Vielen Dank Frau Dr. Angela Merkel an Sie…

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Zollpaket

…und Ihren (beschissenen) nicht funktionierenden Beamtenapparat!

Es ist mir wirklich ein inneres Bedürfnis mich bei Ihnen und Ihren Mitarbeitern zu bedanken. Es ist richtig beachtlich wie gut Sie die Performance Ihres gesamten Beamtenapperates optimiert haben und wie effektiv die gesamten Prozesse in Ihrem System mitlerweile durchdacht und effektiviert wurden. Persönlich bin ich selbst geschäftlich in Sachen Prozessen und Optimierung derselben aktiv und ziehe meinen Hut vor Ihren Erfolgen in der Optimnierung der Personalkosten und Prozesse in Ihren Behörden.

Wie ich darauf komme?, fragen Sie sich? Das will ich Ihnen gerne kurz erklären an einem Beispiel aus den letzten Wochen. Sie werden schnell sehen was ich meine und warum ich Ihnen so dankbar bin und weswegen ich so neidisch bin auf Ihre Erfolge in der Reduzierung der Personalkosten in den Behörden. Also liebe Frau Dr. Merkel, nun zu meinem Erlebnis.

Eines Tages fand ich in meinem Briefkasten einen Brief Ihrer Zollbehörde mit der Aufforderung ein Paket in Ihrem Zollamt abzuholen. Oh, das ist aber nett. Ihre Mitarbeiter erklären in diesem Schreiben auch genau was man alles zur Abholung mitbringen soll. Zum einen einen Personalausweis zum identifizieren und die Rechnung für den Vorgang, desen Paket beim Zoll zur Abholung bereit liegt. Nun wurde es spannend. Welchen Vorgang? Hinweise von welchem Absender das Paket ist oder aus welchem Land das Paket kommt oder wie groß und schwer das Paket ist, sucht man leider vergebens in dem netten Schreiben Ihrer Kollegen. Nun, dann schauen wir mal wie es vor Ort zu klären ist. Angekommen im Zollamt stehen nur drei andere „Kunden“ vor mir. „Das geht sicher schnell“, dachte ich. Nun, im Vergleich wie lange es dauert ein Haus zu bauen, ging es auch echt flott. Nach nur 45 minuten war ich schon dran und wurde von Ihren sehr engagierten und hoch motivierenden Mitarbeitern in Empfang genommen, die mir in einer wahnsinnig netten und freundlichen Art erklärten das dies mein persönliches Problem sei, dass das Paket nicht nach Hause zugestellt werden konnte. Ein Herausgeben ohne meine Unterlagen dazu sei nicht möglich. „Ich müsste meine Bestellungen schon selber im Griff haben und wissen was ich bestellt habe…“, sagte die charmante Dame. Nach nur 20 Minuten Diskussion konnte das Paket geöffnet werden und ich konnte sehen was geliefert wurde. Es war ein Paket das seit August 2012 seine lange Reise durch die tiefen des deutschen Zolls angetreten hat. Der Wert des Paketes lag bei ca. 35 Euro umgerechnet und das Paket kam aus Hong Kong, was auch außen am Paket sichtlich erkennbar war inkl. dem Absender, der sicher nur aus einem einmaligen Versehen nicht in meinem Brief erwähnt wurde. Nachdem ich es nun selbst sehen konnte, konnte ich in meinem Unterlagen die ich online dank Smartphone im Zugriff habe, der Dame die Ursprungsrechnung mailen, denn das reine zeigen auf dem Display genügte Ihr leider nicht. Das ich mittlerweile schon sanfte 75 Minuten in Ihrem gewärmten Zollgebäude sein durfte, das erfüllte mich schon mit einem echten inneren Zufriedenheitsgefühl. Eine weitere, ebenso nette und lebensfrohe Dame, die sich nun am Schreibtisch mit meinem Mail beschäftige, kam nach weiteren 15 Minuten dann zu mir und überreichte mir einen sechsseitigen „Befund zur Position“ und erklärte mir das ich nun 6 Euro und 31 cent zahlen dürfte und dafür bitte zur Kasse gehen darf. Mensch, Respekt schon durfte ich die dritte nette und kundendienstorientierte Mitarbeiterin aus Ihren Behördenapparat kennenlernen. Damit war nun schon die dritte Dame am Werk, die sich mit meinem Paket beschäftigt und mir Ihre freundliche Art vom allerfeinsten zeigt.

Nach dem Zahlen meines Zolls in Höhe von ganzen 6,31 Euro und dem warten auf eine handgeschriebene (wo gibt es denn heute sonst noch handgeschriebenes???) Quittung, durfte ich mein Paket in Empfang nehmen und nach guten 90 Minuten leider schon wieder in die Kälte hinaus gehen. Der Aufenthalt in Ihren Gebäuden war so nett, erfrischend und warmherzig, wie man es sich kaum vorstellen kann.

Das ich so viel Gegenwert aus Ihrem Staatsapparat bekomme, in Form von 90 Minuten Aufenthalt im Zoll, drei wahnsinnig nette und zuvorkommende Damen sich um mich gekümmert haben und ich so viel Papier mit nach Hause nehmen durfte – und das alles für nur 6,31 Euro – das erfüllt mich mit sehr großer Dankbarkeit.

Zollrechnung Handschriftlich

Das Sie Ihre Lohnkosten so senken konnten, so dass sich diese netten und gut ausgebildeten Mitarbeiter so intensiv mit den einzelnen Vorgängen kümmern können und das zu so geringen Kosten pro Stunde, das fasziniert mich. In der freien Wirtschaft erreicht diese Performance kein anderer CEO oder Vorstand wie sie. Das verdient den allergrößten Respekt!

Ich dachte ja bis vor kurzem das man nach Griechenland umsiedeln muss um in den Genuss eines Mehrwertes seiner unendlich hohen Steuerzahlungen zu kommen, aber nun bin ich eines besseren belehrt worden, denn sie haben ja wirklich alles getan um Prozesse und Kostenstrukturen total auf die Reihe zu bekommen.

Vielen Dank Frau Dr. Angela Merkel!

Ein kleines bisschen Schade ist, dass ich in Summe mit An- und Abreise zum Zollamt gute drei Stunden unterwegs war und in diesen drei Stunden nicht meine gewohnten 149 Euro pro Stunde erwirtschaften konnte, und Ihnen damit die Steuern für diese ausgefallenen Verdienste entgehen. Das tut mir wirklich sehr leid.

Entschuldigung Frau Dr. Angela Merkel!

Dennoch bedanke ich mich bei Ihnen und Ihren Mitarbeitern für dieses Erlebnis das ich unter „Return on Invest“ meiner Steuergelder verbuche.

Ihr weiterhin treuer und motivierter Steuerzahler

[IRONIEMODUS]

8 Kommentare

  1. Jörg, alter Haudegen… genial geschrieben…ich hab Tränen gelacht…aber leider ist das Thema eher zum Heulen!!! aber nimm dir mal ruhige 45min Zeit und schau dir das VIDEO an!!! und wenn du alles Verstanden hast…wirst du Anfangen deine Denkweise zu ändern!! glaubs mir…. lg Dalibor

  2. Ich habe mit dem Zoll schon sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Einmal erging es mir beinahe wie dir, andere Male ging es recht flott und ein, zwei Mal dachte ich. „Wow! Das ging jetzt nicht nur superschnell sondern war auch total freundlich und entgegenkommend.“ Ist wohl auch tagesformabhängig.

    Ich finde es unnötig, dass eine Privatperson, die sich eine Sache in Asien bestellt hat, die zum einen einen Wert von – wasweißich – €30,- hat und hier gar nicht produziert wird (es also auch keine Möglichkeit gibt, „moralisch anständig“ einzukaufen ;)), durch die gleichen Formalitäten muss wie eine Firma, die Dinge im Wert von zigtausend Euro einführt.

    Andererseits, so hat mir mein supernetter Lieblings-Postbote (ist jetzt nicht ironisch gemeint, sondern ehrlich!) mal erklärt, könnte ein Postbote auch zolltechnisch abfertigen, wenn die Verkäufer nur die Unterlagen außen am Paket anbringen würden. Dann müsste man gar nicht mehr auf’s Zollamt.

    1. Andererseits, so hat mir mein supernetter Lieblings-Postbote (ist jetzt nicht ironisch gemeint, sondern ehrlich!) mal erklärt, könnte ein Postbote auch zolltechnisch abfertigen, wenn die Verkäufer nur die Unterlagen außen am Paket anbringen würden. Dann müsste man gar nicht mehr auf’s Zollamt.

      Ja das stimmt.

      Mir geht es aber um was anderes:
      A: 3 Mitarbeiter brauchen in Summe 90 minuten und erwirtschaften 6 Euro und 31 Cent…
      B: Diese Mitarbeiter werden von meinen Steuergeldern bezahlt und kosten (leider) wesentlich mehr als 6,31 in 1,5 Stunden.
      C: Dieser Prozess-Wahnsinn bei diesen Summen schreit zum Himmel und gehört – egal wie – sinnvoll strukturiert damit eben nicht unsere aller Steuergelder so unwirtschaftlich verprasst werden!

  3. Stimmt. In diesem Fall ganz besonders.
    Allerdings darf man nicht alle staatlichen Aufgaben betriebswirtschaftlich betrachten. Wieviel erwirtschaften denn Polizisten, Lehrer oder StraBenbauer?
    Aber was du hier schilderst, ist scon haarestraeubend!

  4. Hab ich exakt genauso erlebt. Nur, dass es in meinem Fall 3 äußerst charmante Männer waren. Von denen sich einer in Sphären der Kundenfreundlichkeit begeben hat, von der ich vorher dachte sie sei nicht zu erreichen. Weil ich mit EC-Karte zahlen wollte und er dazu das Gerät starten musste, allerdings erst nachdem er mir sagte das ginge nicht und mir einreden wollte ich MUSS Bar bezahlen. Aber auch ihm reichte die Quittung aus dem Kartenleser nicht, er musste noch eine mit Hand schreiben, was er natürlich voller Menschenfreude tat. Ich bin nicht sicher, wie 3 einzelne Individuen soviel Philanthropie versprühen können.

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