Filter, Filterhalter und so ein Zeugs…

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„Filter braucht im Digitalen doch kein Mensch mehr…“

Das sehe ich sogar fast genau so! Dennoch werde ich sehr oft nach Filtertips und …

„welchen Schutzfilter soll ich mir kaufen…?“

… gefragt. Ganz ehrlich, von Schutzfiltern halte ich rein gar nichts! Wer nicht im Bergbau oder in der Metallproduktion fotografiert wo Späne fliegen oder wer nicht ständig im fliegenden Dreck eines Rettungshubschraubers seine Aufnahmen machen muss, der benötigt meines Erachtens gar keinen Schutzfilter. Die Frontlinsen guter Objektive sind alle gehärtet und beschichtet das denen so schnell nichts anhaben kann. Besser schützt man seine Frontlinse durch den Einsatz einer Gegenlichtblende den die ist i.d.R. aus Kunststoff und kann auch mal einen schubser an einer Wand oder so abhaben.

Welche Filter setze ich ein?

Nun, generell bin ich sehr Filterfaul, was ganz sicher an meinem Genre liegt das ich fotografiere. In der Peoplefotografie braucht es quasi nie einen Filter und zu anderen Genres komme ich viel zu selten. Leider.

Wenn mich mal Spiegelungen stören verwende ich den Polfilter um diese damit zu eliminieren. Ich gebe aber zu das ich viel zu gerne mit Spiegellungen arbeite um diese immer wegzudrehen mit dem Polfilter. Der Polfilter besteht aus zwei recht grauen Gläsern die man verdrehen kann und somit Spiegelungen entfernen kann. Desweiteren, und das liegt u.a. an der grauen Beschichtung der polarisierenden Glasfilter, (* siehe Fußnote) wird dieser gerne eingesetzt um Himmel kraftvoller wirken zu lassen. Dazu könnte man zwar einen Graufilter (Neutral-Dichte = ND) benutzen aber viele verwenden dafür einen Polfilter.

Generell empfehle ich sich gut zu überlegen welche Objektive man mit einem Filter ausstatten möchte und rate jedem dazu den Filter in der größten benötigten Größe/Durchmesser zu kaufen und nach unten hin mit entsprechenden (5 Euro-)-Adapterringen zu verkleinern. So kann man sich einen guten und hochwertig vergüteten Polfilter kaufen in z.B. 77mm (wenn 77mm das größte Objektiv im eigenen Fuhrpark ist) und dann für die 62mm (bspw.) Objektive einen Step-Up-Ring 77mm->62mm kaufen und den 77er Filter dort bequem weiter nutzen. Das sieht zwar manchmal komisch aus wenn ich mein 49mm Frontgewinde am 55mm Zeiss Objektiv mit einem 77er Polfilter ausstatte, aber funktionieren tut das ohne Fehl und Tadel und ich muss nur einmal die Schatulle aufmachen für den großen Filter und brauche nicht fünf Polfilter für fünf verschiedene Objektive mit fünf verschiedenen Frontgewinden.

Weiterhin nutze ich gerne – wenn ich Zeit und Muse habe (also leider viel zu selten…Seufz) Grauverlaufsfilter ein. Die machen ganz simpel und einfach ausedrückt oben dunkel und lassen unten normales Licht durch. Das ist jetzt sehr vereinfacht ausgedrückt, aber ihr versteht was ich meine. Mit diesen ND-Veraufsfiltern kann ich den i.d.R. sehr hellen Himmel etas bändigen und habe dadurch im dunkleren Boden nicht nur schwarze Stellen, sondern relativ ausgewogene Belichtungen. Mit der Matrix-Messung kommen da sehr ausgewogene Belichtungen bei heraus. Dadurch das der Horizont nicht immer in der Bildmitte ist, sind diese Filter i.d.R. Rechtckig und werden im entsprechenden Filterhalter verschiebbar gelagert so das man je nach verlaufendem Horizont den Grauverlauf des Filters nach oben oder unten schieben kann. Was genau nutze ich da?

Ich setze hier auf ein System das 100×100 Filter aufnimmt, bzw. bei den Verlaufsfiltern 100x150mm Filter nutzt. Diese gibt es von verschiedenen Hersellern. Der bekannteste ist sicher die Firma Lee und damit auch gleich die mit Abstand teuersten auf dem Markt. Meine sind von der Firma Formatt Hitech und diese sind brauchbar und gut und relativ farbneutral. Erst wenn man die Filter „stackt“, also mehrere Filter übereiander nutzt um den Effekt zu verstärken, erst dann werden bei meinen Filtern leichte Farbverchiebungen sichbar, die man im RAW Format schnell korrigieren kann. Besser sind dort die Filter von Lee oder von Lensinghouse. Wenn ich nochmal investieren müsste und wollte in dieses Thema dann würde ich definitiv meine Filter von Lensinghouse kaufen da diese m.E. das beste Preis-/Leistungsverhältnis bieten.

Was genau setze ich da ein?

Filter 1.000 Fach – den bei Lee Big Stopper genannten Graufilter im Format 100x100mm der 10 Blenden schluckt.

Mit bloßem Auge ist durch diesen Filter nahezu nichts zu sehen. Genial für bewusste Langzeitbelichtungen um z.B. eine Stadtszene Menschenleer zu machen. Ich habe dazu mal heute den Strand fotografiert, einmal ohne Filter und einmal mit der Langzeitbelichtung am hellichten Tag um das für Euch zu veranschaulichen.

Strand normal – ohne Filter:

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Strand mit 10fach „Big Stopper“ – Langzeitbelichtung:

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Grauverlaufsfilter. Hier setze ich drei verschiedene – den 0.3 ND, den 0.6 ND und den 0.9 ND – ein. Am meisten setze ich den 0.9er ND ein. Der ist im oberen Teil drei Blenden dunkler als im unteren. Der Übergang ist soft – also weich und nicht hart. Diese Filter gibt es auch mit harten Übergang von Hell zu Dunkel, aber dafür habe ich keinen Anwendungsfall bisher gehabt.

Die nachfolgenden drei Bilder zeigen den Einsatz recht gut denke ich. Beim ersten ist der Filter nicht im Einsatz, beim zweite noch recht weit oben und beim dritten dann recht stark recht weit herunter geschoben:

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Zusätzlich verwende ich einen 105mm Polfilter, welcher vor die Grauverlaufsfilter geschraubt werden kann. Leider kann ich diesen Filter bei mir erst ab ca. 20mm Brennweite nutzen da er bei weniger als 20mm Brennweite sehr stark vignettiert.

Der Filterhalter ist aus stabilem Metall und Kunststoff und grundsolide aufgebaut und kann bis zu zwei Rechteckfilter und dem Polfilter davor „beherbergen“.

Montiert wird der Filterhalter mittel stabiler Metall-Adapter die ins Frontgewinde des Objektives geschraubt werden. Der Filterhalter wird dann auf diese Metall-Adapterringe gesetzt und mit einer Madenschraube fixiert und kann frei gedreht werden, je nach Aufnahmewinkel der Kamera. Ich kann mit 5 Adapterringen alle meine Objektive damit ausstatten. Wer exotische Objektive mit „exotischen“ Frontlinsen hat, wie zum Beispiel das 14-24mm 2.8er Nikon Weitwinkelzoom, der finde bei Lensinghouse dazu auch passende Adapter oder kann sich diese noch preiswerter bei 3D-Logodeckel auch anfertigen lassen. Eine kostengünstuge und sehr praktische Sache! Den Konstrukteur und „Erfinder“ kenne ich persönlich und kann Euch das bei „exotischen“ Objektiven nur wärmstens empfehlen.

Hier mal ein paar Beispielbilder die ich alle heute aufgenommen habe.

(Ja ich weiß, ich habe Sensordreck….)

Auf was „muss“ man achten?

Kauft Euch keinen Plastik-Schrott. Die optische Qualität eines zig hundert Euro Objektives wird nicht besser wenn Ihr Euch davor ein 13 Euro Filterset aus Plaste packt, dass Ihr mit 30 verschiedenen Adaptern bei Amazon aus China geschossen habt. Finger weg! Dann macht Eure Bilder lieber ohne Filter.

Weniger ist mehr!

  1. Kauft Euch gute Filter und nur die, die Ihr auch wirklich braucht.
  2. Lasst die Finger von UV-Filter und Schutzglasfilter und noch schlimmer von Skylightfiltern – die braucht heute niemand mehr (es sei denn Euch fliegt immer Glastötendes Material beim Fotografieren um die Ohren – dann darf es auch mal ein Schutzglas sein…).
  3. Setzt die Streulichtblende auf – die schützt Eure Frontlinse in 99% der Fälle ausreichend.

Noch Fragen? Dann her damit! Ich freue mich auf Eure Kommentare.

Schöne Grüße – Euer Filterfreak, ähhh Fotofuzzy – Jörg Langer

 

Fußnote:

*: Ich bin von einem fleißigen Leser darauf aufmerksam gemacht worden das der POL Filter den Himmel nicht (nur) wegen der grauen Gläser beeinflusst, sondern wegen … lest seinen Kommentar am besten selbst:

Guten Morgen, Jörg.
Habe gerade deinen Filter Blog Eintrag gelesen. Da ist ein kleiner Fehler drin. Der Himmel wirkt durch einen Pol Filter nicht kraftvoller weil er grau ist, sondern weil er das gestreute und daher polarisierte himmelblaue Licht herausfiltert. Daher ist die Wirkung auch unterschiedlich je nachdem wie man zur Sonne steht, was bei einem Graufilter ja nicht so ist.
Liebe Grüße und euch einen schönen Tag.

Dieser Hinweis ist natürlich völlig berechtigt und korrekt. Wer es noch genauer wissen will, findet dazu HIER (Wikipedia Polarisationsfilter) sehr gute Informationen. Unter anderem ist dort zu lesen:

Das Blau eines wolkenlosen Himmels ist teilweise polarisiert. Mit Hilfe eines Polarisationsfilters kann ein Großteil des hellen Himmels zurückgehalten werden, so dass der Himmel auf dem Foto dunkler und somit kräftiger in seiner Farbe erscheint. Weiße Wolken treten deutlicher vor dem blauen Himmel hervor. Dieser Effekt tritt besonders stark im Winkel von 90° zur Sonne auf, bei anderen Winkelwerten geringer bis gar nicht. Am deutlichsten wird das beim Fotografieren mit einem extremenWeitwinkelobjektiv: oft ist der Himmel auf einer Seite des Fotos fast schwarz, auf der anderen Seite hellblau.
Quelle: Wikipedia

2 Kommentare

  1. Generell Zustimmung.

    Ansonsten bin ich, nachdem auch HiTech-Filter leichte Farbstiche hatten, bei den Graufiltern mittlerweile bei Haida gelandet. Sehr gute, farbneutrale Glas(!)filter zu moderaten Preisen. Grauverlauf habe ich noch HiTech, aber sobald die fällig sind wirds da auch Haida werden.

    Ansonsten habe ich beim Umstieg auf Fullframe auch von 85er auf 100er Filter wechseln müssen. Dabei sind bei den Verlauffiltern nur noch die 0.9er übrig geblieben. 0.3 hat einen fast nicht sichtbaren Effekt, 0.6 bekommt man notfalls auch mit nem 0.9er und Korrektur in LR hin. So 100% passt der Filterwert ja eh nie, also muss man so oder so korrigieren. Primär gehts ja darum Überstrahlungen zu vermeiden.

    Den Filter mit harter Kante nehme ich übrigens gern bei geradem, scharfkantigem Horizont. So oft wie Du am großen Wasser bist müssten sich da reichlich Einsatzfälle finden lassen.

    HiTech hat übrigens auch schöne Reverse-Filter, mit denen man auch neckische Sachen machen kann.

    BTW: DENIC sagt: Die Domain „filterfreak.de“ ist nicht registriert…. 😉

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