Wie ein Unterstrich die Performance in Lightroom um 500% steigert – mein LR Workflow

Veröffentlicht von

Diese ständigen Lightroom-Performance-Meckereien von vielen (inkl. mir selbst) sind nicht mehr zu ertragen. Ich kann es nicht mehr lesen in den ganzen Gruppen und Social Media Timelines. Da muss es doch eine Lösung geben? Oh ja, vermeintliche Lösungen gibt es viele, zumindest tauchen immer wieder die allertollsten „Tipps“ und „Lösungen“ in diesen Mecker-Threads auf. Da liest man immer wieder:

  • Katalog auf eigene SSD…
  • für jedes Shooting ein eigener Katalog…
  • fetter Grafikkarte des Typs XYZ und ZYX…
  • Smart-Vorchauen anstatt 1 zu 1 Vorschauen…
  • nur 1 zu 1 Vorschauen…
  • RAWs entkoppeln…
  • immer vorher in DNG umwandeln…
  • u.v.m. …

Soll ich Euch was sagen – ich habe alles – wirklich alles was ich lesen konnte getestet. Generell muss ich sagen, das ich durchaus mit meinem System recht gut arbeiten konnte. Flott ist aber anders…

Erst der Unterstrich hat die wirkliche Performance-Rakete gesteigert!

Ja das stimmt. Der Unterstrich im Foldernamen der RAWs hat mein „Problem“ gelöst. Aber fangen wir mal von vorne an. Ich erkläre Euch mal in Stichworten meinen Workflow vom Klick in der Kamera bis zum fertigen BIld für den Kunden.

  1. Bild machen (ich nehme nur RAW auf in der Kamera)
  2. SD-Cards aus allen Kameras nach dem Shooting in einen Folder auf dem Desktop kopieren
  3. Lightroom starten
  4. Bilder in Lightroom importieren in einen aussagekräftigen Ordner und darin die RAWs in den Ordner „ORIG“. 

    Dadurch das alle Speicherkarten im Ordner „Import“ liegen brauche ich keine Speicherkarten mehr wechseln und kann den Import die ganze Nacht laufen lassen.
  5. Beim Import lasse ich SmartVorschauen rendern
    Was SmartVorschauen in Lightroom sind könnt ihr sehr gut >>> hier <<< nachlesen.
  6. jetzt kommt der wichtigste Schritt um sehr schnell und sehr performant die Bilder zu sortieren und zu bearbeiiten!
    Ich benenne den Ordner der RAW Files um und ergänze den Ordnernamen „ORIG“ um einen Unterstrich – der dann „ORIG_“ heißt.

    Durch diesen Unterstrich – durch diese Ordner-Umbenennung – findet Lightroom die Original RAW-Dateien nicht mehr und greift vollautomatisch auf die zuvor gerenderten SmartVorschauen zurück. Diese können ohne jegliches Nachladen äußerst flüssig durchgeblättert, markiert und auch vollumfänglich mit den Lightroom-Reglern eingestellt und bearbeitet werden.
  7. Bilder sortieren und mit den Sternen markieren
    1. 1 Stern = kann bleiben
    2. 2 Sterne = geht an den Kunden
    3. 5 Sterne = können ins Web oder in den Print gehen
  8. Alle Bilder mit einem Stern oder größer werden mit der Farbmarkierung „Grün“ versehen und in Bunt bearbeitet. Ich arbeite mit eigenen erstellten PreSets die ich auf alle markierten Files synce und dann jedes Bild einzeln justiere und nachbearbeite. Damit sind die „bunten Bilder“ dann fertig
  9. Die fertigen Grünen Bilder werden mit virtuellen Kopien „gedoppelt“. Diese Kopien werden dann mit der Farbmarkierung „Rot“ versehen und mit einem PreSet in Schwarz-Weiß umgewandelt. Diese Bilder werden alle noch einmal durchgeblättert im Entwicklungsmodul und bei Bedarf geringfügig nachjustiert in den Einstellungen.
  10. Die fertigen „Roten“ Schwarz-Weiß“-Bilder werden wiederrum mit neuen virtuellen Kopien gedoppelt und mit der Farbmarkierung „Gelb“ versehen und über ein PreSet in die Sepia-Tönung umgewandelt. 
  11. Jetzt folgt wieder ein wichtiger Schritt!
    Der Folder mit dem Unterstrich muss wieder in „Ursprungszustand“ versetzt werden, damit Lightroom beim Entwicklen die Original-Files wieder im Zugriff hat.
    Aus „ORIG_“ wird also wieder „ORIG“.
  12. Die fertig „eingestellten“ RAWs werden entwickelt. Ich habe mir dafür ein paar Export-PreSets angelegt.

    Die fertig exportierten JPGs landen nach dem Export dann auf dem Desktop in den jeweiligen Foldern „SW_GROSS“ / „SW_MITTEL“ / „SW_KLEIN“ / etcpp auf dem Desktop des Rechners. Bei Hochzeiten lasse ich die Exporte dann alle i.d.R. über Nacht laufen so das mir die lahme Performance von Lightroom dabei dann egal ist. Am nächsten Morgen werden diese Folder dann in den Unterordner EXPORTE einsortiert. Das sieht dann so aus:
  13. Wenn die Bilder alle fertig sind und per Picdrop oder USB-Stick beim Brautpaar oder anderen Kunden gelandet sind verschiebe ich die Bilder in Lightroom auf eine externe HDD, die per Thunderbolt angeschlossen ist. Damit bleiben die Bilder innerhalb von Lightroom noch im Zugriff für mich, belasten aber die interne SSDs meines Systems nicht. 
  14. Ich kopiere den gesamten Folder inkl. aller RAWs und Exporte auf mein NAS und auf eine zusätzliche externe Festplatte. Diese sind nur reine Kopien und keine Lightroom-Bilder – aber „sicher ist sicher“.

Es liest sich wahrscheinlich aufwendiger als es in Wirklichkeit ist. Ich komme mit diesem Workflow sehr flott zurecht und kann innerhalb weniger Stunden sehr große Datenmengen sortieren und bearbeiten.

Nachfolgend plaudere ich mal aus dem „Aufwandskästchen“ der letzten Hochzeit:

  • 14h Hochzeitsreportage (Samstag)
  • 2900 Aufnahmen aus 4 Kameras
  • 14 Speicherkarten
  • 1 Stunde Kopieren der Speicherkarten auf den Rechner (Sonntag)
  • Importvorgang in Lightroom starten (Sonntag) inkl. SmartVorschauen rendern (30 min bewacht – der Rest erfolgt über Nacht ohne mich)
  • 3 Stunden reines sortieren der 2900 Bilder auf 600 Bilder die an das Brautpaar gehen (Montag Abend)
  • 4 Stunden bearbeiten (Dienstag früh)
  • 2 Stunden Album erstellen (InDesign) und bestellen (Dienstag Abend)
  • 1 Stunde SlideShow erstellen (Mittwoch früh)
  • 1 Stunde Daten auf USB-Stick kopieren, auf die externe HDD verschieben in Lightroom, aufs NAS kopieren und auf die zusätzliche externe HDD sichern und archivieren (Mittwoch Abend)

Somit bin ich nach drei Tagen „durch“ mit allem und das ohne Stress und Hektik. Vor dem „Unterstrich-Hack“ beliefen sich die Sortier- und Bearbeitungsaufwände locker auf 15 bis 20 Stunden.

Ein „Unterstrich“ kann Leben retten!

Vielleicht hilft Euch diese Beschreibung des Workflows und der kleine Tipp mit dem „Unterstrich“.

Der generelle „Hack“ ist das entkoppeln der Orignal-RAW-Files von der Lightroom-Datenbank bei der Bearbeitung und das Erzwingen das Lightroom auf die SmartVorschauen zurückgreifen muss.

Diese Performance Steigerung ist wirklich beachtlich und meines Erachtens weit sinnvoller als jegliche teure Hardware Optimierung an der Rechnerbasis. Generell kann eine teure und fette Grafikkarte und schnelle SSDs den Export-Vorgang (der bei mir immer Nachts läuft…) aber auch erheblich steigern. Der oben beschriebene „Performance-Hack“ ist also eine gute Ergänzung zu flotter Hardware. Der obige Workflow funktioniert auf Windows gleichermaßen wie auf dem Mac.

Hilft Euch das? Ich hoffe doch…

Schöne Grüße – Euer Fotofuzzy – Jörg Langer


Da die Frage öfter kommt – hier meine Hardware-Liste mit der ich arbeite:

Meine liebe Frau arbeitet mit einem Windows Notebook in ähnlicher Konfiguration und ist genau so schnell. Vor- oder Nachteile für das eine oder andere Betriebssystem kann ich keine finden. Der Windows 10 Rechner ist genau so schnell und zuverlässig wie der Mac. 


Mehr Bilder aus meinem Alltag findet Ihr wie immer in Instagram unter
www.instagram.com/langeronline.

Sehen wir uns dort?

30 Kommentare

    1. Echt? Warum? (Ok, wenn’s jetzt um Bilddaten der D850 ginge, die LR noch nicht kann…)

      Mit geringfügigen Variablen funktioniert mein Workflow fast genauso wie der von Jörg. Es gibt Dinge, die man der Consumer-Orientiertheit von Kameras und Software glücklicherweise austreiben kann…

    2. Jörg Langer Niemand hat was von JPG only gesagt… 🙂 Es gibt halt noch RAW+JPG. Damit habe ich dann ggf. schnell mal ein Bild aufs Handy gebeamt ohne erst in LR zu müssen. Allerdings ist das Handling in LR dann schon recht „sperrig“ mit den beiden Files(formaten).

    3. Erik Sternischa Für mal schnell im Internet zeigen reicht die Auflösung. Zumal es ja auch keine endgültige Bearbeitung ist, sehe ich da keine Veranlassung, ein JPG in voller Auflösung aufs Handy schieben zu wollen. Von daher fotografiere ich in RAW-only und vermisse das JPG auch nicht.

  1. Dass du die Bearbeitungen auf die Smart-Vorschauen anwendest, war verständlich. Und nur zur Sicherheit frage ich noch mal nach: Wenn du den Unterstrich wieder wegnimmst und LR damit die RAWs wieder findet, werden die Anwendungen automatisch auf die RAWs angewendet? Ich frage deshalb so „blöd“, weil ich bisher noch nicht mit Smart-Vorschauen gearbeitet habe. 🤐

  2. Interessant was man sich alles einfallen lässt um halbwegs zügig in Lightroom zu arbeiten. Ich bin auch nicht zufrieden mit der Geschwindigkeit, muss aber nicht ganz so viele Fotos pro Auftrag bearbeiten. Meine Hoffnung liegt auf die neue Lightroom Version die noch 2107 erscheinen soll.

  3. Interessanter Ansatz, muss ich auch mal ausprobieren. Vielleicht wird dann mein 2011er Mini „auch wieder flott“ ;o)

    Allerdings muss ich mir dann wieder angewöhnen mit Ordnerstukturen zu arbeiten.

  4. Es ist gar nicht nötig, den Namen des Ordners zu ändern. Alles gut bis zum Schritt 6.

    Anstatt den Ordner neu zu benennen, kann man Lightroom befehlen, die Smart Previews zu benutzen.

    Ich benutze Lightroom auf Englisch, aber es wird wohl auf Deutsch ganz ähnlich sein:

    – Edit, Preferences, Performance
    – „Use Smart Previews instead of Originals for image editing“ ankreuzen
    – Lightroom schließen und neu öffnen (es gibt eine Taste dafür auf dem Performance Tab).

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.