Warum mich diese digitale Messsucherkamera aus 2004 nicht mehr loslässt
Es gibt Kameras, die sind technisch brillant. Und es gibt Kameras, die machen etwas mit dir.
Die Epson R-D1 gehört ganz klar zur zweiten Kategorie.
In einer Zeit, in der Autofokus-Augenverfolgung, 60 Megapixel und KI-Algorithmen den Markt dominieren, wirkt eine digitale Messsucherkamera aus dem Jahr 2003/2004 fast wie ein Anachronismus. Und doch: Genau diese Kamera hat mich in den letzten Tagen mehr berührt als so manches moderne High-End-Flaggschiff.
In diesem Blogpost nehme ich euch mit in meine Erfahrungen mit einem echten Exoten – einer Kamera, die digital fotografiert, sich aber analog anfühlt. Ehrlich, langsam, unperfekt. Und genau deshalb so besonders.
Ein kurzer Blick zurück: Was ist die Epson R-D1?
Die Epson R-D1 war ein echter Meilenstein. Sie gilt als erste serienmäßig produzierte digitale Messsucherkamera der Welt – zwei Jahre vor der Leica M8.
Hergestellt wurde sie von SEIKO EPSON CORP., gebaut in Japan, und zwar in einer Zeit, in der digitale Fotografie noch alles andere als selbstverständlich war.
Eckdaten (nüchtern betrachtet):
Baujahr: ca. 2003–2009
Sensor: 6 Megapixel CCD
Objektivanschluss: Leica-M-Bajonett
Vollständig manuelle Bedienung
Mechanischer Verschluss bis 1/2000 s
ISO manuell bis 1600
Speicherung auf SD-Karte
Klapp-/Schwenkdisplay (ohne Live-View)
Doch nüchterne Daten erzählen bei dieser Kamera nur einen Bruchteil der Geschichte.
Diese spezielle Kamera: Nullserie mit Geschichte
Die Kamera, die ich nutzen durfte, ist keine gewöhnliche R-D1.
Sie stammt aus einer Pre-Launch-Serie (Nullserie) – Seriennummer 194 – und wurde mir freundlicherweise von Martin Wagner, Head of Tech & Training der Ringfoto Gruppe, zur Verfügung gestellt.
Kurz gesagt: Ein Stück Kamerageschichte.
Und ja – man spürt das.
Bedienung wie früher – und genau das ist der Punkt
Wer die Epson R-D1 zum ersten Mal in die Hand nimmt, merkt sofort:
Hier wird nichts automatisiert.
Kein Autofokus
Keine Zeitautomatik
Keine Motivprogramme
Keine elektronische Bequemlichkeit
Stattdessen:
Fokussieren über echten Messsucher
Verschlusszeiten manuell einstellen
ISO bewusst wählen
Weißabgleich über eine mechanische Wippe
Und dann dieser legendäre Moment beim Einschalten: Die analogen „Tacho“-Zeiger für Weißabgleich, Qualität und Akku pendeln sich ein – wie in einem klassischen Oldtimer. Digitaler geht es kaum, analoger aber auch nicht.
Fotografieren mit der R-D1 heißt: entschleunigen
Ein Foto mit der Epson R-D1 entsteht nicht nebenbei. Du musst:
Den Verschluss spannen
Fokussieren
Belichtung prüfen
Auslösen
Warten
Ja, warten. Bis das Bild gespeichert ist. Bis die rote LED erlischt. Bis du es dir anschauen kannst. Und genau hier liegt der Zauber. Die R-D1 zwingt dich zur Achtsamkeit. Du drückst nicht einfach ab – du entscheidest dich für ein Bild.
Bildqualität: objektiv schlecht – subjektiv großartig
Lassen wir die Zahlen sprechen:
6 Megapixel CCD, Cropfaktor irgendwo zwischen 1,3 und „Gefühlssache“.
Hohe ISO? Möglich, aber sicher nicht sauber.
Dynamikumfang? Überschaubar.
Und trotzdem:
Die Bilder haben Charakter.
Sie sind:
körnig
kontrastreich
manchmal unsauber
oft überraschend schön
Auf dem Bildschirm, auf dem Tablet, im 9×13-Abzug oder sogar bis A4 – absolut brauchbar.
Alles darüber? Möglich, aber bitte mit Abstand. 😉
Objektive & Haptik: Leica-Gefühl pur
Dank Leica-M-Bajonett lässt sich an der R-D1 nahezu alles nutzen, was Rang und Namen hat – von Voigtländer bis Leica.
In meinem Fall hing ein Voigtländer Nokton Classic 35mm f/1.4 davor: alt, klapperig, nicht perfekt. Passt perfekt zur Kamera.
Die Haptik? Großartig.
Der Daumenhubbel, das Gewicht, die Belederung (selbst wenn sie sich leicht löst): Diese Kamera will in die Hand genommen werden. Immer wieder.
Für wen ist die Epson R-D1 heute?
Ganz ehrlich: Nicht für jeden.
Nicht für Technikliebhaber
Nicht für Pixelpeeper
Nicht für Menschen, die Geschwindigkeit erwarten
Aber:
Für Puristen
Für Liebhaber
Für Menschen, die Fotografie fühlen wollen
Der Gebrauchtpreis liegt aktuell bei etwa 1.900–2.200 €.
Viel Geld für alte Technik – aber wenig Geld für ein echtes Erlebnis.
Mein Fazit: Eine Kamera fürs Herz
Die Epson R-D1 ist langsam. Sie ist alt. Sie ist technisch überholt. Und genau deshalb ist sie so faszinierend. Sie erinnert daran, warum wir fotografieren – nicht wie schnell oder wie perfekt. Sie entschleunigt. Sie fordert. Sie belohnt.
Ich werde sie nicht kaufen – dafür stehen andere Prioritäten an.
Aber sie hat etwas mit mir gemacht. Und das schaffen nur sehr wenige Kameras.
🎥 Das Video zur Epson R-D1
Im folgenden Video zeige ich euch die Kamera ausführlich, spreche über meine Erfahrungen und blende zahlreiche Beispielbilder ein:
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Jetzt bist du dran
Hast du selbst Erfahrungen mit der Epson R-D1? Oder würdest du dir heute noch so eine Kamera kaufen? Schreib mir gern deine Meinung in die Kommentare – und wenn du Fragen hast: immer her damit.
SchwarzWeissOnline. Ehrlich. Direkt. Unperfekt.























































