Es war der schwerste Fototermin den wir je hatten

Veröffentlicht von

Sternenkind Bürgerhospital

Die vergangene Woche war an Spannung kaum zu überbieten. Es standen eigentlich nur vier Tage mit verschiedenen Meetings an und viele Termine an den Abenden.

Am Mittwoch früh erreichte uns ein Anruf einer lieben schwangeren Mutter, die im Auto saß auf dem Weg ins Frankfurter Bürgerhospital um dort in der 25sten Schwangerschaftswoche ihre Tochter auf die Welt zu bringen, die durch einen Gendefekt leider keine Überlebenschance hatte.

Wir sind ja seit ein paar Wochen bei der Organisation Dein-Sternenkind als ehrenamtliche Fotografen gelistet, die den Eltern in einer solchen schweren Phase mit ein paar kostenfreien stimmungsvollen emotionalen Fotos dauerhafte Erinnerungen schaffen möchten um diese belastende Lebenslage besser verarbeiten zu können. Unser erster Einsatz sollte – so war es geplant –  Anfang Juli sein bei einer sehr lieben Familie die wir schon beim Babybauch-Shooting näher kennen lernten.

Jetzt sollte es anders kommen und unser erster Einsatz und der erste Kontakt mit einem Still geborenen kleinen Menschen sollte also jetzt schon früher kommen. Wir waren ab Mittwoch „in Stand By-Stellung“ und warteten Tag und Nacht auf unseren Einsatz im Frankfurter Bürgerhospital. Freitag Abend gegen 18 Uhr kam dann der erwartete Anruf und wir durften ins Bürgerhospital fahren um der Familie im Abschiedsraum der Klinik mit ein paar Fotos und einer kurzen Videosequenz beim Abschied nehmen zu helfen. Im Auto auf dem Weg nach Frankfurt waren wir beide, meine liebe Frau und ich, alles andere als Gesprächig. Wir waren gefangen in unseren Gedanken, mit unseren Befürchtungen im Geiste beschäftigt und versuchten mit aller Kraft die Energie zu bündeln um den Eltern zu helfen und nicht durch Nervosität und Unruhe die Situation noch zu erschweren.

Es war das schwerste Shooting. Es war das Shooting das am meisten Kraft kostete. Es war das Shooting das uns am meisten gestärkt hat. Nein, das widerspricht sich nicht.

Im Krankenhaus angekommen, begrüßte uns die äußerst sympatische Krankenhaus-Seelsorgerin und war sehr erfreut etwas mehr von der Organisation Dein-Sternenkind zu erfahren. Sie gab uns sehr viel Mut und zugleich sehr viel Kraft als wir gemeinsam in den Abschiedsraum zu den trauernden Eltern gingen. Die Eltern waren gefasst und freuten sich immens über unser Eintreffen und unsere Bereitschaft mit Ihnen zusammen und dem sehr kleinen für immer schlafenden Menschlein in einem Körbchen liegend ein paar Bilder zu machen und ein kleines Video zu drehen.

Nach etwa 45 min. verabschiedeten wir uns wieder und die betroffene Mama drückte meine Frau sehr intensiv und sehr fest und war voller Dankbarkeit.

Wir beide, meine Frau und ich funktionierten wie eine Maschine in diesen 45 Minuten. Wir gaben sehr viel Ruhe, Energie und aufrichtiges Beileid den trauernden Eltern und bekamen so viel Dankbarkeit wie noch bei keinem anderen Fototermin jemals zu vor.

Es war eine Erfahrung die unbeschreiblich ist und die ich hier nur mit wenigen Worten versuche Euch meine lieben Freunde und treuen Blogleser rüber zu bringen, es wird mir aber nicht in der Gänze gelingen diese Emotionen und Gedanken zu transferieren.

Die liebe trauernde Familie bekommt morgen von uns einen fertig geschnittenen 2 min Videoclip in Full HD und 25 Fotos auf einem USB Stick und dazu sechs schwarz-weiße Fine-Art-Prints in einer kleinen schwarzen Fotobox.

Wir hoffen sehr das die beiden den Verlust verarbeiten können und unsere Fotos ihnen dabei helfen. Voller Dankbarkeit, Menschen die es brauchen, etwas zu geben was hilft deren Schmerz im Herzen zu lindern gibt uns die Kraft und die Energie dieses Projekt Dein Sternenkind auch weiterhin tatkräftig zu unterstützen.

Kraft geben und Kraft bekommen – Dein-Sternenkind.

Schöne aber auch nachdenkliche Grüße an Euch alle.

Euer Fotofuzzy Jörg Langer und seine liebe Frau Stephanie

16 Kommentare

  1. Schon beim Lesen überkommt mich ein kleiner Eindruck davon, mit welchen Gefühlen ihr umzugehen hattet.
    Ich finde es toll, dass ihr das macht. Respekt.

  2. Lieber Jörg, liebe Steffi.
    Ihr habt so einen gute Tat vollbracht. Die Eltern können so glücklich sein, Euch in der schweren Stunde dabei gehabt zu haben. Eure Worte haben mich tief bewegt im Blogtext. So schlimm die Tatsche – so wunderbar Eure Arbeit. SO SCHÖN, dass ihr die Erinnerung an das still geborene Mädchen festgehalten habt.
    Herzliche Grüße,
    Daliah

  3. Ich kann sehr gut nachempfinden was es bedeutet den Eltern in dieser Situation beigestanden zu haben – meine höchste Anerkennung !!!

  4. Wie auch ich auf meinem Blog schon mehrfach überlege, mich für dein-Sternenkind zu fotografieren, habt ihr es getan. Ich bin stolz auf euch und die Eltern verdanken euch viel.

    Wie verarbeitet man diesen Einsatz? Wie habt ihr technisch eure 45 Minuten umgesetzt?

    Wir lange beschäftigt einen so ein Einsatz hernach noch?

    Ich hadere so sehr damit mich dafür zu registrieren

    1. Hallo Benno,
      wie man diesen Einsatz verarbeitet? Im festen Glauben etwas gutes zu tun, sehr gt. So wie ein Seelsorger sich auch durch seinen Einsatz als Helfer motiviert. Wen es uns gelingt Leid zu lindern oder schmerz zu verkürzen ist das etwas was und glücklich macht.

      Technisch ist zweitrangig in diesem Moment. Wir hatten zwei spiegellose Fuji XT1 dabei. Eine mit dem 23 (35) er und eine mit dem 56 (85). Der Abschiedsraum ist sehr dunkel, da war es bei. Blende. 1.2 bis 2.0 gerne auch bis ISO 3.200. Da diese Bilder nur in SW ausgeliefert werden ist das aber völlig problemlos. Wir haben bewusst nicht geblitzt und auch bewusst die leisen Kameras genommen.

      Der Moment ist ein extrem ruhiger und wir wollten keines falls den Moment in seiner. Beschaffenheit beeinflussen und die Eltern vom Abschied nehmen ablenken.

      Wenn Du noch mit Dir haderst, melde dich an und teste es. Es wird dir niemand böse sein wenn Du es nicht schaffst. Wir haben das auch von Anfang an so kommuniziert und haben jetzt nach dem ersten „Einsatz“ gemerkt das es einen stärker macht und mehr Kraft gibt, als es diese kostet.

      Ich hoffe es beantwortet Deine Fragen.

      LG Jörg

  5. Hallo Jörg,

    vielen Dank für euren Erfahrungsbericht. Ich denke er gibt vielen Fotografen den Mut sich bei „dein Sternenkind“ zu melden oder einzutragen. Denen, die sich schon dafür gemeldet haben, hilft der Bericht mit sicherheit ebenfalls und motiviert zum weitermachen
    Danke

  6. Vielen Dank für Eure selbstlose Arbeit! Ich selbst bin Mama von 4 Sternenkindern und hatte leider nicht die Möglichkeit Abschied zu nehmen oder Fotos zu bekommen. Das fehlt mir mein ganzes Leben lang. Du weißt als Mama nicht wie Dein Kind ausgesehen hat, zur Trauer kommen immer Selbstvorwürfe und die Frage hinzu, wie das Kind ausgesehen hat. Mit der Arbeit von Fotografen wie Euch wird zumindest diese Frage beantwortet und ein Abschied in Würde ermöglicht. Vielen Dank, dass Ihr Eltern solch ein Geschenk macht!

  7. Auch ich bin selbst Mutter eine Sternenkindes und freue mich sehr, das es nun auch endlich in Deutschland Fotografen gibt, die sich auf diesen, nicht nur für die Eltern, sondern auch für die „Aussenstehenden“ schweren Weg, begeben. Unsere Tochter wurde vor 5 Jahren von der Klinikfotografin fotografiert, die bar jeder Emphatie „ihren Job“ gemacht hat. 1 Woche nachdem meine Tochter in der Klinik verstorben war, erhielten wir Besuch einer anderen Dame, die uns ihre Bilder für einen horrenden Preis verkauft hat. Bedenkzeit ob diesen hohen Preis hatten wir nicht, mit dem Hinweis, das Material würde vernichtet, wenn wir uns nicht gleich entscheiden.
    Im Vergleich zu den Bildern, die ich im Laufe der letzten Jahre von anderen Sternenkindern gesehen habe, sind unsere noch nicht einmal schön.
    Deshalb freue ich mich sehr über eure Initiative! Ihr helft damit den Eltern in einem Umfang, den man kaum ermessen kann. Vielen Dank!

  8. Eine wunderschöne Idee und auch wie ich finde eine sehr Ehrenwürdige Aufgabe die man damit hat …
    Ich finde nur das nicht der Tod immer gleich mit der Farbe Schwarz verbunden werden sollte , schon gar nicht bei so einem zarten Menschenleben.Vielleicht kann man die schwarze Geschenkbox etwas freundlicher gestalten …. Waren zumindest meine ersten Gedanken ….

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.