Warum ich mir (vorerst) keine Leica M10 kaufen werde (Kuhjahr #48)

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Die Leica M10 ist so ziemlich das geilste Stück Kameratechnik die ich je in der Hand hatte! … und ich hatte schon viel in der Hand.

… und dennoch werde ich mir keine kaufen. Und genau das möchte ich Euch mit diesem kleinen Braindump Blogposting erklären.

Warum schaue ich mir eine Leica M überhaupt an?

Das ich ein großer Leica Fan bin ist den Lesern meines Blogs und meinen Social Media Buddys durchaus bekannt. Viele davon wissen auch, dass ich vor ein paar Jahren sehr intensiv mit der Leica M9 und Leica M6 unterwegs gewesen bin. Leider bot die M9 mir nicht das, was andere Hersteller mir lieferten, nämlich rauscharme Bilder über ISO 800. Das führte dazu, dass die M9 – leider – nicht zu meinen bevorzugten Werkzeugen gehörte in den letzten Jahren/Monaten. Seit November 2015 habe ich nun eine Leica Q in meinem Werkzeugkoffer und bin mit dieser unendlich zufrieden. Als ich mir diese Kamera anschaffte wollte ich diese gar nicht fürs Business einsetzen, sondern nur privat „lieb haben“, merkte aber schnell das sie zu meinen zwei meist genutzten Werkzeugen im Job der People- und Reportagefotografie wurde. Heute macht sie gute 60% meiner Aufnahmen aller Hochzeits-Emotionen-Reportagen. Warum ist das so? Nun meine Kuh, wie ich sie liebevoll nenne, ist rauscharm, sehr zuverlässig, sehr robust und macht genau was sie soll – geniale Bilder! … und das bis ISO 12.500! 

Und jetzt? Warum grundsätzliches Interesse an der M10?

Nun, ich arbeite bei meinen Reportagen mit dem abgebildeten Setup.

  • Reportage: Leica Q mit dem Summilux 28 mm 1.7.
  • Weitwinkel/Szenerie: Sony A6300 mit dem Sony SEL 10-18 (also ca. 15-30 mm Bildwirkung)
  • People/Portrait: Sony A7R II mit dem begnadet guten Sony 85 mm 1.4G MASTER

Ein Traumset. Das was die Sony A7R II an Bildqualität liefert sucht seines gleichen am Kameramarkt. Das ist bisher nicht übertroffen worden, bei dem was ich testen oder anschauen konnte. Die SOny A7R II ist technisch wirklich perfekt!

Leider hat diese Kamera – dieses Werkzeug – eben keine Seele!

… und genau das ist der Punkt, der mich immer wieder dazu bringt nach rechts und links zu schauen – insbesondere in das Kameralager nach Wetzlar. Ja zu Leica, ob es nicht etwas wie meine Sony A7R II mit Seele und Leidenschaft gibt, so wie die kleine Leica Q, nur eben mit 50 oder 75/85 mm Brennweite.

Was willste denn nun?

Nun das ist ganz einfach. Ich möchte eine Kamera die mir wie die Leica Q zuverlässig und gut Bilder liefert die technisch so perfekt sind wie die aus der Sony A7R II – aber eben mit mehr „Herz“ und „Leidenschaft. Also eine Leica Q mit Summilux 50/75 1.4. …. zum Beispiel.  Ich bin (technisch) mit der Sony A7R II (was die Ergebnisse betrifft) hochzufrieden. Das Werkzeug macht einen brachial guten Job, wie keine andere Kamera tut. Aber es ist ein Stück Technik, wie die Säge des Schreiners oder der Hammer des Zimmermanns. Es ist nicht eine Leidenschaft in der Hand, so wie dies die Leica Q für mich ist. 

Wir reden hier über ein selbst gemachtes Luxusproblem, oder?

Genau so ist es! Ich habe zum Arbeiten die perfekten Werkzeuge und jammere rum, weil mir die Sonys einfach weniger Spaß machen obwohl sie brav und zuverlässig abliefern. Das sind Sorgen die andere auch gerne hätten! Richtig.

Ich habe mir die M10 angeschaut und muss – für mich ganz persönlich – feststellen:

  • Die Leica M10 ist eine gnadenlos geile Kamera die toll – und leidenschaftlich – in meiner Hand liegt.
  • Der optische Sucher ist riesig – aber ich will keinen optischen Sucher mehr. Ich habe mich und meine Arbeitsweise total darauf ausgerichtet das fertige Bild im elektronischen hochauflösenden Sucher zu sehen inkl. der oft benötigten Belichtungskorrektur. Direkt nach dem Auslösen das fertige Bild einen Bruchteil einer Sekunde im Sucher sehen zu können um zu entscheiden – erneut machen oder gut so – das will ich einfach nicht mehr missen.
  • Der elektronische Sucher – der optional und aufsteckbar ist – ist zwar besser geworden als der alte Olympus Leica-EVF – aber immer noch wesentlich schlechter als der der Leica Q oder SL oder der meiner Sony A7R II, welcher zu den besten der Kameraindustrie gehört. Dazu kommt, das der Leica-EVF aufgesteckt werden muss und immer irgendwie stört. Schön ist das er nach oben klappbar ist – das gefällt mir, aber es ist dennoch ein Kompromiss (und diese mache ich nicht mehr!).
  • Der fehlende Autofokus passt zwar gut zum 50 Jahre alten Konzept der Leica M, aber nicht mehr zu mir und meiner Arbeitsweise. Leider. Bin vielleicht bequem geworden – oder einfach gerne mehr auf die Szenerie konzentriert als auf den Fokuspunkt.
  • Das Auslösegeräusch der Leica M10 ist einfach nur geil (und bei der Sony A7R II einfach nur gruselig).
  • Die M10 liegt super in der Hand.
  • Das Summilux 50 1.4 macht sehr geile Bilder – das Bokeh passt und die Schärfe ist genial – wenn man den richtigen Punkt trifft.
  • Das Fokuspeaking der M10 ist im Vergleich zum Fokuspeaking der Sony A7R II deutlich „geringer“ und für mich und meine Augen damit weniger sinnvoll. Da gibt es für Leica meines Erachtens noch einiges zu lernen. Fuji at es ja auch gelernt im laufe der letzten Software Updates bei seinen Kameras.
  • Die Leica M10 macht irre viel Spaß – und ich hätte sie gerne – aber nur zum Spaß – nicht zum Arbeiten.

Ich konnte bei unserem Besuch im Leitz Park in Wetzlar ein paar Bilder mit der Kombination – Leica M10 – Summilux M 50 1.4 und Aufstecksucher – auf meine Speicherkarte machen. Aber schaut selbst.

Was wollte ich eigentlich?

Ich suchte nach einer Alternative zu meiner Sony A7R II, die (mir) mehr Leidenschaft ausstrahlt und mir persönlich (noch) mehr Spaß macht beim Arbeiten. Das genau kann, für mich und meine Art zu arbeiten, die Leica M10 leider nicht dienstleisten.

Die Alternative – die Leica SL – scheidet leider aus. Die Leica SL hat den selben (auf mich schlechten) „Sex Appeal“ wie die Sony A7R II – macht nur im direkten Vergleich die „schlechteren“ Bilder und es gibt keinerlei wirkliche Alternative zum Sony G Master 85 1.4 Objektiv. Zudem rauscht die SL mehr als die Sony A7R II und die Objektive sind noch größer und leider auch noch schwerer. Da würde ich zehn tausend Euro oder gar mehr „versenken“ für einen (für mich krummen) Kompromiss. Das heißt ja nicht das die SL eine schlechte Kamera ist, im Gegenteil, sie würde nur mir und meinem persönlichen Workflow keinen Vorteil bringen.

Mein persönliches Fazit:

Die Leica M10 macht irre viel Spaß – und ich hätte sie gerne – aber nur zum Spaß – nicht zum Arbeiten.

.. und dennoch bleibe ich bei meinen Werkzeugen und meinem obigen Setup – das mir Stand heute – die für mich besten Ergebnisse bringt. 

Würde ich rein privat Fotografieren (was ich im Übrigen leider viel zu selten mache!!!) dann wäre die Leica M10 sehr weit oben auf meiner Equipment-Liste und wahrscheinlich wäre ich schon mit Ihr zusammen draussen unterwegs. Es fasziniert mich wie Leica es schafft „Traditionen“ und „moderne Technik“ im M-System unter einen Hut zu bringen. Finde ich wirklich lobenswert und erstklassig!

Ihr lieben Blogleser, dieser Beitrag war vielleicht ein wenig unstrukturiert – das war wirklich ein „Brain-Dump“. Ich hoffe es hat Euch dennoch Spaß gemacht diesen Artikel zu lesen.

Liebe Grüße – Euer Fotofuzzy – Jörg Langer

p.s.: … aber mein „Langeronline-Gurtfreak-Kameragurt“ passt schon gut zur M10 – oder?

16 Kommentare

  1. Hey, wann warst du / wart ihr denn im Leitz-Park? Hast du dir die neue Ausstellung angesehen? Spannend, finde ich.

    „Würde ich rein privat Fotografieren (was ich im Übrigen leider viel zu selten mache!!!) dann wäre die Leica M10 sehr weit oben auf meiner Equipment-Liste und wahrscheinlich wäre ich schon mit Ihr zusammen draussen unterwegs.“
    Die Frage ist nur, ob du dir dir eine M10 mit ein, zwei Objektiven dann leisten würdest – wenn du wirklich nur privat fotografiertest. 😉

  2. wie wäre es denn stattdessen mit einer Fuji X-Pro2 mit dem 1.2/56? Die hat auch Charakter (wenn auch nicht so viel wie eine Leica M, aber mehr als eine Sony A7 – mit denen ich beide schon fotografiert habe). Aber die Bildqualität ist traumhaft, die JPEGs lassen mich (v.a. im Acros-Modus) wirklich als allererste direkt aus einer Kamera an Film denken, der AF ist um Klassen besser als bei der Sony und das Bedienkonzept und Handling ist ein toller Kompromiss aus analog-altbewährter Bedienlogik und modern Machbarem. Für mich ist diese Kamera genau diese Symbiose aus Charakter und zuverlässigem Werkzeug.

  3. Ich sage nur mal durchblättern und schauen mit welchen Kameras da gearbeitet wurde. Die alten Bilder teilweise mit einem Alteisen wie der X Pro 1 16 MP Stand von vor 5 Jahren…. .

    Natürlich ist eine Leica M 10 schön anzufassen und fühlt sich richtig gut an in der Hand und macht auch super Fotos keine Frage aber super Fotos gehen auch mit zig anderen Kameras wenn eine gute Scherbe davor ist und der Fotograf weiss was er tut….

    So etwas wie die Leica M 10 ist halt wie schon bemerkt was mit Seele und keine reine Maschine und wer Bedarf auf Seele hat der wird sie sich kaufen…ob jetzt neu oder später gebraucht nachdem die M 11 oder sonst was auf dem Markt ist in dann 4-5 Jahren….

    Wenn es ums M Feeling geht das hätte man auch mit einer Leica M 3, M4, M4-2,oder M6 halt aber analog…aber es gibt ja Scanner….
    Der „Sensor“ wird mit dem jeweiligen Filmmaterial geliefert….und die teure Kamera veraltet nicht im 4 Jahres Rhythmus….

  4. Viele Bilder sich immer wieder anzuschauen wo man bewusst vorher nicht drauf schaut mit welcher Kamera sie gemacht wurden und wenn man das Bild bewertet hat für sich dann mal schauen womit es gemacht wurde.Sich in Erinnerung rufen wie riesig heute durch Werkzeuge wie Lightroom und Photoshop bzw.auch Nik Kollektion in die Bildwirkung eingegriffen werden kann…..Wenn da ein guter Digital Artist am Bild sitzt und bearbeitet da kann nochmal viel aus Bild geholt werden.
    Man schaue sich mal auf You Tube das vorher und hinterher am Bild an wenn Pavel Kaplun am Bild gearbeitet hat………Da kommt eher die Frage auf wie er das bearbeitet hat und nicht womit er das Bild gemacht hat.
    Wir leben heute in einer Zeit wo es soviel richtig gute Kameras gibt und auch relativ günstig als auch Objektive das es m.E. immer unwichtiger wird womit das Bild gemacht wurde…..Wenn ein schwarz lackierte Kamera blank ist dann wurde sie wirklich gebraucht und eingesetzt…..
    Wir leben aber heute auch in einer Zeit sehr großer Extreme…
    Raus aus dem Test Modus und rein in den einfachen Fotomodos.. .zumindestens als grobe Grundrichtung….Das habe ich mir persönlich ins Pflichtheft geschrieben…So wenig wie möglich vorgefertigt und so viel wie möglich offen zu sein….

    Grüße Sven

      1. Sie ist zwar eine Mittelformatkamera aber von Größe und Gewicht doch eher wie eine KB-Vollformat SLR Kamera.
        Sie bewegt sich im Preisrahmen einer Leica M oder eines Leica SL System aber bietet dabei 50 Megapixel auf einem Sensor der 1.7 mal größer als das KB Format ist.
        Ohne Frage man bekommt da schon handfestes fürs Geld…

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