Leute Leute Leute… das Ergebnis zählt!

Veröffentlicht von

Jörg Langer

Ich hatte in den letzten ca. sechs Wochen sehr viel Zeit zum Lesen und vor allem zum darüber nachdenken was ich da lese. Da waren viele situationsgebundene Informationen dabei wie „Wie sage ich professionell NEIN?“, „Wie gehe ich mit meinen Ressourcen besser um…?“ und so nen Zeugs, aber da waren auch sehr sehr viele Fotofachbezogene-Contents dabei, die ich inhaliert habe. Ich habe seit Jahren mal wieder intensiver in Fotoforen mitgelesen und die eine oder andere Diskussion verfolgt. Und genau dieses bringt mich zu meinem heutigen Blogposting.

Ich möchte einen Appell starten mit dem Thema:

Das Werkzeug ist völlig worscht und egal – es kommt auf das Ergebnis an!

Vor ein paar Tagen haben ich ein Video von Calvin Hollywood (den ich extrem schätze und sehr mag) gesehen, das ihr HIER findet. Darin berichtete er nach ein paar Wochen Testphase über eine Kamera aus dem Hause Sony. Ich weiß den Wortlaut nicht mehr genau, aber sinngemäß sagte Calvin in einem Nebensatz:

Tolle Kamera, aber Profis nutzen eben Canon oder Nikon….

Das hat ganz sicher viele aus dem Stuhl gehauen, auch wenn ich glaube das Calvin das so nicht gemeint hat.

„Ups…“, dachte ich, „…das mal ne Ansage. Sehe ich anders, aber wer weiß wie er das gemeint hat.“

Gestern dann fand ich in einer Facebook-Gruppe die folgende Aussage:

Habe gerade die Aussage an den Kopf geworfen bekommen: „Wenn ich zu einem Fotografen gehe und sehe dass der mit Sony fotografiert, gehe ich wieder. Der kann ja kein Profi sein, wenn er keine Canon oder Nikon hat.“
Meine Zehennägel befinden sich immer noch im hochgerollten Zustand. Was meint ihr dazu?

Darauf hin entbrannte eine – für mich sehr lustige – aber auch nachdenklich machende – Diskussion über Marken und welche denn besser sei. Dann haben vermeintliche Profis andere Profis zitiert die von der Marke XYZ auf die Marke ZYX gewechselt sind und so weiter… das ging stundenlang so.

Alexander Heinrichs, ein Profi der auch extrem Online Aktiv ist, hat dann dazu gestern Abend ein Statement auf seinem Facebook Account gepostet in Form eines Videos in dem er bezug auf die vielen Mails und Nachrichten nahm die er anscheinend aus einer solchen Diskussion bekam und schüttete damit mit guten Worten und der Aussage „Ich nutze Sony weil ich Profi bin….“ wieder frisches Öl ins Feuer. Danach ging es natürlich wieder los…

Diese hier aufgegriffene Diskussion ist nur eine von unendlich vielen. Da gibt es 500 Likes, 50 Shares und 100e Kommentare zu solchen Diskussionen aber um was geht es denn wirklich?

In den letzten 10 Jahren durfte ich mit vielen Kameras von ganz unterschiedlichen Herstellern wie Leica, Mamiya, Hasselblad, Nikon, Olympus, Fujifilm, Sony, etc. arbeiten und Kunden glücklich und zufrieden machen und auch das was ich – leider viel zu selten – für mich alleine fotografiert habe, war so, dass es gepasst hat für mich. Ich hatte in diesen 10 Jahren, wovon ich gute fünf Jahre gewerblich fotografiere für Kunden, wirklich nicht ein einziges Mal die Situation, dass ein Kunde das Shooting ablehnte oder die Nase rümpfte, weil ich mit einem Werkzeug kam, das er vielleicht nicht erwartete. Alle meine/unsere Kunden haben meine Frau und ich mich gebucht weil sie Ergebnisse wollten, die wir abliefern konnten. Mit welchem Werkzeug wir Ihnen diese Ergebnisse liefern war unseren Kunden bisher völlig egal.

Also auf was kommt es an? Kommt es wirklich auf den Namen oder das Logo an das unser Werkzeug hat? Wirklich? Glaubt Ihr, die Ihr an solchen Diskussionen teilhabt wirklich daran?

Ob eine Kamera einen Spiegel hat oder nicht, ob eine Kamera einen kleinen Sensor oder einen großen Sensor hat, ob eine Kamera 10 Bilder in der Sekunde macht oder eben nur ein Bild in der Sekunde – es ist dem Kunde EGAL und WORSCHT!

Glaubt es mir… Es ist unsere Aufgabe das Werkzeug zu verwenden, das wir verstehen, das wir bedienen können und mit dem die Aufgabe zu realisieren ist die der Kunde realisiert haben möchte.

as ganze trifft auf die nicht gewerblichen Fotobegeisterten natürlich ebenso zu. Es ist egal was auf der Kamera steht, solange Ihr an Euren Bildern – also an dem was hinten raus kommt – Spaß habt und das machen könnt, was Ihr Euch vorgenommen habt.

Gerade in der Peoplefotografie kommt es viel mehr auf den Menschen hinter der Kamera an, als auf die Kamera. Die Chemie zwischen Kamera-Bediener und demjenigen der Fotografiert wird, die muss stimmen, nur dann werden die Ergebnisse auch „stimmig“ sein. Ob man mit Markendiskussionen allerdings an seinen eigenen „Social-Skills“ wirklich was verbessert ist fragwürdig… 🙂

Warum schreibe ich das? Gerade ich, derjenige der andauernd irgendwas was testet und probiert und darüber berichtet? Nun, ich möchte eine Lanze in den Boden schlagen für bessere Fotos und bessere Ergebnisse. Anstatt tagelang Energie in Foren-Diskussionen über Marke XYZ oder ZYX zu vergeuden, sprecht lieber die hübsche Nachbarin an oder die knackige Kassiererin im Rewe (haben wir auch schon gemacht – das funktioniert!) und geht Bilder mit denen machen um von Shooting zu Shooting mehr Erfahrungen zu sammeln und immer besser zu werden in den Ergebnissen und im Umgang mit Eurem Werkzeug, egal von welchem Hersteller das Teil ist.

Geht an das Licht und macht Fotos – denn um das geht es – um das Licht und um die Fotos!

Der folgende Vergleich ist nicht von mir und ist auch schon echt sehr alt und bekannt, aber so treffend wie kaum ein anderer: Wenn Euch ein Essen im Restaurant schmeckt, geht Ihr dann auch zum Koch und fragt mit welchem Herd oder welchen Töpfen er das zubereitet hat? Oder noch schlimmer, geht ihr vor dem Essen zum Koch und fragt ihn und bestellt nur dann das Essen wenn Euch seine Marken-Antwort gefällt? Denkt mal drüber nach…

Ich habe mir in den letzten Wochen sehr viele Bilder angesehen und auch viele in Büchern und in Bildbänden – was man da an Inspiration heraus ziehen kann ist enorm. Wesentlich mehr als aus Marken-Diskussionen oder „Theorien“ warum der Herr Profi 1 diesen Hersteller verwendet oder warum der Herr Profi 2 nun zu dem anderen Hersteller gewechselt hat. Seid Euch sicher, er oder sie wird seine Gründe dafür haben.

Also starten wir den Appell? Macht Ihr mit?

Das Werkzeug ist völlig worscht und egal – es kommt auf das Ergebnis an!

Natürlich ist es richtig, dass es technisch sehr gravierende Unterschiede gibt, und dass es für den einen oder anderen Job ganz sicher ganz wichtig ist die eine oder andere Technik des einen oder anderen Herstellers zu verwenden. Natürlich macht ein großer Sensor andere Bilder als ein kleiner Sensor, und so weiter, darum geht es mir aber nicht mit diesem Appel. Mir geht es vielmehr um mehr Toleranz und Vertrauen, dass der Fotograf weiß, was er bei der Auswahl seines Werkzeuges tut, wie der Koch eben auch!

Also gut, das war mein Wort zum Mittwoch und mein Versuch die Bilder dieser Welt besser zu machen und die Diskussionen um die Marke zu entkrampfen.

Schöne Grüße – Euer Fotofuzzy – Jörg Langer

p.s.: Das sich obiger Text nahezu eins zu eins auf die fast religiöse Diskussion „Apple vs. Windows“ oder „iOS vs. Android“ übertragen lässt, ist Euch beim Lesen auch aufgefallen, oder?

13 Kommentare

  1. Es gibt eben Werkzeug und Spielzeug. Bei Werkzeug ist es egal, was draufsteht, es muss seinen Zweck erfüllen. Während bei Spielzeug viel wichtiger scheint, welche Marke draufsteht.

    Den Resultaten sieht man ohnehin eher an ob der Fotograf was drauf hatte, nicht ob das Werkzeug toll war.

  2. Ich bin dabei !
    Setzt die selbe Energie und die gleichen Kosten in Eure Ausbildung zum fotografieren wie für Eure Technik.
    Besucht zum Beispiel einen Kurs für Bildgestaltung. Geht ins Museum schaut Euch Bilder an. Was ist das Geheimnis, was faziniert mich an diesem Bild. Lerne Bilder lesen.
    Lernt fotografieren und fotografiert -> Übung macht den Meister -> nicht die Marke!

  3. 100% unterschreib – ich habe mit Mamas Kamera einer Penti (bin nur nicht sicher ob dei I oder die II) aus der DDR erste Bilder gemacht gemacht, mit ein russischen Vollmetallbilderpanzer, ohhh meine erste Canon Spiegelflexe … , dann die erste Digitale eine IXUS, Konika, Lumix, Nikon … da kam schon was zusammen. Und zur These von Jörg und eigen erfahrenen vollen Bestätigung – ich habe gute Bilder gemacht (da hat die eine oder andere Funktion bestimmt unterstützt – ohne Zweifel) aber am Ende habe ich auch verdammt viel Zelluloid zerlichtet und PIXEL Schrott³ produziert.
    Meine Erkenntnis nach all den Jahren, gut oder schlecht – lag immer an mir – ich war´s, ich allein – nicht die CAM, welcher Marke auch immer.
    Ja meine Ausbeute wird besser, wenn ich mit dem System vertraut bin, wie derzeit mit der LUMIX Welt. Nur ist das genau auch mein Thema Software und Hardware Haptik – meins ganz alleine. Ich fühl mich wohl, bin entspannt nur daran liegts, und das Recht, sich wohl fühlen zu wollen, möchte ich jedem Fotografen zusprechen, dem Profi, dem ambitionierten Amateur, dem „Knipser“ – einfach allen!
    All denen mit Smartphone, denen mit kleiner namenloser Kompakter und denen mit den ganz dicken Markencam´s – Fühlt Euch wohl!
    Mensch ist entspannt, beherrscht die Technik und schon ist der gesamte „Fokus“ – hihihi was für ein Wortspiel – auf´s Motiv ausgerichtet.
    Ich plädiere somit ebenso statt nervigem Markentterz also für das Wohlfühlen – dann stimmen die
    Ergebnisse 🙂 wie Luther schon sagte „aus einem verzagten Arsch kommt kein fröhlicher Furz!“

    lieben Dank Jörg für Deine entspannende Friedens-Aktion – Stress jibbet jenuch auffe Welt
    by – da Mad

  4. …aber eines ist grundsätzlich Fakt, wie im wahren Leben. Ohne vernünftiges und qualitatives Werkzeug keine gute Arbeit. Einfach nur mal kurz eingeworfen!

  5. In meinen Workshops zeige ich zum Einstieg immer eine kurze Multivisionsschau und lasse die Teilnehmer dann raten, mit welcher Kamera hier fotografiert wurde. Das mögliche Equipment steht dabei auf einem Tisch friedlich vereint, alles von Digikröte bis Vollformat. Dass diese Schau mit einer kompakten Knipse mit 4 Megapixel, Marke egal, fotografiert wurde, wird eigentlich nie erraten.
    Meine Botschaft dahinter ist immer, dass keine dieser Kameras eine Motivklingel besitzt! Sehen und Gestalten müssen wir schon selbst.
    Somit unterschreibe ich deinen Artikel voll.

    PS.: Deine Vergleiche Spiegel vs. Spiegellos sind übrigens dafür verantwortlich, dass ich heuer die Entscheidung zu spiegellos getroffen habe.

    LG & Gut Licht
    Hans

  6. Wenn statt Worscht aber nun Medion und statt Egal Traveler auf den Kameras steht, sieht man den Unterschied auf den Fotos hinterher schon, oder? Ich verweise hier mal auf deine immer gern gelesenen Beiträge zu Onkel Bob 😉

    Ansonsten bin ich bei dir: Ob nun Nikon, Canon, Sony oder eine andere qualitativ hochwertige Marke, ob nun 6,8 oder 10 fps, ob full frame oder APS-C/DX, usw. ist zweitranging und nur ganz selten im wirklichen Profibereich von Belang (bspw. Sportfotografie, wo die schnellen Serienbilder gebraucht werden).

    Wobei ich zugeben muss, dass ich das auch mal anders gesehen habe: Als ich an einem Workshop von Alexander Heinrichs teilnahm und er statt einer dicken DSLR seine Sony auspackte, war ich auch ganz kurz überrascht. Mittlerweile allerdings reizen mich die kompakten Systemkameras durchaus. Ich werde deine Beiträge hierzu also weiterhin verfolgen 🙂

    1. Ich möchte Marken nicht schlecht machen. Natürlich bauen Nikon, Canon und Sony andere Cameras als Medion und Traveller :-), Aber wenn ein Fotograf ein gutes Auge hat und sich in Sachen Bild-Sprache weiterentwickelt kann er mit einer Medion (nur ein Synonym) bessere Bilder machen als der „Fotograf mit der Nikon D4s oder der 15.000 Leica, der eben nix gelernt hat in Sachen Bilderwirkung.

      Mir geht´s darum andere Fotografen nicht „runterzureden“ weil sie eben anderes Werkzeug einsetzen als wir vielleicht gedacht hätten.

      1. „Mir geht´s darum andere Fotografen nicht “runterzureden” weil sie eben anderes Werkzeug einsetzen als wir vielleicht gedacht hätten.“
        Ganz meine Meinung (spätestens seit der Erfahrung in Alexanders Workshop 🙂 )

    1. yippie – super Vergleich! lasst uns noch in paar wirklich lebenswichtige Unterschiede aus dem täglichen Leben aufzeigen … neulich beim Fleischer:
      „Diese Wurst wurde für Sie mit einem Zwilling Messer geschnitten!“
      „Waaas?? Wie konnten Sie nur! Das ist ja wiederlich! Wegwerfen!“
      „Nein! War nur ein Scherz, wir verwenden Hatori Hanso Katanas! Wie immer! Wir sind doch Profis!“
      „Ja dann … puhhh … ist ja alles gut! Ich dachte schon…. … “

      nappetit – Mad

  7. Meine Meinung dazu,
    95 Prozent des Photos entstehen hinter der Kamera.

    Jeder gute Photograph kann mit jeder Kamera gute Photos machen. Der Knipser bekommt mit keiner noch so teuren Ausrüstung gute Photos hin. ( meistens diskutieren Photographen nicht über ihre Ausrüstung )

    Keiner von uns ist in der Lage die von ihm gekaufte Hardware voll auszunutzen.

    Manche Kameras kann man sicher an den Bildern erkennen, aber das eher zu analog als zu digitalen Zeiten.

    Mit freundlichen Grüßen

  8. Naja dazu muss man wissen das Sony damals Minolta aufgekauft hat und die waren auch mal sehr stark im Profisegment vertreten.

    Ich denke das entscheidende ist die Bildidee und deren Umsetzung dafür ist immer noch der jenige verantwortlich der hinter der Kamera steht.

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