Eine Frage die einige bewegt: Warum Systemkameras und warum weg von der Nikon?

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Es scheint ja wirklich einige von Euch brennend zu interessieren warum ich so von der Sony A7R und der Fuji X-T1 überzeugt bin und meine Nikon D3s und das schwere Nikon Zeug gar nicht mehr nutzen mag. Ich bekomme da Anrufe, Mails und WhatsApps dazu, so das ich den Fragenden gerne mal mit einem kurzen Blogpost antworten möchte.

Lapidar könnte ich mit einem Wort antworten: Gewicht!

Das ist es aber nicht alleine. Ich bin durch aus noch kräftig genug um eine Nikon D3s den ganzen Tag zu schleppen und hoch zu halten :-). Dennoch ist das Gewicht ein nicht unwesentlicher Teil meiner Pros zu den Systemkameras.

Ein weiterer Punkt ist der elektronische Sucher der Systemkameras den ich tatsächlich viel lieber mag als den optischen „Guckdurch-Sucher“. Ich mag es sehr im Sucher gleich das fertige Bild zu sehen inkl. der Belichtung die das Bild haben wird, ohne die Kamera erst runter zu nehmen. Das direkte sehen der verwendeten Belichtungskorrektur und der Blendenflecke  und des Gegenlichts im Sucher macht für mich in meinem Alltag und meinen Fotosituationen sehr viel Sinn und macht mir mehr Spaß als der „Glas-Gucki“.

Wo wir gerade beim Sucher sind, dazu passend ist auch einer meiner Gründe für die von mir gewählten Systemkameras, nämlich die Kipp und neigbaren Displays. Wer meiner Frau auf Facebook folgt, kennt die vielen „Liegefotos“ von mir bei denen ich auf dem Boden „rumlümmel“ um von unten nach oben zu fotografieren. Das ist mit dem Neigbaren Displays meiner Sony A7R und meiner Fuji X-T1 nicht mehr nötig :-). Ich weiß das es viele gibt, die das doof finden denn die „gestrandeten Walross-Bilder“ von mir haben doch scheinbar eine große Fangemeinde… :-).
Tut mir leid Ihr lieben! Die Systemkameras sind schuld…

Ein weiterer Punkt ist der Autofokus, den ich an den Systemkameras sehr mag. Jetzt denken die meisten ich hätte einen an der Klatsche, da der AF bei den meisten Systemkameras noch langsamer ist als an den aktuellen DSLRs. Das stimmt, aber der AF wird zum einen immer schneller in den Systemkameras und zum anderen kann ich den Fokuspunkt bei meinen Systemkameras bist an den äußersten Rand schieben und dort immer noch auf den Punkt genau fokussieren. Wer das mit einer Nikon D3s oder NIkon D800 mal versucht hat, weiß was ich meine.

Unauffälligkeit ist ein weiterer Punkt, der mir sehr gut gefällt an den „kleinen“ Systemkameras. Selbst mit Batteriegriff verdecken diese Kameras nicht das ganze Gesicht und sind „offener“ und „freundlicher“ den fotografierten Personen gegenüber. In meiner reinen Peoplefotografie ist dies ein Punkt den ich am Anfang völlig unterschätzt hatte. Dazu gehört auch die wesentlich leisere Arbeitsweise mit der Systemkamera, was gerade in der Kinder und Babyfotografie und auch in Kirchen und Standesämtern ein sehr großer Vorteil ist wenn die Babys und der Pfarrer beim Auslösen des Maschinengewehrs aka Nikon D3s nicht jedes mal zusammenzucken.

Last but not least ist es das Packmaß. Ich bekomme eine wirklich richtig umfassende Ausrüstung in einen kleinen Peli 1510 Case oder in eine Retrospective 50 mit allen Linsen und Blitzen und Ersatzgehäusen, was bei einer DSLR Ausrüstung leider immer gleich ein Kofferraum voll Equipment war.

Nachteile der Systemkameras? Gibt es die? Ganz klar, gibt es die! Wo Licht ist, ist auch schatten.

Da wären die folgenden Nachteile die mir direkt einfallen:

  • Akkulaufzeit – nach 350 Bildern ist Schluss mit einem Akku, nach 700 mit dem Batteriegriff
  • Nur ein Speicherkartenslot – die aktuellen DSLRs haben fast alle Doppelslots und können direkt in der Kamera Backups machen
  • AF Speed – dieser Nachteil wird bei den ganz aktuellen Systemkameras aber immer geringer
  • Die Blitzsysteme bei Sony und Fuji sind noch nicht so ausgeklügelt wie bei Nikon oder Canon. Brauchbar auf jeden Fall aber noch nicht dort wo Nikon und Canon heute ist.
  • Der eine oder andere Kunde denkt man „komme mit dem Spielzeug“ weil die Kamera kleiner ist als die Kamera von Onkel Bob. Ganz ehrlich, ist mir mittlerweile (und das hat lange gedauert…) völlig egal, denn ich bzw. wir, mein Frauchen und ich, werden wegen den Ergebnissen die wir abliefern gebucht und nicht wegen des verwendeten Werkzeugs.

Eine weitere Frage die mir gestellt wurde, war:

Moin Jörg, ich hatte gestern noch vergessen, Dich etwas zu fragen:
Wollte noch gerne wissen, warum du bei deiner Systemkamera-Lösung auf Sony (ist wohl klar: wegen der Auflösung der A7r) und auf Fuji gesetzt hast? Warst du mit der Olympus nicht sehr zufrieden? Da hätte sich statt der X-T1 doch die ebenfalls hervorragende OM-D E-M1 angeboten?
Da bitte ich mal um Aufklärung 🙂

Eine gute und berechtige Frage, denn wie Ihr auf dem obigen Bild sehen könnt, war ich auch mal auf dem mFT Tripp mit der Olympus OM-D E-M5. Diese Kamera ist auch eine wundervolle Kamera die ich sehr gemocht habe.

Die Gründe für mich auf die Sony A7R und Fujifilm X-T1 zu setzen sind eigentlich sehr einfach:

  • Mehr Charakter bei den Kameras – ich brauche eine Kamera mit Charakter und stehe so gar nicht auf „Mainstream-Kameras“. So bin ich auch selbst nie so richtig „warm“ geworden mit unserer Nikon D700, die meine Frau nach wie vor heiß und innig liebt und diese auch nicht hergeben will.
  • Die Freistellung der Fuji X-Serie mit Cropfaktor 1,5x ist einfach stärker als beim 2.0er Crop der mFT Systeme von Olympus oder Panasonic.
  • Die Freistellung der Sony A7R mit dem Vollformat ist natürlich noch mal einen Ticken stärker, auch wenn man das an den Bildern nur als sehr geübter Bilderbetrachter sieht.
  • Die Sony A7R liebe ich hauptsächlich wegen der beiden extrem guten Optiken von Zeiss, dem 35er und dem 55er. Ich liebe dieses Set und die „exorbitant“ gute Bildqualität die diese Kombinationen liefern.
  • An der X-T1 von Fuji liebe ich das Design, das Handling mit der Kamera und den klassischen Bedienelementen und den AF Speed und seine Zuverlässigkeit. Die Bildqualität ist ebenso sehr hoch und die Farben die ein X-Sensor von Fuji liefert die liefert einfach kein Olympus Sensor.
  • Die Olympus OM-D E-M1 ist eine gnadenlos gute Kamera und gehört ebenso zu den Top Systemkameras die man aktuell kaufen kann. Ich habe sie verwendet, aber sie spricht mein Herz und meine Emotionen nicht an, was beide anderen, sowohl die Sony A7R, als auch die Fujifilm X-T1 sofort getan haben.
  • Die Fuji X-T1 hat Charakter und der Sensor mit seinen „eigenen“ Farben ebenso. Die Fujifilm Objektive haben auch Ihren eigenen Charakter oder nennen wir es Charme. Ich mag besonders das Set bestehend auch Fujinon XF 10-24 4.0, Fujinon XF 23mm 1.4 und Fujinon XF 56mm 1.2. Das ist gerade für meinen Anwendungsfall ein ausgezeichnetes Set und macht extrem viel Spaß. Alleine der vorhandenen Blendenring an den Objektiven – ein Traum! Ein Traum den ich bei den ebenso sehr guten mFT Olympus oder Panasonic Objektiven nicht finde…

Ja die Nikons setzen Staub an, wobei mein Frauchen (noch) Standfest ist und Ihre heißgeliebte Nikon D700 noch nicht gegen eine Systemkamera tauschen möchte. Bin gespannt wie lange…

Konnte ich Eure Fragen beantworten? Wenn nicht einfach weiter fragen, gerne auch hier im Blog über die untenstehende Kommentarfunktion.

Schöne  Grüße – Euer Fotofuzzy – Jörg Langer

7 Kommentare

  1. Da teilen wir ja viele Ansichten, außer, dass die OM-Ds keinen Charakter hätten. Wer hat denn die retro-Welle erfunden? 😉 Ich nehme an, dass du nie durch den Sucher einer D600/D610 geguckt hast. Die AF-Felder dort erinnern ein bisschen an Fußballspielende Kinder, wo beide Mannschaften um den Ball drängen. Blendenring gibts übrigens, bei Voigtländer und Panasonic, ist aber nicht Standard. In was man sich am Ende verliebt ist natürlich subjektiv und das ist gut so.

    1. Stimmt, da habe ich mich missverständlich ausgedrückt, ich meine nur die OM-D E-M1 die ich rein optisch einfach zu „mainstream“ finde, im direkten Vergleich zur A7R und X-T1 die beide Ihre Kanten und Macken haben. Die OM-D E-M5 und E-M10 gefallen mir da deutlich mehr.

  2. Kurz zu Markus: Wer die Retro-Welle erfunden hat? Na klar, Leica. 😉

    Scherz beiseite.
    Ich finde es toll, dass du den Charakter einer Kamera und von Objektiven ebenso wichtig findest wie ich. Da sind wir uns absolut ähnlich. Gelegentlich finde ich mich selbst in der Situation, meine Wahl irgendwie zu begründen und mache das dann auch mit den Vorteilen meiner Kameras, wobei es doch eigentlich einfach der Tatsache geschuldet ist, meine Kameras eben viel mehr zu mögen als andere Kameras.
    Heutzutage ist die Leistung von hochwertigen Kameras so gut, dass nicht mehr die bessere Bildqualität ausschlaggebend ist (jeder Hobbyist sollte von jeder dieser Kameras zufrieden gestellt werden), sondern viel eher die persönlichen Vorlieben.

    Ich erlaube mir mal, einen Blogeintrag auf retrokamera.de zu verlinken, in dem ich meine Gedanken dazu zusammengefasst habe:
    http://retrocameracs.wordpress.com/2014/03/10/eine-kamera-muss-passen/

  3. Naja, retro bedeutet ja Wiederbelebung. Leica hatte IMMER diesen Look und konnte deshalb nie zu ihm zurückkehren. Also dann doch Olympus. 😉 Ansonsten schreibst du mir aber aus dem Herzen, Carsten.

  4. Hej Jörg – Dir einen Gruß aus Norddeutschland in den vermeintlich immer sonnigen Süden & ein Dank für Deine Mühe. Derart eine Seite zu führen (fundiert, belebt, ansehnlich), das darf gern herausgestellt werden.

    Und Du bleibst im Dialog. Was angesichts der einen oder anderen Tätigkeit (gewünscht seien viele lohnenswerte 🙂 auch nicht selbstverständlich ist. Zeit tickert nur so weg.

    Nach dieser Lobhudelei, die aber eine durchaus berechtigte ist, traue ich mich aus meiner Deckung mit einer Frage, bei der ich noch nicht abschätzen kann, ob ich besser den Kopf gleich einziehen sollte…

    …und ich frage an dieser Poststelle, weil auch ich nicht mehr so viel schleppen möchte an Nikon-DX-Equipment (FX stand bei mir nie an) und weil ich über Fujifilms X20 und X100S wohl nun auf dem besten Wege bin, ein Fujifan zu werden.

    So treibt mich gerade die Frage um, ob die XT10 das Kameramodell meiner Träume werden könnte… oder ob ich doch noch einen Blick gen mFT riskiere. Und das ist nun der Punkt meiner Frage:

    Zufällig las ich, ein Cropfaktor müsse nicht nur bei der Brennweite bedacht werden, nein, auch bei der Lichtstärke. Das hieße ja, daß z.B. f/2 bei FX f/2 bliebe, bei DX f/3 wäre und bei mFT gar f/4.

    Also suchmaschinierte ich am heutigen Sonntag munter drauflos… und fand Artikel mit vielen Zahlen, die ich als Nicht-Fotoingenieur und weitgehend Mathematik-Ahnungsloser nicht nachvollziehen konnte. Doch das Ergebnis war: Cropfaktor bitte auch in die Lichtstärke einrechnen.

    Eine Ecke weiter hingegen: stop, das sei Quatsch, der Crop zählt bloß bei der Brennweite. Was wiederum mit physikalischen Erklärungen untermauert wurde. Ergebnis: Crop und Lichtstärke hätten nichts miteinander zu tun.

    Schon früher ging ich diese Frage mal an, die Fotofachverkäufer ließen mich das Thema jedoch schnell vergessen. Neenee, da könne ich beruhigt sein, ich solle mir einzig x1,5 merken, brennweitenbezogen. Wäre es anders, die Industrie würde ja Heerscharen von Konsumenten an der Nase herumführen mit guten Lichtstärken, ohne zu sagen, daß die sich mFT-haft ganz anders zeigen würden.

    Das wollte ich doch hören, fein. — Aber heute, tja, da stieß ich auf solch beeindruckende Beweisführungen. Trau schlau wem. Ich versuch’s mal mit einer Anfrage bei Dir.

    Und ducke mich, falls die Frage zu blöd ist. Nach der Sesamstraßenphilosophie hingegen gibt’s keine dummen Fragen… in manchem Fotoforum scheinen aber darüber andere Ansichten und rigorose Hackordnungen zu herrschen. Okay, das ist jetzt ein ganz anderes Thema.

    Einen herzlichen Gruß an Dich & die Mitleser dieser Runde – ich harre der Belehrungen und freue mich, n bissle schlauer werden zu dürfen. Und gleich schaue ich hinaus, fünf Millimeter Schnee, da droht dem Norden wohl wieder ein Chaos.

    Komm_t gut durch den Winter.

    Hermann

    1. Hi und Hallo,

      das wird hier

      http://fotovideotec.de/cropfaktor/

      extrem und ausführlich beantwortet.

      Kurz: Die Brennweite bleibt immer gleich, der Bildausschnitt ändert sich. Ein Vollformat-Objektiv mit 28mm Brennweite hat überall 28mm Brennweite, auch am 1,5er Crop Sensor, das Bild zeigt aber einen Ausschnitt an, der einem 42mm Brennweite Objektiv entspricht, dennoch hat es immer noch 28mm Brennweite.

      LG Jörg

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