Ein-Blick in die Königsklasse? Der neue EIZO CS270 an meinem Rechner zum Test

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„Ein EIZO – Boah – es gibt nichts besseres!“

So oder ähnlich hat es doch jeder von uns Fotofuzzys schon mal gehört. EIZO scheint diese Monitore zu bauen, die einer eierlegenden Wollmilchsau am nähesten kommen. So scheint es zumindest, denn egal wen man fragt, jeder empfieht einem Fotografen und Bildbearbeiter einen EIZO Monitor unabhängig davon ob er den selbst nutzt oder nur davon gehört hat.

„Wer farbverbindlich arbeiten will und seinen Kunden „echte Farben“ liefern will muss einen EIZO nutzen…“

… auch das habe ich mehrfach gehört. Dank einem lieben Freund, der Produktmanager bei EIZO ist, durfte ich nun einen der neuen EIZO´s, den EIZO CS270-CN, mal in Ruhe anschauen und mir ein „Bild“ machen von den sagenumwobenen Displays.

Viele von Euch wissen, dass ich einen Großteil meiner Brötchen mit Marketing in der IT Branche verdiene und selbst gerne das Equipment nutze das mein Arbeitgeber in Deutschland produzieren lässt. Darunter auch die Displays. Ich nutze in Summe vier relativ neue 27″ Displays und habe alle sauber kalibriert und auf „Farbechtheit“ justiert. Alle meine Displays sind IPS Panels, so wie auch das Panel des gestesten EIZO CS 270. Man könnte also sagen, ich nutze „gutes Zeusch“. Umso mehr war ich also gespannt ob – und wenn ja wie groß – ein Unterschied feststellbar sein wird.

Die Haptik

Schon beim Auspacken fällt einem die sehr sehr hochwertige Verarbeitung des schwarzen EIZO Displays auf. Der demontierte Fuß ist kinderleicht zu montieren und schon steht das Prachtstück vor einem auf dem Tisch. Das Display ist dicker und schwerer als man das von den üblichen „Fürsorge-Beige-Office-Monioren“ her kennt. Warum man einen Monitor schwarz herstellen muss verstehe ich allerdings nicht. Jeder Staubfussel mag unbedingt sich fest an diesem schwarzen Gehäuse festsaugen. Ich gebe zu, Schwarz sieht „edler“ aus, aber in der Praxis ist es leider m.E. wesentlich unpraktischer als die hellen Kollegen auf den Schreibtischen. Der CS270 is um 90 Grad drehbar und höhenverstellbar und somit auch hochkant zu nutzen. Ich selbst nutze einen meiner beiden 27″ Displays an der Grafikworkstation auch im Hochkantformat und einen im Querformat. Eine tolle Kombination für den Workflow mit Lightroom und Photoshop und Office-Anwendungen.

Lieferumfang

Im Lieferumfang ist alles was man braucht – aber leider nur wenn man Apple Anwender ist. Windows User die einen normalen Disyplayport-Anschluss nutzen werden, wie ich sehr schnell, ein Displayport-Kabel vermissen, denn im Lieferumfang ist leider nur eins mit dem Mini-Displayport, den Apple oder MS Surface Anwender kennen. Zum Glück hatte ich in meinem Fundus noch ein solches Kabel und schon konnte es losgehen. Zusätzlich sind im Lieferumfang noch das Stromkabel, ein DVI Kabel und ein USB Kabel. Der oft gesehene Seitenlichtschutz, oder wie auch immer man diese Kästen und Rahmen um das Display nennt, der fehlte. Diesen „muss“ man für fast 200 Euro separat erwerben.

Auflösung und Schärfe

Das 68 Zentimeter Display verfügt über eine 2560x1440er Auflösung, so wie die meisten 27″ Displays. Die Bildschärfe ist sehr hoch und sehr Augenfreundlich. Die Helligkeitsverteilung ist sehr sehr gleichmäßig. Ich konnte – und ich habe wirklich danach gesucht – keinen Helligkeitsabfall oder Unterschiede in der Helligkeit feststellen. Der Einblickwinkel ist sehr weit und man sieht auch von der Seite noch sehr gut die angezeigten Daten.

Die Farben

Ja die Farben sind das warum man sich einen EIZO auf den Tisch stellt. Die Farben kamen mir nach dem Auspacken und Anschließen irgendwie erst mal unecht vor. Nach einer Kalibrierung per SW (ich habe meinen X-Rite i1 dafür genutzt) waren die Farben sofort wieder so, wie ich sie von all meinen Displays gewohnt bin. Die Farbabstufungen sind sehr sehr fein und haben eine ausgezeichnete Wirkung auf den Betrachter. Das besondere am CS270 (und vielen anderen EIZO´s) ist die Hardwarekalibrierbarkeit. Das bedeutet das man mit der mitgelieferten Software (Color Navigator) und einem Sensor (der nicht im Lieferumfang ist) den Monitor in Sachen Helligkeit, Kontrast und Weißpunkt einstellen kann und diese Einstellung im Monitor direkt gespeichert wird und eben nicht wie bei anderen Softwarekalbirierungslösungen auf den jeweiligen angeschlossenen Rechnern. Der Monitor kann neben dem (im Web genutzten) sRGB-Farbraum auch den AdobeRGB-Farbraum zu 99% darstellen. Das ist inbesondere für diejenigen die mit Bildern für den finalen Druck arbeiten eine sehr wichtige Funktion, da man dort fast durchgängig im AdobeRGB-Farbraum arbeitet und seine Dateien damit besser betrachten kann. Für den normalen Anwender und Fotografen ist der sRGB der „sicherer“ Farbraum, da dieser auch von allen „Anwendern da draussen“ genutzt wird. Der EIZO kann aber eben beides und beides sehr gut.

Zur Hardware-Kalibrierung findet man im Hersteller-Datenblatt des EIZO CS270 folgende Informationen:

Die Software ColorNavigator aus dem Lieferumfang des CS270 greift bei der Kalibrierung auf die Look-Up-Table des Monitors direkt zu (Hardware-Kalibrierung). Dabei kann der Anwender Farbtemperatur, Helligkeit, Schwarz-Wert und Tonwertkurve nach seinen Anforderungen frei bestimmen. Die Kalibrierung fußt auf der Werksjustage und ist daher in ihrer Präzision und Geschwindigkeit einzigartig. Für die Kalibrierung ist ein optionales Handmessgerät erforderlich.

Quelle: http://www.eizo.de/pool/products/spec/CS270.pdf

Der Preis und seine Rechtfertigung

Nun, ich selbst nutze Monitore die etwa 400 Euro günstiger sind in der Anschaffung und mich in meinem Workflow absolut zufrieden stellen und für einen Laien gar kein Unterschied feststellbar sein wird. Für diese 400 Euro Differenz bekommt der Anwender beim EIZO aber die Hardwarekalibrierungsfäigkeit (cooles Wort), den fünf Jahre Vor-Ort-Austauch-Service und den sehr großen Farbraum mit 99% dessen was Adobe als Farbraum darstellen kann.

Mein Fazit

Nun ich tue mir natürlich schwer einen Monitor zu empfehlen der nicht von meinem Arbeitgeber hergestellt wird, aber wer noch keinen guten Monitor hat und farbverbindlich im AdobeRGB-Farbraum arbeiten muss/möchte, der macht auf keinen Fall einen Fehler einen solchen EIZO auf seinen Schreibtisch zu stellen. Ob man das allerdings wirklich braucht muss jeder für sich selbst entscheiden. Die Unterschiede sind mit bloßem Auge, wenn man es mit anderen hochwertigen Displays vergleicht, kaum zu erkennen. Aber es ist wie so oft im Leben, die letzten wenigen Prozent kosten die größten Anstrengungen und sind am erstrebenswertesten… Ihr versteht schon, oder?

Ich selbst bleibe bei meinen sehr guten Displays die ich bisher genutzt habe, da diese mir in meinem Workflow gute Arbeit leisten und mir vier EIZO´s einfach im Moment ein zu hohes Investment wären, denn ich kenne mich selbst nur zu gut, wenn ich einen davon hier stehen hätte, dann würde ich eh nach nach die anderen auch austauschen wollen. Um das zu verhindern lasse ich es erst mal ganz. 🙂

Kurz zusammengefasst: Ein EIZO ist absolut genial aber es liegen keine Welten zwischen einem EIZO und einem anderen guten hochwertigen Display. Wer keine hochwertigen Displays bisher nutzt wird den Unterscheid aber definitiv sofort sehen!

An dieser Stelle bedanke ich mich herzlich für die Möglichkeit diesen EIZO CS270 testen zu dürfen und habe Euch gerne hier in meinem Blog darüber berichtet.

Schöne farbechte Grüße – Euer Fotofuzzy – Jörg Langer

6 Kommentare

  1. Schöner Bericht 🙂 Wenn man noch mal ca. 300 Euro drauflegt bekommt man den CX-271 der sich dann auch ein bisschen selbst kalibriert von Zeit zu Zeit. Ist zeitsparender und ich möchte diese Funktion nicht mehr missen.

  2. weißt Du, wirklich geschafft hat man es doch erst, wenn man diesen tollen Monitor hat/kauft und dann Bilder aus der Leica M Monocrom bearbeitet
    in diesem Sinne – Farben sind nur eine Illusion – ciao Mad

  3. Ich fand es schon sehr beeindruckend was der X Rite nach der Kalibrierung aus meinem Dell IPS Panel herausgeholt hatte.. War danach eine andere Welt….

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