Herrlich solche Anfragen…

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Als meine liebe Frau und ich eben aus Frankfurt nach hause gefahren sind haben wir eine „lustige“ Anfrage bekommen für eine Hochzeit, für die wir bitte ein Angebot abgeben sollen. Da ich „natürlich“ niemals Mails während der Fahrt lese, hat mein Frauchen mir diese vorgelesen. Sie hat nur den Kopf geschüttelt, ich hatte Tränen in den Augen. Warum fragt Ihr?

Hallo Frau und Herr Langer,

Da sie auch schon andere Hochzeiten im Hessenpark begleitet haben, bin ich auf ihre Internetseite gestoßen. Gerade bei diesem Standesamt sind zwei Fotografen natürlich toll für die verschiedenen Perspektiven, da man dort ja auch von oben fotografieren kann.

Die Hochzeit wird ….
(persönliches natürlich hier entfernt… hier standen nur zeitliche Rahmendaten)

Können Sie mir dafür ein Angebot machen?

Dann habe ich noch einige Fragen:

1. In den Angeboten auf ihrer Webpage habe ich nichts bzgl. Bearbeitung der Bilder gefunden. Wie werden ihre Bilder bearbeitet? Nur die Basics (also Kontrast, Helligkeit, Weisabgleich, etc.) oder auch aufwendigere Retuschen von Portraitfotos?

2. Ich habe nichts dazu gelesen, aber ich gehe mal davon aus, dass die in RAW fotografieren?! Wäre es möglich, die Bilder in RAW und in JPEG zu bekommen. Bzw. machen sie auch Angebote, die nur das fotografieren, ohne die Bearbeitung beinhalten, und wie wäre da der preisliche Rahmen?

3. Mit welchem Kameramodell und welchen Objektiven fotografieren sie?

Vielen Dank und mit besten Grüßen

“Braut” und “Bräutigam”

Bei Frage Nummer 3 musste ich wirklich herzhaft Lachen und mir war schon während der Fahrt klar, wie ich diese Mail beantworten möchte. Nämlich genau so:

Hallo „Braut“, Hallo „Bräutigam“,

vielen Dank für Eure Anfrage. Darüber haben wir uns sehr gefreut.

Besonders gefreut haben wir uns über die Frage Nummer 3, in der ihr wissen möchtet mit welchen Kameras und welchen Objektiven wir fotografieren. Welche Kamera und welche Objektive sollen es denn sein? Interessant ist auch die Frage nach den Rohen Dateien (RAWs) zum besseren/anderen Preis.

Wir gehen morgen Abend mit sehr guten Freunden in ein Restaurant, von dem wir bisher nur gutes gehört haben und die zubereiteten Gerichte wirklich sehr gut aussehen. Wir werden den Koch auch mal fragen, natürlich bevor wir bestellen, obwohl wir ja wissen das sein Essen gut ist, mit welchem Herd-Hersteller er sein Essen kocht und welche Töpfe und Pfannen er dazu benutzt. Vielleicht kann er uns auch einen besseren Preis machen wenn er uns die Zutaten Roh gibt, wir haben ja einen Herd und schöne Töpfe zu Hause….

Die Frage nach der Intesität der Bearbeitung können wir Euch leider nicht konkret beantworten, denn das hängt stark vom Fotografierten ab. Der eine mehr der andere weniger… Wir bearbeiten jedes Bild und es geht kein Bild „roh“ bei uns aus dem Haus.

Um Eure Anfrage aber nun wirklich zu beantworten, nein wir können Euch leider kein Angebot für diesen Tag erstellen, wünschen Euch aber viel Erfolg bei der Suche nach einem geeignetem Fotografen-Team das Euch seine Bilder Roh verkauft und Euch die Herstellerdaten seiner Ausrüstung nennen kann und mag.

Viele liebe und zwinkernde Grüße aus Neu-Anspach

Jörg & Stephanie

Um eines klar zu stellen, mir geht es mit diesem Blogbeitrag in keinster Weise darum mich über ein spezielles Brautpaar lustig zu machen. Das liegt mir wirklich komplett fern. Mir geht es eher um die Fragen, die man als Fotograf immer mehr gestellt bekommt.

Die Frage nach der Retusche kann man ja ggf. noch verstehen, obwohl gerade diese Braut gem. Ihrem Facebook Foto eine echt hübsche ist, die gar keine Retusche bräuchte, aber das ist auch nicht entscheidend. Natürlich bearbeiten und retuschieren wir alle Fotos die wir an ein Brautpaar geben. Wir „entstellen“ aber niemanden mit übertriebener Hautglättung wie eine TV-Spielfilm Cover Figur.

Ob ein Fotograf seine RAWs, also die Roh-Daten aus der Kamera, an seine Kunden gibt, bleibt Ihm überlassen, wir tun das nicht da wir wegen unseres Bildstils und unserer Art gebucht werden. Dazu gehört eine nicht unwesentliche menschliche Komponente vor Ort dazu, aber eben auch eine Handschrift die schon beim Fotografieren anfängt und bei der finalen Bearbeitung der Roh Daten aufhört. Für uns wäre RAW-Files an Kunden übergeben, genau so wie ein Haus Schlüsselfertig zu kaufen, das aber keinen Putz auf den Mauern hat und leider vergessen wurde das Haus an die Kanalisation anzuschließen – eben Roh und nicht fertig. Früher hat man Negative beim Fotografen übrigens auch ne bekommen, aber das ist ein anderes Thema.

Aber die Frage nach den verwendeten Kameras und den Objektiven in ein Mail zu schreiben bevor man sich kennen lernt, die ist schon echt lustig. Wenn man eine Anfrage stellt, dann hat man sich doch schon Bilder und Ergebnisse „des Handwerkers“ angesehen auf der Homepage, wozu braucht man dann diese Information? Wozu muss ich wissen mit welchem Pinsel ein Gemälde gemalt wird von einem Maler dessen Werke mir gefallen. Wozu muss ich wissen mit welcher Axt der Gärtner den Toten Baum „um-macht“ wenn ich doch weiß das er es kann. Wozu muss ich wissen, welchen Schrauber mein Reifenhändler benutzt wenn ich doch weiß das er Reifen wechseln kann? Versteht Ihr was ich meine?

In Zeiten von „Rent & Lease“ mache ich Eure Hochzeit mit der Kamera die Ihr wollt, es ist alles eine Frage des Preises und meiner Lust und Intention! Aber wenn Ihr unsere Handschrift und uns als Menschen haben wollt, dann überlasst uns die Auswahl des Werkzeuges.

Tja, das war mal wieder ein Blogbeitrag zum nachdenken… lustig „welche Art“ von Fragen heutzutage „Handwerker“ gestellt bekommen.

Schöne Grüße – Euer Fotofuzzy – Jörg Langer

13 Kommentare

  1. Die Frage nach der verwendeten Ausrüstung finde ich insofern legitim, dass der Bräutigam vielleicht technikverliebt ist oder auch gerne fotografiert und das aus reinem Interesse gefragt hat. Ohne den Hintergrund der Bildqualität hat.
    Gruß Mark

    1. Absolut Korrekt, haben wir wirklich recht oft, beim Kennenlerngespräch und in genau diesem von Dir genannten Kontext.

      Aber bei der Anfrage direkt in dem geschriebenen Kontext ist eine ganz andere Sache….?!

  2. Hallo Joerg,

    hmm, so wirst Du bestimmt kein guter Sushi-Koch, dort zählt fast nur Rohes. 😉

    Inzwischen gibt es so viele Leute die die Fotografie als Ausgleich oder Hobby nutzen und oft auch einiges an Kleingeld investieren, um mitreden zu können/dürfen. Aber mal Hand aufs Herz, wenn Du in einem Thema tief drin steckst, dann willst Du auch alle Details von Hersteller oder Handwerker wissen. – Es soll dann deins werden. Und für die beiden der vorerst schönste Tag im Leben.

    Im Prinzip ist Deine Antwort zu 3. aber in meinem Sinne: Objektive sind aus Glas – meistens; und die Kameras Schwarz oder Silbern. Das kann, darf und muss unsere Sache bleiben, genau wie die Entscheidung wann wir den Auslöser drücken. Wenn es jemand anders haben will, dann nicht über so eine Anfrage, sondern mit konkretem Anliegen und Wunsch (z.B. eine Veranstaltung soll im Mittelformat und s/w festgehalten werden), da lässt sich ein Preis ran schreiben oder auch dankend ablehnen – je nach Gusto.

    Bei den noch nicht entwickelten Bits bin ich nicht ganz so restriktiv, wie die Leute gerne Fotografieren, gibt es auch viele die gerne Photoshopen – hier schreib ich lieber einen Preis und entsprechende Nutzungsbedingungen ran und lasse den Leuten ihren Spass.

    Getreu meiner Devise, wenn die Chemie und der Rahmen stimmt nehme ich Aufträge an, dann kommt auch was raus. Ansonsten lass ich es.

    Gruss
    Thomas

      1. Damals als noch auf Film fotografiert worden waren solche Details nebensächlich wenn ein Profifotograf mit entsprechenden Referenzen gebucht wurde und die Auswahl der Bilder lag voll in der Hand des Fotografen.

        Heute dagegen möchte das Hochzeitspaar am liebsten alles wie man sieht. Also die RAW Daten zum verunstalten und am besten alle Bilder des Shoots, es könnte ja sein es verpasst was 🙂

        Mittlerweile kann man auch mit einer spiegellosen Ol oder Fu mit Wechselobjektiven super Bilder machen gerade in der Kirche wo vielleicht der Spiegelschlag als störend empfunden wird. Von daher sind solche Fragen echt überflüssig so lange der Bildstil des Fotografen gefällt.

  3. Die Antwort auf meine Mail war herrlich, auch wenn ich leider – was natürlich nicht in meinem Interesse war – ich der Braut wohl auf die Füße gestiegen bin. Nachdem Sie sich in der Antwort über meine „Dreistigkeit“ ausgelassen hat. kam dann der folgende Passus:

    Jeder gute Fotograf nennt gerne seine Kameramodele. Ich weiß nicht, was die Geheimniskrämerei soll, schließlich gibt es ja nur die Entscheidung zwischen Canon und Nikon. Aber gut, behalten sie es für sich. Achso, um ihre Frage zu beantworten, es sollte natürlich optimalerweise Canon sein!

    Ja, ich habe mir obwohl wir an diesem Tag schon gebucht sind und es eigentlich Unsinn ist darauf zu antworten, noch mal geantwortet mit den folgenden Worten (persönliche Daten und Namen entfernt):

    Hallo Frau „Braut“,

    ja wir sind mit allen Brautpaaren per Du und das ab dem ersten Kontakt.

    Da wir am „xx.xx.2015 schon ausgebucht sind, hätte ich bzw. wir ihnen auch einfach schreiben können „Wir können da nicht – viel Spaß“. Stattdessen habe ich mir etwas Zeit genommen und wollte ihnen – ja mit einem lieben Zwinkern – etwas für die weitere Fotografenwahl mit auf den Weg geben.

    Umso professioneller die Fotografen sind, umso weniger wichtig ist der Hersteller für den Fotografen, dort zählt ausschließlich das Licht und das Ergebnis und er weiß genau welches Equipment er in welcher Umgebung nutzen kann, um für ihn – und dadurch für seine Kunden – das beste Ergebnis heraus zu holen.

    Fotografen, oder solche die es sein wollen, denen die Hardware und dessen Bezeichnungen extrem wichtig sind, sind sehr oft noch mit sich selbst und dem Equipment beschäftigt, während ggf. wichtige Momente an ihm vorbeiziehen, die der Profi aus seiner Erfahrung hat schon kommen sehen.

    Sie würden sich übrigens wundern, wie viele weder mit Canon, noch mit Nikon fotografieren und dennoch so professionell und erfolgreich sind, dass Sie trotz 2-3 Tausend Euro am Tag schon sehr gut ausgebucht sind für das nächste Jahr.
    Damit will ich weder Canon, noch Nikon schlecht machen, möchte Ihnen nur erzählen, dass der Markt, insbesondere der Hochzeitsfotografenmarkt, sich in einem sehr starken Wandel im Moment befindet und die Klassiker Canon und Nikon eben nicht alleine auf weitere Prärie unterwegs sind.

    Wir fotografierten bis vor etwa sieben Jahren ausschließlich mit Canon, sind dann aufgrund des nicht zufriedenstellenden Services (damals) zu Nikon gewechselt und fotografieren heute aktuell mit Sony, Fujifilm, Leica, Nikon, Hasselblad und Mamiya mit Objektiven zwischen 15 und 300mm und von Lichtstärke 1.2 bis 5.6 – je nach Auftrag und je nach Situation.

    Für uns zählt aber nicht das Werkzeug (die „Töpfe“) sondern das Ergebnis („die Speise“).

    Sie werden bei Ihrer weiteren Suche wahrscheinlich feststellen, das umso professioneller die Fotografen sind, sie umso weniger die Rohen – nicht fertigen – Daten an Ihre Kunden geben. Umso professioneller – umso wichtiger ist das Paket – bestehend aus Chemie zwischen Fotograf und Kunde, der Erfahrung, gerade in stressigen und schwierigen Situationen, das Bildergebnis und das fertige Album – welches Ihnen jahrelange Freude bereiten wird, weil es von einem guten und leidenschaftlichen Handwerker gemacht wurde. Ob ihnen das jemand bieten kann, dem das Equipment im Vordergrund steht, vermag ich nicht zu beurteilen.

    Natürlich gibt es immer wieder Ausnahmen zu obigen Ausführungen. Da wir aber recht gut vernetzt sind mit um die 45 professionellen Hochzeitsfotografen im Großraum Frankfurt/Hessen kennen wir die Kollegen und die Gewohnheiten in dieser Branche recht gut. Aber der Markt ist sehr groß und jeder Kundenwunsch kann erfüllt werden, so auch garantiert Ihrer. Da sind wir uns sicher.

    Wir wollten Sie keinesfalls mit einer Dreistigkeit angreifen, sondern Ihnen nur auf „zwinkernde“ Weise etwas mit auf den Weg, der Suche nach dem richtigen Fotografen-Team, mit geben.

    Mit dem Hessenpark haben Sie sich eine wunderschöne Location ausgesucht, mit sehr viel Stimmung und Charme und leider auch sehr wenig Licht im Standesamt. Da darf der Fotograf auch gerne mal bei ISO 2500 und 4.000 zeigen was im Equipment steckt… 🙂

    In diesem Sinne, nochmals sorry, wenn ich bzw. wir Ihnen auf die Füße getreten sind, das liegt uns als Profis fern.

    Wir wünschen Ihnen wirklich von Herzen einen wunderschönen Tag im nächsten Herbst und wunderschöne Erinnerungsfotos.

    Liebe Grüße

    Jörg & Stephanie Langer

    Allen Lesern meines kleines Blogs, oder auch den Kommentatoren auf den diversen Facebook Post dazu, die dies Kommentiert haben möchte ich herzlich danken, auch denen (bisher sehr wenigen) die es „anmaßend“ oder „superarrogant“ fanden wir ich oben stehend geantwortet habe. Es war vielleicht etwas offen und provokant, aber sehr ehrlich und leider fehlt es vielen Kollegen an dieser Offenheit und dieser Ehrlichkeit.

    Leute, traut Euch zu sagen, was Ihr denkt!

  4. Also wenn das so ist dann komm ich gerne vorbei mit meinem Back an der Fachkamera oder der PH oder Hassi mit 80MP denn damit stell ich dann sämtliche Ni oder Ca Fotografen in den Schatten und erschlag das Hochzeitspaar mit Megadatenpaketen 🙂

    Tzzz da kann man sich nur wundern…

  5. tja, was soll man da sagen…

    vielleicht siehst du das aber auch flasch. vielleicht arbeite die braut bei canon und möchte naütlrich keinen nikon fotografen auf ihrer hochzeit haben. oder andersherum.

    😀

  6. Der Antwort von Jens „Nur im Bereich der Fotografie sind solche Anfragen möglich oder habt Ihr schonmal in der Autowerkstatt gefragt mit welcher Werkzeugmarke repariert wird?“ ist nix mehr hinzuzufügen. Aber die Antwort der Braut ist passend zu der Anfrage … ich krummel mich weck.
    Weder “anmaßend” oder “superarrogant” geschrieben von Euch / Dir.

    Grüsse Daniela

  7. Ich finde, ihr könnt froh sein, dass ihr nicht für dieses Brautpaar fotografiern „müsst“. Man kann ja in solchen Anfragen schon irgendwie rauslesen, dass es (sei es aufgrund von Unwissenheit, Arroganz, Unentspanntheit oder falschen Vorstellungen) ziemlich wahrscheinlich Stress und Ärger geben wird… spätestens bei der Nachbearbeitung, falls das Brautpaar mit eurem Stil nicht zufrieden ist und wütend die Herausgabe der RAWs fordert. Dann käme bestimmt auch der Satz „Hätten wir nur jemanden mit CANON-Equipment angefragt“. 😉

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