Review Nikon V1 – eine Kamera die Geister scheiden kann!

NIkon V1 im Set

„Eine spiegellose Systemkamera auf den Markt bringen mit einem Crop-Faktor von 2,7? Die spinnen ja bei Nikon! Das können alle anderen Olympus und Panasonic mFT und Sony NEX aber besser mit kleinerem Verlängerungsfaktor und weniger Rauschen….“

Genau das waren meine Gedanken als Nikon die Series ONE mit einem riesen Aufwand vorstellte und wie ein Marktschreier aufgetreten ist. Für mich war das System – aus der blanken Theorie betrachtet – eine Totgeburt aus dem Hause Nikon. Aus der reinen Theorie betrachtet….

… und dann kam die Realität. Ich durfte die Nikon V1 testen und verwenden um mir ein eigenes Bild davon zu machen. Und siehe da, die Realität sah auf einmal ganz anders aus, als mein durch brutales Fachwissen geprägtes (*huuuuuust*) theoretisches Fazit das ich zu dieser Kamera bereits (be-) gezogen hatte.

Ich hatte in den letzten Monaten einige Kameras zum testen und spielen hier, u.a. eine Fuji X10, eine Olympus EPL1, Olympus E-P2, Nikon P7100, Sony NEX-5n und eben auch die besagte Nikon V1. (Zur Nikon P7100 und zur Fuji X10 berichtete ich da schon bereits hier im Blog und zur Sony Nex-5n folgt noch ein Review in den nächsten Wochen.)

Dann kam der erste Kontakt mit der V1 und ups, die Kamera fasste sich aber gnadenlos geil an. So wertig und so edel. Das überraschte mich sehr. Danach die Erkenntnis das ein kleiner Sensor nicht zwangsläufig stark rauschen muss und diese Erkenntnis teilte ich mit Euch im „HighISO Apotheken-Blogposting„, der übrigens irre hohen Traffic erreicht hat. Also scheinte das auf jeden mal viele Fotobegeisterte Menschen zu interessieren…

Nun sind etliche Wochen vergangen und ich habe die V1 immer noch und werde diese auch nicht mehr abgeben. Alleine die Tatsache der komplett geräuchlosen Auslösung mit dem superschnellen AF und dem brauchbaren Rauschverhalten machen diese kleine Nikon zu meiner „Der-Pfarrer-hat-nein-gesagt-mir-aber-egal-Kamera“ bei den Hochzeiten zum Notnagel und Wunderwaffe zugleich!

Ich habe mir in meinem Smartphone einen Notizzettel angelegt zu allen Kameras die ich so teste und immer wenn mir was auffällt trage ich es unterwegs dort ein. Dieser sieht zur Nikon V1 so aus:

Pro:

  • AF Speed – die Cam hat mit allen drei Objektiven einen rasend schnellen AF! Unglaublich!
  • Serienbilder bis zu 60B/s. – IRRE!
  • Generelle irre Geschwindigkeit auch bei der RAW Speicherung.
  • Gehäuse sehr Wertig und Edel!
  • Wenige Buttons und übersichtliche Menüs (keine unnötigen Spielereien…)
  • Display/Sucher Umschaltung-Automatik
  • Sucher ist sehr schnell und hochauflösend
  • Cam hat einen Mikrofon Eingang für Stereo Mics bei Video Aufzeichnung (Adapter für Featureshoe zum Mikro gibt es für knappe 18 Euro oder so…)
  • Cam schaltet sich ein wenn Objektiv entriegelt wird. (Zoom-Objektive sind für den Transport noch kleiner und müssen vor Gebrauch erst in „Bereitschaft“ ausgefahren werden (wie bei einigen PEN Linsen von Olympus)
  • 100% Geräuchlos bei Nutzung des elektronischen Verschlusses (der bislang bei mir keine Nachteile zum Mechanischen zeigte…)
  • Akku ist scheinbar nicht leer zu bekommen. 500 Bilder schafft der locker und sicher noch mehr. (Ist übrigens der selbe wie in der Nikon D7000 SLR.)
  • kleines GPS Modul für den Zubehörschuh lieferbar (ist bestellt, kann ich deswegen aktuell noch nichts dazu sagen…)
  • kleines Blitz für den Zubehörschuh lieferbar das auch indirekt blitzen kann, da die V1 durch den integrierten Sucher (den die J1 nicht hat!), dafür keinen eingebauten Blitz hat.) (Blitz ist bestellt, aber noch nicht geliefert, deswegen kann ich noch nicht viel dazu sagen – Feedback folgt später)
  • Speicherung der RAW und JPG (JPG nehme ich gerne in SW out of the Cam und die RAWs für die spätere Bearbeitung dann zu Hause.
  • 10 Megapixel – endlich eine Kamera die dem Megapixelwahn trotzt!
  • Alle Objektive sind bis in die Ecken scharf und voll nutzbar
  • Die beiden Zooms (10-30 und 30-110) sind mit Stabilizer (VR) ausgestattet.

Cons:

  • max. Verschlusszeit bei ISO Automatik nicht wählbar (Verwacklungsgefahr)
  • Belichtungskorrektur wird nicht Live angezeigt vor der Aufnahme
  • 35 und/oder 50mm Festbrennweite mit f 1.4 fehlt (also ein 20 1.4 oder 1,7)
  • echte Weitwinkel fehlen noch denn 10mm sind quasi „nur“ 27mm – da fehlt ein 20er oder 21er…
  • Makro Linse fehlt noch
  • Blitzschuh properitär, das geniale CLS von Nikon nicht nutzbar ( wie bei P7100)
  • Display leider nicht klappbar wie bei P7100
  • schaltet sich schnell an weil On/Off oben als Taste auf Gehäuse (da wäre ein Schiebeschalter besser gewesen…)
  • Abdeckung des FeatureShoes (kastrierter Blitzschuh) zu locker wenn man mit linker Hand Cam festhält löst sich diese gerne.)
  • MF Linsen via Novoflex oder China-Ebay-Adapter nicht wirklich nutzbar bzw. nur im M Modus und dann ohne Belichtungsmesser
  • das 10mm Pancake ist zwar schön klein aber mit f2.8 etwas zu lichtschwach, da das Kit 10-30 auch bei f3.5 anfängt bei 10mm. Da wäre f2.0 oder f1.7 schon viel besser!
  • echte „Freistellung“ ist mit dem 10 oder 10-30 nicht wirklich machbar (aber mit dem 30-110er geht es recht gut)

Soweit zu meinen Notizen… und Eindrücken.

Nachfolgend ein paar „Testbilder“ die bei zwei Spaziergängen über das Plateau des Feldberg/Ts. entstanden sind. Die Bilder sind alle als JPG in der Cam aufgenommen worden und via LR verkleinert worden auf max. 800×800 px und dabei geschärft worden und mit den Exif Daten (via Plugin LR Mogrify 2) beschriftet worden.

Testbilder Nikon V1 mit 10mm f2.8:

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Testbilder Nikon V1 mit 10-30mm f3.5-5.6:

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Testbilder Nikon V1 mit 30-110,, f3.8-5.6:

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Fazit:

Die Nikon V1 ist meiner Meinung – nach den persönlichen Erfahrungen mit Ihr – keineswegs ein Fehlgriff oder eine Fehlentwicklung aus dem Hause Nikon. Nikon hat nur m.E. das völlig falsche Marketing auf diesen Productlaunch und auf diese Serie gesetzt und sich damit selbst in den Köpfen der Theoretiker (wie ich oben ja selbst zugab – auch ich!) schon „abgeschossen“. Die Nikon V1 ist nicht billig, aber ihre Wertigkeit und die Verarbeitung sowie die brillante Bildqualität bestätigen Ihren Wert und Ihre Daseinsberechtigung. Ich gehe noch einen Schritt weiter, für mich wird sie zur Begleitung im nächsten Urlaub wo alle anderen, Nex-5n, Nikon D3s, D700 und Leica M9 zu Hause bleiben. Die kleine V1 ist schnell, robust und liefert sehr gute Bilder ab – Basta!

Hilft Euch so ein Test und Review?  Wenn ja, freue ich mich auf einen Kommentar unten im Blog!

Schöne Grüße – Euer Fotofuzzy – Jörg Langer

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Weiterführende Links:

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9 Comments

  1. Ganz ähnlich wie du es beschreibst, hielt ich die Nikon 1 für eine unsinnige Konstruktion, für echt überflüssig.
    Doch, da ich dir und deinem Eindruck vertraue, habe ich meine Meinung geändert. Ich muss mir das Teil einfach mal anschauen. Vielleicht kannst du es ja zum Leica-Treffen mitbringen, Jörg.

    Für mich persönlich ist allerdings die Einschränkung bei MF-Linsen ein KO-Kriterium. Das gilt aber nur für „Manuell-Freak“ wie mich und nicht für die Mehrheit der Fotografen.

    Schön, dass du uns an deinen Erfahrungen teilhaben lässt, Jörg!

  2. Pingback: Test erfolgreich abgeschlossen: GPS in Verbindung mit der Nikon V1 und Lightroom 4 | Digitaler-Augenblick.de

  3. Hallo Jörg,
    war ja schon ein paar Tage nicht mehr auf deinem Blog, bin ganz begeistert wie viele und vor allem gute Artikel Du schon zu der V1 geschrieben hast.
    Bestätigst mich ja immer wieder in meiner Meinung das die kleine eine gute Kamera ist.
    Und spätestens seit meinen letzten Kurzurlaub weiß ich das ja auch selber 😉
    Der GP-N100 macht sich gut im Urlaub und dank meiner D7000 hab ich eh genug Akkus. Den Blitz habe ich mittlerweile auch, aber der ist so naja. Eigentlich zu teuer und das die V1 nicht CLS kann wurmt mich auch ein wenig.
    Eine Frage habe ich aber an dich, lohnt sich das 10mm 2,8? Ich bin mir da nicht so sicher, dass 10-30 habe ich ja sowieso. Nur wegen der Größe?

    • Hi Frank,

      vielen Dank für Dein Feedback. Ich bin mir immer noch nicht zu 100% sicher ob ich die Sony Nex 5n oder die V1 mit in die Wüste nach Abu Dhabi mitnehmen soll. Tendiere aber zur V1.

      Ob das 10er Sinn macht? Ganz ehrlich: NEIN! Es ist nur eine halbe Blende Unterschied. Es war in meinem Kit mit dabei. Deswegen habe ich es. Wenn es ein 10mm 2.0 wäre, würde es richtig viel Sinn machen, aber so… nicht so richtig. Es sei denn man will sich auf die Festbrennweite konzentrieren und besser gestalten und auf keinen Fall in die „Zoom-Bequemlichkeitsfalle“ tappen. Dann schon…

      Welche Urlaubsbilder haste denn mit der V1 gemacht? Haste eventuell welche davon Online? Link?

      VLG Jörg

  4. Nachdem ich deine V1 nun auch mal ausprobieren konnte, brennt in mir immer mehr das „Habbe-Wolle“-Gefühl! So als kleine „Immerdabei“ mit dem 10-30 … huiuiui, ich sehe Ausgaben auf mich zukommen. 😉

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