine erste Leica hat sie ihren Platz sicher.

Ob ich künftig öfter mit ihr fotografiere? Nach diesem Ausflug hält sich meine Begeisterung dafür in Grenzen. Umso neugieriger bin ich auf die Sicht derjenigen, die solche Kameras gerade erst entdecken.

Fotografiert ihr mit einer alten Digicam? Habt ihr euch bewusst eine Canon IXUS oder eine andere Kompaktkamera gekauft? Was gefällt euch an den Bildern und am Fotografieren damit?

Schreibt es mir gerne in die Kommentare. Ein paar Stichworte reichen völlig. Ich möchte verstehen, was euch daran begeistert – und ob ich überhaupt einen Hype beobachte oder nur einen kleinen Ausschnitt davon.

Liebe Grüße
Euer Fotofutzi Jörg

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