Ich kann es nicht mehr hören oder lesen – „weiches Bokeh“ nur bei Blende 1.2 oder 1.4″

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Ich kann diese Sätze wie…

„People-Bilder macht man bei Blende 1.2/1.4 damit das Bokeh schön weich wird….“

oder…

„Mit einem Objektiv das erst bei Blende 4 anfängt kann man doch keine gescheiten People-Bilder machen, die stellen ja gar nicht frei…. und haben kein weiches Bokeh…“

nicht mehr hören/lesen. Diese „Voll-Theoretiker-Diskussionen“ in den Foren sind – sagen wir mal öffentlichkeitstauglich – „daneben“!

Ich habe mal ein paar Bilder rausgesucht, die ich mit meinem Sony 70-200 4.0, alle zwischen 100 und 200mm, gemacht habe. Alle diese Aufnahmen sind mit Blende 4.0 aufgenommen worden.

Bokeh_Pauline_SW
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Natürlich ist es unbestritten, dass eine offene und lichtstarke Blende einen weichen Hintergrund macht und das mit zunehmender Brennweite und zunehmender Sensorgröße dieser weiche oft „Bokeh-Effekt“ genannte weiche Hintergrund verstärkt wird. Einer der größten Einflussfaktoren auf einen weichen Hintergrund zu kommen ist übrigens der Abstand zum Hintergrund. Einen Menschen direkt vor eine unruhige Mauer stellen und dann eine weiche Wand im Hintergrund erwarten wird auch mit Blende 1.2 leider nichts. Stellt den Menschen einen oder mehrere Meter vor die selbe Wand und nehmt das Bild neu auf, schon sieht die Wand im Hintergrund ganz anders aus. Was will ich damit sagen? Es kommt auf die Bildgestaltung mehr an als auch die verwendete Technik. (klingt wieder mal bissi wie das Wort zum Sonntag, ich weiß…)

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Da ich selbst auch Objektive wie zum Beispiel das Fujinon 56mm 1.2 oder das Sony Zeiss 55mm 1.8 oder auch das Nikon 85 1.8 sehr gerne und sehr oft einsetze, weiß ich durchaus welche Vorteile diese offene Blende hat, aber dennoch möchte ich Euch motivieren auch mal andere Objektive zu nutzen und dennoch in der Bildgestaltung auf den weichen Hintergrund zu achten, den man auch mit Blenden oberhalb der 1.2/1.4/1.8 machen kann. Ich denke die obigen Bilder zeigen das es geht – ein weicher Hintergrund mit Blende 4.0!

Bokeh ist übrigens nicht die Stärke der Unschärfe, sondern das Aussehen der Details im weichen Hintergrund. Das könnt Ihr auch gut und detailliert nachlesen auf Wikipedia unter KLICK:

Bokeh (von jap. 暈け, auch ぼけ oder ボケ geschrieben, boke „unscharf, verschwommen“)[1] ist ein in der Fotografie verwendeter Begriff für die Qualität eines Unschärfebereichs. Unscharfe Gebiete eines Fotos (oder Films) werden von einem Objektiv durch Projektion auf eine Abbildungsebene (heute typischerweise einen Lichtsensor) erzeugt. Sie sind sozusagen „Erfindungen“ des Objektivs; unser Auge sieht die Unschärfen nicht oder anders. Bokeh versucht, die meist subjektive, ästhetische Qualität dieser objektivabhängigen Unschärfen zu kennzeichnen; dabei geht es nicht um die Stärke der Unschärfe, sondern darum, wie die Unschärfebereiche aussehen, etwa wie Ringe oder Kreise.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Bokeh

Für die Wirkung des Hintergrundes ist oftmals auch die Form der verbauten Blendenlamellen im Inneren des Objektives verantwortlich, sowie ganz immens die Linsencharakteristik des Objektives, die sehr unterschiedlich sein können.

Die Anzahl oder Form der Blendenlamellen zum Beispiel ist für sich allein ein sehr unsicheres Indiz für ein als natürlich empfundenes, nebliges statt harsches Bokeh, obwohl ein kreisrundes Blendenbild (ohne Zacken) in der Regel als weniger auffällig gilt.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Bokeh

Einige nutzen ja mittlerweile wieder sogenannte Charakter-Objektive, die entweder schon sehr alt sind oder so wie das Petzval, ein neues auf alt gemachtes Objektiv. Diese damit erzeugten Bokehs in den Bildern sind echte Geschmackssache und treffen sicher nicht jeden Kundengeschmack, können aber bei richtigem Einsatz auch traumhafte Bilder produzieren, wie uns zum Beispiel Steffen Stilpirat Böttcher gezeigt hat in seinem Posting zum 85mm Brass Petzval.

Also, egal wie Ihr es macht und egal welches Objektiv Ihr nutzt, habt Spaß dabei und seid Tolerant anderen Meinungen gegenüber. Das Ergebnis zählt…

Schöne Grüße – Euer Fotofuzzy – Jörg Langer

p.s.: Ja, ich habe meinem kleinen Hund das Ohr abgeschnitten… so viel zum Thema Bildgestaltung 🙂

10 Kommentare

  1. Hallo!
    Tolle Portraits einer hübschen jungen Dame – mir kommt es allerdings so vor als wenn hier nicht, wie es sich gehört für solch Portraits, mit einer Blende 2.x geschweige denn 1.x gearbeitet wurde??? Das zerstört den Bildaufbau natürlich immens und sorgt auch für etwas Verwunderung bei der jungen Dame … also wenn man genauer hinsieht … Normal steht sie nämlich bei echten Profis vor der Kamera und sieht selbstverständlich auf Anhieb durch den Blick auf das Objektiv, was die Spreu vom Weizen bei den Schattenfängern trennt … Aber Du hast es zumindest probiert, und das ist ja schon mal allen Ehren wert …

    Gruss, Micha …

    1. Und überhaupt: ein Profi, der mit SONY fotografiert????? Am Ende war die Kamera gar nicht richtig klobig und schwer? Das arme, arme Model!

      Und dann noch die geschlossene Blende mit f4!

      => Kann kein Profi sein!

      ;-)))))))

  2. Disclaimer gleich vornean : Dieser Beitrag kann schwarzen Humor enthalten. Für Hardcoreforenuser, die vor lauter Forum nicht zum knipsen kommen nicht geeignet.

    Jörg, Deine einleitenden Sätze … mein Reden seit Ewigkeiten : Achtet auf den verdammten Hintergrund und alles wird gut. Oder haltet ihn ruhig aus sich selbst raus. Sollense halt auch mal die vielgepriesenen Doofrechner bemühen, wenns auf der Scherbe nicht mehr aufgemalt ist. Wie sich das eigentlich gehört 😀 Und wenns dann mit 135mm knapp hinter der Nahgrenze aufs Erdenkind losgeht kann auch eine 11 noch verflixt eng werden, wenn denn auch beide Augen in der Schärfe liegen sollen. 😉
    Aber bitte, kloppt euren models das kameraferne Auge ruhig zu Brei … ist ja hip.

    @MIchael : *griiiinz* 😉

  3. Moin Jörg,
    ach, das Lächeln oben gefällt mir! Und damit ist eigentlich sämliche Diskussion erledigt. I fool with a tool is still a fool with a tool… Denk an deine Gesundheit und lass Forenlesern-/schreibern doch ihre Meinung.

    just my 2cents

    1. Danke – hast ja völlig Recht!

      Ich toleriere übrigens jede Meinung – auch wenn Sie noch so doof ist. 🙂

      Was ich nur etwas versuche, ist diese vorherrschende Meinung „ich-machte-geniale-Bilder-weil-ich-das-teuerste-Equipment-habe“ etwas zu relativieren, da bei vielen die banalsten Grundlagen einfach fehlen aber genau diese Typen die sind, die am lautesten über andere „herfallen“.

      Vielleicht hab ich auch nur einen „gut gehenden Content“ gesucht um die wunderbare Pauline mal zu zeigen die ich mit meiner teuren Kamera gemacht habe… *gggggg*

      Schönen Tag Euch allen und vielen Dank für Eure treue Leserschaft in meinem kleinen Blog.

    1. Jens, nicht so pauschal, ja ? tz tz tz.
      Blende 8 ( aber nicht kleiner als 11, weil dann ja sofort schlagartig ohne Anklopfen die pöhse pöhse Beugungsunschärfe allüberall ihr Unwesen treibt und jede Postkartenansicht versaut ) und MAKKSCHIMAHL 20mm Brennweite für die dafür vorgesehene Natur. Und New York. Eher noch weniger mm. Man muss ja sparen, wo man kann. 24mm fürdie Armutsklasse und Freizeitahnunglosknipser. Drüber geht dann aber wirklich überhaupt nicht mehr.

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