Seid doch einfach mal Ihr selbst!

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Mit diesem Beitrag werde ich mich ganz sicher bei einigen unbeliebt machen, dennoch brennt mir der Inhalt auf der Seele. Ich beobachte die Social Medias in der Foto-Branche schon seit Beginn dieser Medien sehr intensiv. Durch diese Medien habe ich viele Menschen kennen lernen dürfen und ebenso sehr wertolle feste Freundschaften gefunden zu Menschen die sich mit dem selben Thema und der selben Leidenschaft wie ich beschäftigen – dem Aufnehmen von Bildern und dem dazugehörenden Equipment. Die verschiedenen Charaktere, die verschiedenen Bereiche der Fotografie, die vielen verschiedenen Herangehensweisen ans Motiv und die vielen Möglichkeiten diverser Technik Bilder aufzunehmen sind immer wieder faszinierend für mich. Ich liebe diese Medien…

Erschreckend – und das meine ich so – finde ich allerdings die Entwicklungen der letzten Monate, die wie ich finde, immer stärker sichtbar wird. Einige wenige „Internet-Stars“ der Fotografie mit x tausenden Followern in den Medien züchten (unbemerkt??) Lemminge der Fotografie.

Ist es die Langweiligkeit des eigenen Daseins?

Was meine ich damit? Was stelle ich da in den Timelines meiner Social Medias fest?

  • Ich sehe dort Fotografen die auf einmal Stunden in Snapchat oder Instagram-Stories Ihren Alltag rein labern. Dazu sehe ich noch einige, die Ihre Monologe mit einem „Hey Keute, was geht ab…“ starten.
  • Ich sehe dort jeden Tag Fotografen die unbedingt mit aller Gewalt Hochzeits-Blitzbilder wie Dennis Jagusiak machen müssen.
  • Ich sehe Fotografen die Bilder extra unscharf machen um so genial voller Stimmung zu sein wie die vom Stilpirat und seiner Gummilinse.
  • Ich sehe Fotografen die überteuerte Videos, PreSets und sonstige Hirninhalte von Ihren Idolen kaufen um auch so zu sein wie die…
  • Ich sehe Menschen die billige Produkte anpreisen wie „Sauer-Bier“ und Caps falsch herum tragen um so zu sein wie der Teeny und Mädelsschwarm Jaworsky.
  • Ich sehe Menschen die sich ne teure Uhr kaufen weil Ondro immer ne Rolex trägt…

Diese Liste könnte ich relativ lange weiter führen und die obigen genannten Beispiele sind wirklich nur ein kurzer Ausschnitt aus den vielen „Ich kopiere alles was die Stars machen-Aktionen“ die jeden Tag mehr in den Social Medias zu sehen sind.

Seid doch mal Ihr selbst oder ist Euer eigenes Dasein wirklich so langweilig?

Merkt Ihr es nicht was mit Euch passiert? Ihr wollt – mit aller Gewalt erfolgreich sein – und kopiert Euch zu kleinen Lemmingen Eurer Idole/Vorbilder! Habt Ihr Euch schon einmal gefragt warum diese „Vorbilder“ – nennen wir sie einfach „Internet-Stars der Fotografie“ – so erfolgreich (wenn man Follower und Likes mal als Erfolg gelten lassen möchte) geworden sind.

Es ist der eigene Weg und der eigene Stil der zum Erfolg führt!

… und genau das haben Calvin Hollywood, Jaworsky, das Candy-Paar, der Stilpirat, der Ondro, der Dennis Jagusiak – und viele andere – der „Internet-Stars der Fotografie“ geschafft. Ich finde jeden der genannten und noch viele mehr sehr bewundernswert und finde es grandios was die mit der Fotografie machen und welche Ergebnisse sie erzielen!

Aber ist es der richtige Weg alles was sein Vorbild macht eins zu eins nachzuahmen?

Ich bewundere Fotografen die Ihren eigenen Weg gehen, erfolgreich sind und gerne Know How mit anderen Teilen. Da fallen mir spontan Herbert Piel, Tomaso Baldessarini, Benny Rebel, Dennis Jagusiak, Ronald Michels, Marco Schwarz, Reiner Moster, Günter Weber, Dirk Weber Brautrausch, uvm. ein.

Darf ich jetzt keine Workshops mehr besuchen oder was soll diese Meckerei hier?

Oh doch – auf jeden Fall sogar. Gerade oben genannten – und das sind ja nur einige – sind grandiose Lehrer und Vorbilder und Menschen von denen man gut und gerne etwas lernen kann. Es ist doch aber vielmehr die Frage, was man daraus macht.

Gelerntes Anwenden heißt nicht sich selbst aufgeben und 100% so sein wie der Lehrer!

Lernt doch bitte bspw. von Calvin Hollywood die unerbitterliche Disziplin, seine soziale Kompetenz, seine Familienorientierung, seine Geradlinigkeit aber doch bitte nicht sein „Bääääm“ oder sein „Hey Leute, was geht ab….“.

Lernt doch von diesem Jaworsky das elend frühe Aufstehen für ein gutes Bild, das frieren hinterm Stativ bis das Licht stimmt, aber nicht das verkehrt herum zu tragende Cap oder das vollkleben der Kamera mit einem Hashtag.

Lernt doch von Ondro wie man mit Musikern, einer speziellen Zielgruppe, umgeht und nicht durch das Tragen einer teurer Uhr die in jedem Bild auf Instagram zu sehen sein muss.

Lernt doch von dem Candi-Paar wie man mit Spaß an der Arbeit andere mitreißen kann, anstatt alle Eure Bilder in diesem einheitlichen Look zu bearbeiten.

Lernt von einem Stilpiraten wie wichtig die Aussage in einem Bild sein kann und nicht das ein Bild nur in krassem SW mit 90% Unschärfe gemacht wird.

… und das sind nur ein paar Anmerkungen in der Hoffnung ihr versteht was ich sagen möchte.

Seid keine Lemminge der Internet-Stars – seid Ihr selbst…

… und das nur Euch zu Liebe! Sonst endet Ihr irgendwann wie eine billige Kopie eines großartigen Produktes – wie ein Wegwerfplagiat. Nur wenn Ihr versucht das gelernte von den „großen Stars“ auf Euch, auf Euch selbst, auf Eure Fotografie, auf Eure Zielgruppe, auf Eure Kunden, auf Euren Markt und auf Eure wirklichen Möglichkeiten anzuwenden – nur dann werdet Ihr erfolgreich. Was auch immer Erfolg für Euch darstellt…

Für mich persönlich ist Erfolg, wenn ich abends gut einschlafe und mit mir im reinen bin. Das genau wäre ich aber nicht wenn ich Euch in Snapchat mit einer rumgedrehten Cap auf dem Kopf und dem Satz „Hey Leute, was geht ab….“ begrüßen würde.

Seid Ihr selbst und lernt das wesentliche von den Guten – das ist mein Appel an Euch!

Findet Euren eigenen Weg – er wird Euch gefallen!

Schöne Grüße – Euer Fotofuzzy – Jörg Langer

17 Kommentare

  1. Danke ….du schreibst mir aus der Seele !!!
    Ich beobachte seit ein paar Jahren aus verschiedenen Blickwinkeln …auf unterschiedlichsten Ebenen das ganze Spektakel an . Mit welch ich mich derart umfangreich ,tiefgründig sowie neutral auseinandergesetzt hatte, dies würde jedoch hier den Rahmen sprengen.

    DER EINZELNE FÜR SICH SOLLTE SELBST ERKENNEN SICH…DICH !

  2. Ein wichtiger Artikel mit einer Aussage, deren Bedeutung ich schon seit fast zwei Jahrzehnten meinen Schülern beizubringen versuche: Schreibt nicht, was andere denken – denkt selbst nach.
    Übertragen auf die Fotografie genau deine Aussage.
    Es ist gut und wertvoll, sich hier von großen Denkern und dort von Meister-Fotografen inspirieren zu lassen, sich von ihnen dir Tür öffnen zu lassen, doch Durchgehen muss man selbst.
    Kreativität besteht nicht aus Kopieren. Nur wer selbst erschafft, wird langfristig Freude am Tun haben.
    Danke dir, mein Freund!

  3. Wunderbar!

    Ich beobachte das alles auch schon seit einiger Zeit. Allerdings eher so nebenher, weil ich bereits damals im Studium etwas erkannt hatte: Wenn du die gleichen Wege gehst, die andere schon gegangen sind, kommst du auch nur da raus, wo die schon SIND.

    Deshalb versuche ich, einfach mein eigenes Ding zu machen. Wem es gefällt, der wird mein Leser und irgendwann vielleicht auch ein Kunde. Wer nicht, der findet sicherlich jemand anderes.

    Ich bin ohnehin nicht so fresh wie die o.g., da bleibe ich doch lieber dabei, was mich antreibt: Fotografie und diese zu vermitteln. 🙂

  4. Hallo,
    das ist ein Bericht, der endlich auch einmal zum Nachdenken anregt.
    Keine Selbstdarstellung, einfach eine fachlich solide Aussage, welche auch in anderen Bereichen, wie zum Beispiel Management, Unternehmensführung, bestehen könnte.
    Einfach Respekt.
    Vielen Dank.
    Gruß
    Peter Pulverich,
    Aktuell Rentner, ehemaliger Unternehmer mit hoher sozialer Kompetenz.

  5. So, jetzt auch hier.
    Mir stößt schon seit geraumer Zeit etwas komplett anderes auf. Und zwar die Masse an Fotouploads in den sozialen Netzwerken, Photoblogs und anderen Interaktionen die einzig das Ziel haben möglichst viele Leute zum interagieren geradewegs zu zwingen.
    Ich schau mich gern durch Fotoblogs, immer öfter fällt mir auf, dass immer öfter Quantität vor Qualität gilt. Manche machen es sich zur Regel jeden Tag, alle 2 oder so und so oft pro Woche zu posten. Nur um möglichst immer aktuell zu sein. Die Jagd nach Followern, Besuchern und Kommentaren ist stets präsent, auch wenn das immer verneint wird. Manchmal kommt es mir so vor, als ob so manch ein Blogger nichts anderes verfolgt als sein eigenes Selbstbewusstsein zu pushen. Das nervt mich ungemein, denn wenn man sich so manch ein Foto anschaut sieht man oft nur Schnappschüsse die viele Kommentatoren hoch loben als außerordentliche Kunst. Warum? Na um möglichst auch oft auf den eigenen Bog Lob zu bekommen. Interagierst du bei mir, dann ich bei dir ist die Devise egal wie schlecht der Content ist.

    Soziale Netzwerke funktionieren so, die Qualität so manch guter Künstler geht darin unter, da die schlechtere Masse einfach lauter ist. Nach Perlen muss man mehr und mehr suchen in der Welt des Internets. Mir ist das zu anstrengend geworden und habe so gut wie jegliche Interaktion in den Netzwerken und Gruppen gestoppt. Ich mache alles nur noch für mich, als ausgleich zum Leben.
    Seit dem ich aufgehört habe mitzuspielen, sind meine Follower zu hunderten weg, obwohl ich weiterhin meine Bilder mache. Keine Besucher mehr auf dem Blog, weil auch keine Werbung mehr. Doch ich denke ich habe nicht an Qualität verloren. Ich habe nur aufgehört andere auf meine Seite zu lotsen und schon ist man uninteressant.
    Das war für mich ein Aha-Moment. Ich brauche das nicht und bin nur noch selten unterwegs auf Fotoblogs, wenn dann nur auf ausgewählten. Zu oft sieht man überall das gleiche. Es ist langweilig und wenn ich dann überall die selben Leute kommentieren sehe weiß ich was Sache ist. Schade diese Entwicklung, aber menschlich.

    Liebe Grüße
    Christian

    1. Auch ein treffender Artikel, der eigentlich Story vor meinem Beitrag ist. Und das dann alle die selben „Lemming-artigen“ Methoden zur Traffic Generierung nutzen, das finde ich so erschreckemd.

      Wenn dieser Jaworsky (nur einer den ich jetzt mal als Beispiel hier nutze…) morgen mit ner Unterhose aufm Kopf in seinen Videos auftaucht, werden wahnsinnug viele (charakterlose?) „Jünger“ von ihm das auch tun, und wahrscheinlich sogar glauben dadurch genau so „geil“ zu sein wie er.

  6. tja weiß Du Jörg,
    is schon was richtigs dran an Deinem Artikel.
    Mit eigener Meinung und eigenem Stil machtman sich aber angreifbar.
    Da ist es einfacher dem Konflikt der Kritik am eigenen Schaffen durch „Folgschaft“ aus dem Weg zu gehen.
    Wenn der „Folgende“ Mist baut … war es ja das „Vorbild“! Klaro niemals man selbst. Denn jeder weiß ja, … mit dem verqueren Stil und der war ja irgendwie auch ja schon immer etwas seltsam.
    Der Befolgte muss ich bei jeder Änderung und oder Entwicklung anhören, er wäre ja jetzt gar nicht mehr so „true“ …. kennen wir aus der Musik noch stärker.
    somit … ich hatte nie 10.000 follower mit meinen Gummibärchen und den Geschichten aus tief verschachtelten Satzgebilden und Neuwortschöpfungen … war aber zumindest immer so speziell … nun ja kopiert zu werden, da brauchte ich keine Angst haben 🙂 hihihhihi
    … bin aber auch ruhiger geworden.
    Damit bin ich jetzt, im Moment, gerade noch mehr „ich“.
    Dir alles Gute auf DEINEM Weg. Du kannst, weil Du Dich positionierst und es gelernt hast, ja auch mit Zustimmung wie mit Ablehnung umgehen.
    Genau genommen … das ist zu lernen (kleiner Tip an „follower“)! … zusätzlich zum Fotografieren … wenn man ein Guter sein will.
    ciao Mad

  7. Schön geschriebener Artikel. Und trifft es relativ genau. Nachmachen ist halt auch einfacher als eine eigene Kreativität zu entwickeln. ja, ich gucke mich auch viel um, aber entscheide mittlerweile sehr differenziert was ich konsumiere und was mich wirklich weiterbringt. Ich versuche meinen Weg zu gehen, auch wenn der Anderen evtl. nicht gefällt. Muss er auch nicht. Primär muss er mir gefallen, immerhin muss ich es bis an mein Lebensende mit mir aushalten. Wenns anderen auch gefällt: Auch schön.

    Ich muss allerdings auch nicht von dem Kram leben. Bei den Lemmingfütterern sieht das bisschen anders aus. Und da gibt man halt den Folowern was Sie wollen, bis hin zum Merchandising. Nicht das ich das jetzt kritisieren will, es sei Ihnen gegönnt, sowohl den Lemmingen als auch den Internetstars. Ich würde es ja wahrscheinlich genauso machen….

    LG Uwe

    P.S.: Ich kenn da auch nen Typen, der kauft Panoramaköpfe, weil andere die haben. Oder Polaroid Snap-Kameras. Und die Plautze wird auch immer ähnlicher… Ach, lassen wir das lieber…. 😉

  8. Bei mir haste dich grad sehr beliebt gemacht 🙂
    Dieses Lemminge Verhalten ist in den letzten Jahren wirklich sehr massiv geworden, aber merken tun sie es irgendwie nicht. Mich langweilt es schon lange immer und überall nur die gleichen Fotos zu sehen mit den gleichen Effekten und Bearbeitungen die man von den „Großen“ der Szene kennt.

    Es ist doch viel schöner diese Tricks die die Stars der Fotografie preis geben für sich zu nutzen und etwas eigenes daraus zu machen. Sich selber weiter entwickeln und seinen ganz eigenen Stil herrausarbeiten ist doch viel spannender, als immer nur zu hören deine Bilder sehen aus wie die von xy *brrr…

    Tausende lemminge machen plötzlich alle die gleichen austauschbaren Hochzeitsbilder Babyfotos oder Porträts usw. und sind damit auf der Jagd nach den Follower- und Klickzahlen die die Großen haben.
    Laaaangweilig!

    Aber schön zu lesen das auch andere es so sehen 🙂

    Ich wünsche dir weiter viel Spaß beim Bilder machen
    liebe Grüße
    Andrea

  9. Dort wird zur eigentlichen Fotografie einiges an Showelementen und Unterhaltung und Entertainment geboten…..ich schaue es mir öfter mal ganz gerne an wie andere unterhaltene Sachen auch….

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