Ich habe keine richtige Antwort auf die Frage: „Warum Leica?“

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Da bin ich doch schon wieder gefragt worden:

„Jörg, was ist es? Warum Leica? Was hat diese Faszination bei Dir ausgelöst? Erzähl mal…“

Meine Antwort auf diese Frage fängt eigentlich immer gleich an:

„Seufz, wie soll ich das nur erklären…“

Nach einigem Überlegen und hin und her denken muss ich Euch ehrlich und offen sagen, es gibt keine eindeutige Antwort auf diese Frage, die Euch spontan mit einem Satz erklären könnte.

Es sind viele diverse Einflüsse die mich zu einem Leicafan oder Leicafreak gemacht haben.

Ich habe mir zu meinem 35sten damals in Berlin im bekannten KaDeWe meine erste Leica gekauft (die wie wir alle wissen eigentlich keine echte Leica ist…). Es war eine silberne Leica D-Lux 3, eine kompakte mit einem tollen roten Punkt. Ich war, wie mein Frauchen mir bestätigte „alt genug“ um mir nun eine Leica zu kaufen. Sie verband das glaube ich, mit einer Erinnerung als wir in Bergen/Norwegen am Hafen standen und beobachteten, wie viele (aus unserer damaligen Sicht) „alte“ Menschen aus der Queen Elisabeth II. ausstiegen und jeder dritte eine Leica M umhängen hatte. Also war ich mit 35 sanften Jahren in den Augen meiner Frau jetzt auch „da“ angekommen. Seufz…

Vor etwa 2 Jahren kaufte ich mir dann von einem Forumskameraden eine gebrauchte Leica X1. Dieses war ja nun eine „echte“ Leica. Tat ich dies aus Markengründen oder wegen des roten Punktes? Ganz erlich, ich bin mir nicht sicher. Der eigentliche Auslöser zu diesem Kauf war die Festbrennweite mit 35mm und die tollen hochwertigen Bildergebnisse die aus dieser „Edelkompakten“ heraus kamen.

Wer mich gut und persönlich kennt, weiß das mir eigentlich Marken völlig egal sind. Während andere Kollegen schon immer einen Daimler oder BMW oder Audi fahren mussten, war ich immer mit den verschiedenen Fords oder VWs sehr zufrieden weil sie praktisch waren. Ich trinke aus IKEA und McDonalds Geschenkgläsern, esse von Tellern aus dem 12teiligen Rewe Teller Set und habe keine Markenmöbel. Außer meiner Uhr am Arm, die eine spezielle Geschichte und eine sehr geringe Produktionsstückzahl hat und meinen Mont Blanc Schreibgeräten habe ich null Interesse an Luxus und Marken, sondern immer den praktischen Nutzen im Fokus.

Und jetzt? Ne Leica? Praktisch? Nutzen? Marke?

Nun, hier fängt der schwierige zu erklärende Part meines Berichtes an. Viele Bekannte und Onlinefreunde sagten mir beim Kauf der Leica X1 voraus, das dies der Beginn der Leica Sucht sei. Natürlich, wie soll es anders sein, tat ich dies mit einem lächeln ab. Ich? Ach Quatsch… So habe ich doch die Umfangreiche Ausrüstung von Nikon die sehr zuverlässige Werkzeuge für die Auftragsshootings waren und war (und bin es heute noch) sehr zufrieden mit dem was wir uns da durch die Fotografie selbst alles angeschafft haben als Werkzeuge.

Dann, so kam es, gingen wir einestages in das Leica Gebäude in Solms um an meiner X1 etwas justieren zu lassen (das lästige viel zu lockere Verschlusszeitenrad oben drauf…) und hatten so ein wenig Wartezeit um in die Vitrinen und Schaukästen zu schauen die dort gestanden haben. Auf die Frage ob sie eine M9 zum Anfassen „da haben“, sagte uns der nette Serviceempfang:

„Hier direkt nicht, aber auf der anderen Seite von Solms, im Werk, gibt es einen Shop und da ist alles da was sie sehen wollen! Soll ich drüben anrufen und sie anmelden?“

Das war der Fehler oder auch der entscheidene Augenblick, der die Wende brachte. Ich bestätigte seine Frage mit einem festen Nicken und zeitgleichen Grinsen zu meinem Frauchen :-). Wir fuhren in den Shop im Leica Werk in Solms.Der nette Herr nahm sich fast 2 Stunden Zeit für mich und meine neugierigen Fragen und ich durfte testen und anfassen, das bislang gar nicht so stark anziehende Stück deutscher Fertigung – die Leica M9!

Der Nachhauseweg (Schreibt man das so?) verlief eher ruhig. Ich wette, mein Frauchen wusste was geschehen war und hatte vor meinen ersten Sätzen die ich anfangen werde zu reden bissi Angst. Mein erster Satzanfang,

„Duuuu Schatz…“,

… sagte Ihr ganz sicher schon alles!

Liebe Blogleser, habe ich Euch eigentlich schon mal erzählt, wie sehr ich meine Frau liebe?

Also noch auf dem Heimweg, und das sind nur ca. 35 minuten mit dem Auto bis zu uns nach Hause, war klar, das „Ding muss her!“. Also mit dem Frauchen gut (und sehr spontan) entschieden was ich alles verticken könnte, ohne das uns bei den Hochzeiten und Auftragsshootings wirklich etwas fehlte, um den Schmerz der doch beachtlichen Investition etwas zu lindern. Gesagt, getan, die Nikon Ausrüstung wurde halbiert (und mittlerweile wieder aufgestockt… aber das war damals gar nicht der Plan – Wirklich!!!). Viele meiner Fotokollegen waren erschüttert und lachten wahrscheinlich hinter meinem Rücken über mich. Einer, der von Nikon das volle Program hat, opfert so viel Zeug um sich eine Kamera zu kaufen, die nix kann, die ab ISO 1600 irre rauscht und noch dazu altbacken wie keine andere daherkommt.

„Jörg, Du wirst schon wissen, was DU da tust…“,

hörte ich nicht nur einmal! Eine zusätzliche Bestärkung, in dem was ich da vorhatte, war die Ausstellung „Bitte nicht lächeln“ von dem von mir sehr hoch geschätzten Kollegen Herbert Piel, die wir uns zusammen in Mainz im SWR Gebäude ansahen und den Worten von Herbert lauschten und seine Bilder ansahen, die auch zum Teil mit den Leica M´s gemacht wurden. Er hatte auch eine Leica M unterm Sacko hängen. Sie war so unauffällig und edel zugleich. Die Faszination sprang mich förmlich an.

Es sind Emotionen und keine berechenbaren Faktoren die da etwas in mir auslösten.

Aber der Entschluss stand ja eh schon und die Verkaufsaktionen waren auch schon am laufen und so kam der Tag das ich mit ruhigem Gewissen sagen konnte:

„Schatz, ich habe die Kohle zusammen! Jetzt…“

Und schon fing das nächste Disaster an, wo ist das gute Stück denn lieferbar? Daaaaaaa, die haben es da mit einem „geilen Objektiv“, so dachte ich. Es war ein netter Händler in Norddeutschland der die M9 in Stahlgrau, so wie ich sie haben wollte, mit dem

Voigtländer 50mm f1.1 anbot im Kit. Angerufen und Termin ausgemacht, natürlich am nächsten Tag. Wie gut sich das mit Geschäftsterminen vereinbaren lies, da ich eh nach Hannover musste. Da war wieder der „Praktische Ansatz“ in mir zu erkennen :-).Und so kam das gute Stück in meine Hände und stand nun Abends auf der unendlich langen Staufahrt nach Hannover auf dem Beifahrersitz. Endlich im Hotel angekommen konnte ich sie anfassen und das erste Bild schießen. Es war ein Selbstportrait im Badezimmer vorm Spiegel.

Natürlich waren die Voigtländer Linsen am Anfang sehr gut und die „allerbesten“, denn immerhin hatte ich nicht mehr an Budget für diesen Schritt eingeplant. Auf die Ratschläge von befreundeten Leica Fotografen,

„Jörg, erst die Leica M Linsen machen das besondere aus…, das wirst Du aber bald von selbst merken…“,

war ich natürlich völlig immun, zumindest die ersten vier Monate bis das Leica Summicron 35mm 2.0 ASPH. an meine geliebte M9 kam. Dann war es um mich geschehen. Und es stimmte was die anderen sagten. Und so kam es das es bis heute ein paar mehr Leica Linsen wurden, als dieses ursprünglich geplant war. Die Faszination Leica war bei mir angekommen.

Als ich mir dazu meinem 40sten einen Wunsch erfüllte, den ich schon vor über 20 Jahren hatte, war es um mich geschehen. Ich kaufte mir eine analoge Leica M6 und habe den Spaß und die Langsamkeit des Analogen wieder neu für mich entdeckt. Ein Traum wurde wahr, den ich viele Jahre verschlafen hatte.

Mittlerweile sauge ich Bücher zum Thema Leica und deren Firmengeschichte auf wie nichts, bin Mitglied im Leica Historica e.V und habe sogar die Leicafreak.com Page ins Leben gerufen. Es ist also geschehen um mich.

„Macht die Leica denn so andere Bilder die man mit den Nikons nicht machen kann?“,

werde ich oft gefragt. Nein die Leica macht keine anderen Bilder, ich mache aber mit Ihr andere Bilder! Das ist ein Satz den ich selbst mehrmals lesen musste, der aber stimmt. Mit einer M macht man die selben Bilder nur anders! Ihr versteht?

„Jörg, gehörst DU jetzt den Leica Evangelisten die nur noch Leica anerkennen und alles andere schlecht reden?“

Nein, auf keinen Fall. Trotz meiner „Liebe“ zur Leica gibt es immer noch Dinge die mich brutal stören, wie zum Beispiel das mistige Display das die Leicajungs und -mädels in der M9 verbaut haben. Ich arbeite bei Auftragsshootings und Hochzeiten immer noch gerne mit den sehr zuverlässigen Nikons und mag diese hochentwickelten Kameraboliden nach wie vor. Dennoch geht die Leica auch zu diesen Shootings mit und die Leidenschaftlichen Bilder mache ich mit der Leica.

Warum?

Keine Ahnung, ich liebe sie und die Ergebnisse daraus einfach!

Viel Text, aber vielleicht könnt Ihr jetzt ein bisserl besser verstehen warum ich auf die obige Frage(n) keine direkte und einzeilige Antwort habe, außer:

… es macht mir Spaß!

Schöne Grüße Euer Leicafreak, ähhh Jörg

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6 Kommentare

  1. Schön geschrieben und nett zu lesen. Besonders, dass Du deine offene Haltung gegenüber anderen Kameras behalten hast, gefällt mir.

    Und eine Leidenschaft kann man nun mal nicht objektiv erklären. Die ist einfach da….

  2. Juchhuuuu, ich war mit schuld !!!!!!!

    Lieber Jörg, ich liebe deinen Blog, macht immer Freude zu lesen, soviel
    Leicanthusiasmus in den Zeilen….

    Also schuldig fühle ich mich nicht, daß du heute oft zur leica greifst, ich habe die Preise ja nicht zu verantworten….
    Und ja, es geht mir so wie dir, so richtig ! erklären kann man es wirklich nicht…

    Rolex: keine Uhr ! Mythos !
    Harley: kein Motorrad ! Mythos !
    Leica: keine Kamera ! Mythos !

    Liebe Grüße
    Herbert

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