Mit diesen 10 Tipps schaffst auch Du es in einen Burn Out

Veröffentlicht von

All_what_you_need_is_Love_and_a_Dog_01

Ich habe lange überlegt ob ich dieses Posting überhaupt schrieben soll. Es gibt in meinem ledernen „Tagebuch“ (ja sowas habe ich…) sogar mehrere Versionen  dieses Blogpostings.

Soll ich überhaupt etwas darüber schreiben? Geht das jemandem im Internet etwas an? Das hier ist ein Fotoblog, was hat hier ein Bericht über einen Burn Out zu tun?

Nun, da ich relativ viel Online lebe und es doch einige mitbekommen haben, dass sich irgendwas an und mit mir verändert hat und ich in den letzten sechs Wochen doch irgendwie ein anderer war, bin ich zum Ergebnis gekommen, doch darüber zu schreiben. Jetzt, nachdem es bei mir mental und körperlich deutlich bergauf geht, bin ich zu diesem Posting bereit.

Eins vorneweg: Ich hasse den Modebegriff „Burn Out“, da er leider meines Erachtens allzu oft komplett fehl am Platz verwendet wird.

Mit diesem Posting will ich keine Aufklärung betreiben über Medizinische und Psychische und sog. Seelische Zusammenhänge, sondern vielmehr erklären was man „tun muss“ um auch in einen Burn Out oder Komplettausfall kommen zu können. Also nennen wir es hier mal:

Die 10 zuverlässigen Tipps wie man an einen Burn Out kommen kann!

  1. Auf keinen Fall NEIN sagen!
    1. Macht alle Termine möglich – auch wenn es eigentlich nicht geht – macht es gehend…
    2. Nein-sagen ist etwas für charakterlose Menschen die nix drauf haben…
    3. Nein sagen macht einen unbeliebt – wer will schon unbeliebt sein…
  2. Macht es immer allen Recht!
    1. Vorauseilender Gehorsam ist enorm wichtig…
      1. „Er oder Sie wird bestimmt wollen das ich….“
      2. nur wenn Ihr es jedem Recht macht seid Ihr überall beliebt und gefragt…
  3. Always ON – Privat und Geschäftlich auf jeden Fall immer – IMMER – erreichbar sein!
    1. Urlaub nehmen bedeutet nur, dass man nicht ins Büro fährt – mobil arbeiten kann man auch im Ferienhaus oder am Strand…
    2. Wenn man schon nicht schlafen kann über viele Wochen, dann kann man doch wenigstens mit dem Tablet gut weiter effektiv sein und mit seinen Mail-Reaktionszeiten zwischen 23 Uhr und 4 Uhr Nachts wunderbar glänzen…
    3. Anstatt zu schlafen kann man die Nächte wunderbar nutzen zum Brainstorming, zur Aufarbeitung von Themen die wegen unzähliger Telefonkonferenzen ohne Pause tagsüber einfach zu kurz kommen…
    4. Abschalten ist keine Option…
    5. Man muss ein Smartphone nicht ausschalten – es kann auch am Nachtschrank geladen werden während es noch an ist…
  4. Keine Pausen machen!
    1. Pausen bremsen einen nur aus…
    2. Vollgas ist geringste Geschwindigkeit…
    3. Nach einer Pause neu zu starten dauert zu lange – also immer auf Geschwindigkeit bleiben…
    4. Pausen gibt es nur in der Schule…
    5. Richtig effektive Menschen machen immer drei Sachen auf einmal – da gehen auch vier…
  5. Ratschläge von Freunden sind qutasch!
    1. Die haben einfach keinen „Bums“ und „nix drauf“…
    2. Die sind doch nur neidisch auf Dein Leben im Vollgas…
  6. So ein Leben darf auf keinen Fall unkompliziert sein!
    1. Sonst wirds noch langweilig… wer will schon ein langweiler sein?
    2. Ein Job – nur ein Job? Wirklich? Da geht mehr…
    3. Zeit mit sich selbst verbringen, kann man im Alter noch lange genug…
    4. „Nichts machen“ ist doch was für Rentner…
    5. „Weniger ist mehr…“ – Schwachsinn!
  7. 80% Lösungen gehen gar nicht!
    1. Das ist doch was für Weicheier…
    2. 100% Leistung – und zwar immer und überall – sind unterstes Minimum…
    3. 125% Leistung sind langsam akzeptabel…
    4. Ein „deutliches übererfüllt“ sollte schon immer drinne sein – über viele Jahre konstant…
  8. Sport braucht kein Mensch!
    1. Bin doch schließlich langjähriger Hochleistungs-Gehin-Jogger…
    2. Menschen die Zeit für Sport haben – und das auch noch regelm. – die können doch keinen anständigen fordernden Job haben…
  9. Ernährung ist Nebensache und sollte keine Aufmerksamkeit schlucken!
    1. Gesunde Ernährung kostet nur Zeit…
    2. Mein Leben ist Fast – also her mit dem Fast-Food…
    3. Essen kann man auch während man was „wichtigeres“ macht…
    4. Die Notebooks auf dem Schreibtisch werden doch kleiner damit man noch einen Teller auf den Schreibtsich stellen kann und während man in der Telefonkonferenz von 11-14 Uhr ist kann man auf Mute gehen und schnell mal was reinschieben…
  10. Ignoranz an sich selbst ist enorm wichtig!
    1. Der Körper sendet keine Signale – schon gar keine die man beachten sollte…
    2. Anzeichen wie Kreislaufprobleme, Schlaflosigkeit, massive Gereiztheit, keine Power mehr wo vor kurzem noch Power war, genervt sein, Frustration, Herz-Rasen obwohl man nie Herzprobleme hatte, viel Kopfschmerzen, häufiges „kränklich“ fühlen – all das sind keinesfalls Signale die man beachten sollte – das geht alles mit reichlich Ignoranz und bewusstem verdrängen von alleine wieder weg…

Wer die Ironie und den Sarkassmus in diesem Beitrag nicht verstanden hat oder verstehen wollte, sollte einfach weiterblättern in diesem Internet. 🙂

Allen anderen möchte ich sagen, das es mit der richtigen Einstellung, mit wirklich wenigen aber guten Beratern und guten medizinischen Betreuern sehr wohl möglich ist solch einen Ausfall gut zu überstehen und auch daraus zu lernen.

Ich selbst war 2011 schon mal recht ausgebrannt und jetzt in 2014 richtig „funktionsunfähig“ für etliche Tage/Wochen. Ein sehr guter Coach und eine sehr gute Ärztin und vor allem eine sehr liebevolle und verständnisvolle Familie haben mir geholfen niemals den Lebensmut und die Zuversicht zu verlieren schnell wieder auf die Beine zu kommen. Selbst einen HardCore Test (den ich mit dem Arzt besprochen hatte…) nach etwa 5 Wochen mit einem Messebesuch habe ich überstanden, wenn auch dieser leider sehr kurz ausfallen musste, da die Kräfte und die psychische Belastungsgrenze zu dieser Zeit sehr schnell erreicht waren. Meine liebe Frau hat mir sehr geholfen, meinen inneren Akku richtig dosiert zu pflegen aber auch weiterhin in dem machbaren Maße zu nutzen. Viel Spazieren gehen und Schwimmen haben mir zudem in den letzten Tagen sehr geholfen wieder tagtäglich den eigenen Aktionsradius zu erweitern.

Für all diejenigen die glauben, jemand den es mit einem solchen Ausfall erwischt hat, macht einen auf „Bequem zu Hause“ und „sei nur nicht tauglich für die heutige Berufswelt“ oder die glauben „einen Burn Out könne man mit 5 Tagen Urlaub heilen“, den allen wünsche ich auch mal, dass sie für eine Etage im eigenen Treppenhaus zu Hause 12 Minuten brauchen und nicht mehr wissen woher sie die Kraft nehmen sollen um auf die eigene Toilette zu kommen oder einen Heulkrampf bekommen weil ihnen vor Kraftlosigkeit die Kaffeetasse aus der Hand gerutscht ist. Burn Out ist kein Spaß! Egal wie schwer der einen Trifft, der Betroffene ist heftig in den Arsch gekniffen!

Mein ganz besonderer Dank für die letzten sicher nicht ganz einfachen Wochen mit mir geht an:

  • Meine liebe Frau, die sehr viel Kraft und Zuspruch für mich hatte, die sehr viele Fototermine ohne mich gestemmt hat, immer mit Witz, Charme und sehr viel positiver Energie meine Begleitung war, bei Ärtzen, beim Autofahren und auch bei diversen Ausflügen, die sehr viel Kraft und Energie zurück brachten. Ohne Dich mein Schatz würde ich sicher noch lange nicht so funktionieren, wie ich es heute tue – Dank Dir!
  • Meinen lieben Töchtern, die ebenso immer da waren wenn ich sie gebraucht habe, und das obwohl sie selbst beiden in spannenden Zeiten gerade unterwegs sind.
  • Meinen wundervollen Eltern, die mich für ein paar Tage in ihrem Ferienhaus an der Küste aufgenommen haben und mir stets mit guten – und vor allem wenigen aber sehr ruhigen – positiven Worten zur Seite standen.
  • Meiner sehr guten Ärztin, die mir vom ersten Tag des Ausfalls bis heute konsequent geholfen hat die Ungeduld mit mir selbst im Zaum zu halten und mir mit sehr guten und nicht schädlichen Medikamenten geholfen hat die innere Ruhe zu finden, die der Körper gebraucht hat um nach und nach wieder zu funktionieren.
  • Meinem sehr engagierten Coach, der mir geholfen hat zu mir selbst zu finden, was ich Anfangs für völligen Quatsch gehalten habe, aber nur wer sich selbst und seine eigene Situation akzeptiert kann diese verändern – die letzten 6 Wochen waren wie eine Abenteuer-Reise ins eigene ich. Spannend aber nicht immer einfach was man so in  sich selbst findet…
  • Meinen sehr guten Freunden, die mir mit guten Worten, lieben Zeilen, einem Lego-Kasten !!, vielen leckeren Äpfeln und tollen Blumen gezeigt haben wie wertvoll Freunde – echte Freunde – sind und wie sehr man an mich gedacht hat.
  • Den wundervollen und verständnisvollen Brautpaaren die ich selbst nicht begleiten konnte in den letzten Wochen – Euer Verständnis hat mir sehr geholfen den inneren Druck abzubauen und schnell wieder auf die Beine zu kommen.
  • Meinen verständnisvollen Kolleginnen und Kollegen aus dem Marketingjob, die mich komplett in „Ruhe“ gelassen haben, obwohl fast alle meine private Mailanschrift kennen. Ich habe von diesen Menschen, die ganz sicher einen richtig hohen Workload durch meinen Ausfall hatten, keinen Stress, keinen Druck und die notwendige Zeit bekommen wieder Fit zu werden. Noch zwei Wochen und ich bin wieder bei Euch und ich freue mich darauf!
  • Unseren beiden Hunden, die extrem viel Zeit mit mir verbracht haben, sowohl auf dem Sofa, als auch im Garten, so wie im Wald und auf dem Feld und wie oft haben wir auf einer Parkbank gesessen und zusammen in die Ferne geschaut und versucht das Karusell im Kopf anzuhalten und die Achterbahn der Gedanken anzuhalten und versucht einfach mal an „nichts“ zu denken.

Also Ihr lieben Leser meines Blogs, nehmt die obigen 10 Tipps ernst und passt auf Euch auf. Wenn man erst mal „drinne“ steckt ist es wesentlich mühsamer wieder heraus zu kommen, als wenn man frühzeitig die Signale erkennt die einem gesendet werden und man sich selbst „justiert“ bevor das Speedboat bei voller Fahrt den Anker wirft ohne das es der Kapitän Eures Körpers – Ihr selbst – es merkt.

In jeder Prüfung steckt eine Lehre!

Ich habe meine Lehre bekommen… passt auf Euch auf!

Vor vielen vielen Jahren, ich war da knapp über 18, sagte mal ein Norweger zu mir:

„Wir Norweger arbeiten um zu Leben, ihr Deutschen lebt um zu Arbeiten…“

So langsam verstehe ich was er meinte…

Schöne Grüße – Euer Fotofuzzy – Jörg Langer

p.s.: Ja, das obige Blechschild hängt seit gestern bei uns im Wohnzimmer… und es ist so viel wahres dran!

14 Kommentare

  1. Getroffen bei VI – wobei ich aktuell tatsächlich nicht zu VIII komme (vom Tanzen mal abgesehen), weil mir einfach die Zeit fehlt. Da geht also noch was bis zum Burnout 🙂

    Dir drück ich vor allem die Daumen, dass Du das „Nein“ findest wenn Dein Körper Dir sagt, dass eine Pause mal eine tolle Sache wäre und trotzdem den Spaß am Machen nicht verlierst, denn Spaß ist einfach die Würze im Leben!
    Knuddel Deine Lieben!!

  2. Super, das Ganze mal von der Seite aufzuziehen;) Mit einer Portion Humor kommt man da auch viel besser durch! Aber immer schön im Hinterkopf behalten. Man steckt da ganz schnell wieder drin:((

  3. Hallo Jörg, auch von mir gute Besserung. Leider wird die Befürchtung eines Rückfalls noch lange Zeit ein ständiger Begleiter sein, ansonsten freut sich das Hamsterrad. Die Erkenntnisse sind erste Schritte in ein sich ein verändertes Leben mit hoffentlich mehr Gelassenheit und Achtsamkeit.
    Es gibt viele Definitionen für Erfolg und Zufriedenheit. Suche Dir das für Dich Passende heraus.

  4. Hallo Jörg,

    ich bin gerade erst über den Jahresrückblick über diesen Post gestolpert und möchte Dir erst mal weitere gute Besserung wünschen.

    Da oben stehen viele Punkte, die mir mittlerweile sehr bekannt vorkommen. Nicht nur, weil es einen Kollegen von mir im Frühjahr erwischt hat, sondern weil ich mittlerweile auch eine ganze Menge davon bei mir selbst beobachte und mir da auch grad so meine Gedanken mache und an manchen Stellen die Notbremse ziehe.

    Generell ist es wohl so, dass man aufpassen muss in welchem Umfeld man sich bewegt. Welche Anforderungen das Umfeld stellt und ob man diese erfüllen kann. Gerade Punkt 1 und 2 sind so Punkte, wo sich das Umfeld mit einem „Nein“ unheimlich schwer tut, dies zu akzeptieren, zumindest ist dies meine persönliche Erfahrung. Das Umfeld ist ein nicht zu unterschätzender Faktor für die eigenen Probleme.

    LG Uwe

    1. Ja lieber Uwe, wenn ich eins lernen durfte, dann das man sein Umfeld in den wenugsten Fällen sinnvoll verändern kann. Die große Kunst ist es, sich so zu entwickeln das man mit sejnem Umfeldmumgehen lernt ihne sichnselbst zu opfern oder ganz raus muss aus seinem Umfeld.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.