Die Geschichte mit der Farbechtheit – heute mal das Thema Softproof

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Die Themen Farbe, Farbechtheit, Kalibrierung, Druck, Profile, Farbtiefe, Farbraum nehmen kein Ende und scheinen ein Fass ohne Boden zu sein. Für viele. Für mich auch, aber ich steige so langsam immer tiefer in diese Themen ein und fühle mich so langsam geeignet, ein wenig mit zu diskutieren wenn es darum geht.

Bin ich ein Profi in diesem Gebiet? Nein, keineswegs.
Interessiert mich das komplexe Themengebiet? Ja, auf jeden Fall.

Nachdem ich im letzten Jahr den Schritt zum EIZO Monitor, meinem CG2730, gewagt hatte, war die Welt für mich in Sachen Farbe und Farbechtheit erst mal zur gedanklichen Ablage geeignet, denn ich war angekommen und zufrieden. Alles schaut so aus wie es sollte und auch meine Ausbelichtungen an Prints und Fotobüchern sahen auf dem Papier seitdem (gefühlt) ganz genauso aus wie auf meinem schicken EIZO Monitor. Tschakka. Alles geschafft!

Alles? Nun, eigentlich schon, bis ich zum Jahresende mit dem Selbstdrucken begann. 

Wie jetzt? Alles wieder auf Neuanfang? Neu lernen? Waaaas? Jedes gute Papier hat ein eigenenes Farbprofil? Für was das denn? Was mache ich denn damit? Wozu brauche ich das? Hiiiiiiilfe, ich will zu Mama!

Die ersten Ausdrucke waren gut – rein gefühlt. Natürlich war ich vom Format der ersten A2 Prints aus dem eigenen Drucker irgendwie geplättet. Aber diese gewisse innere Unruhe, ob da wirklich alles „perfekt“ sei, lies mir keine Ruhe. Diese Sache mit den Profilen für die Papiersorten lies mich gedanklich nicht mehr los. Und auf einmal tauchte auch in meinem Lightroom diese Checkbox „Softproof“ auf.

Die ist neu, oder? Natürlich ist sie das nicht – aber für mich irgendwie schon. Das Thema machte mich neugierig. Erste Anlaufstelle war – wie so oft – Wikipedia. Dort heißt es zum Thema Softproof auszugsweise:

Ein Softproof (in etwa: Weicher Probedruck, in Analogie zu Software) ist ein verbindlicher digitaler Probeabzug auf einem Monitor oder Projektor unter definierten Beleuchtungs- und Umfeldbedingungen, der vor einer finalen Auftragsfreigabe an eine Druckerei erfolgen kann. Hier kann diefarbmetrische und inhaltliche Korrektheit von digitalen Druckdaten überprüft werden.

Dabei gelten die gleichen Bedingungen wie beim verbindlichen Probedruck in Papierform. Die verwendete Software muss das Kalibrieren und Profilieren des Ausgabegerätes, also eines Monitors oder Projektors, ermöglichen, sie muss eine Validierung zu dem Druckstandard der späteren Produktion gewährleisten und die Ausgabe der Druckdaten ermöglichen. Es dürfen dabei nur die tatsächlichen Druckdaten, optimal im PDF-Format, verwendet werden.

Im engeren Sinn versteht man unter Softproof die Simulation einer bestimmten Ausgabebedingung – meist einer Druckbedingung – auf einem Monitor. Eine Ausgabebedingung wird durch die zu erreichenden Zielwerte charakterisiert, welche durch die Kombination der verwendeten Materialien, Geräte und deren Ansteuerung beeinflusst werden. Typische Ausgabebedingungen sind z. B. der Offsetdruck gemäß „ProzessStandard Offsetdruck“, der Druck mit Tintenstrahldrucker auf einem bestimmten Papier oder die Belichtung von Fotopapier in einem Minilab.

Die für den Softproof verwendete Datei kann eine Bilddatei in einem geräteabhängigen (RGB, CMYK, Mehrkanal-/Sonderfarben) oder geräteunabhängigen (CIELAB, CIEXYZ) Farbraum sein. Als Dateiformat sind z. B. JPEG oder TIFF gebräuchlich. Für eine farbrichtige Darstellung geräteabhängiger Daten müssen geräteunabhängige Informationen (meist in Form eines ICC-Quellprofils) vorhanden sein.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Softproof

Ahhh, ich verstehe!

Einfach ausgedrückt, kann ich mit einem Softproof sehen, wie das Bild später gedruckt aussehen wird. Das Material, also das Papier, beeinflusst also die Farbgebung des fertigen gedruckten Bildes. Mit einem Softproof kann ich das also vorher simulieren ohne einen teuren Druck machen zu müssen. 

Das musste ich testen. Denn ich hatte ja immer noch dieses innere Unruhegefühl – da geht was noch besser und perfekter. Ich will ja lernen und besser werden. Also ran an den Softproof.

Ich ging auf die Seite meines bevorzugten Papierherstellers Tecco. Dort fand ich schnell die benötigten ICC Profile in einer ZIP Datei.

In dieser ZIP-Datei zum meinem Drucker passend fand ich auch die benötigten Einstellungshinweise, welches Papier welche Druckertreiber-Einstellung benötigt damit die dazu passenden ICC Profile auch korrekt angewendet (und damit sowas wie „übersetzt“) werden.

Mein gerne benutztes Tecco PM230 musste also im Druckertreiber als „Fotopapier Matt“ ausgewählt werden. Das ICC Profil dazu fand ich ebenso in der ZIP Datei. Diese ICC Profile müssen auf dem Mac in den folgenden Folder:

Mac OS X: HD > User > Library > ColorSync > Profiles

In diesem Folder findet man dann auch die von der Monitor-Kalibrierungs-Software erstellten ICC-Anzeige-Profile, wenn dieser ein Software kalibrierter Monitor ist. Dazu hatte ich ja schon mal einen Artikel geschrieben.

Nach einem Neustart der Bildbearbeitungs-Software, mit der Ihr Euer Bild drucken wollt, stehen diese Papier-ICC-Profile dann auch zur Verfügung.

Durch aktivieren der Checkbox Softproof in Lightroom erhält man oben rechts die EInstellmöglichkeiten, mit welchem ICC Profil man den „Ausgabecheck“, also den Softproof darstellen möchte. Sprich, dort könnt Ihr das besagte Papier-ICC-Profil auswählen und Euch dann in der Y/X Ansicht anzeigen lassen wie der Druck im Unterscheid zum Monitoranzeigebild aussehen wird.

Auf der linken Seite das „Original“ und auf der rechten Seite das „Softproof-Ergebnis“ – also genau so wie das Bild auf dem Druck aussehen wird. 

Moooooooooment, müsste das nicht gleich aussehen?

Nun eigentlich dachte ich bisher so. Aber mit ein bisserl nachdenken wurde mir klar, dass dies auf keinen Fall so sein kann. Dann müsste man ein „Referenz-Papier“ kaufen das genau identische Ergebnisse mit dem kalibrierten Monitor liefert. Da dies durch die Fasern, das Material, die Saugfähigkeit, die ganz dezente Tönung des Papieres alles beeinflusst wird, wird so auch jedes Bild (leicht) anders aussehen. 

Was nun?

Um das Bild genau so zu erhalten, wie man es möchte, muss man es so bearbeiten das der Softproof so aussieht wie es final aussehen soll. Dazu empfehle ich Euch, eine virtuelle Kopie anzulegen und die Anpassungen für den Print daran vorzunehmen. So verstellt Ihr Euch mit den Reglern nicht Euer „fertiges“ Bild in Lightroom und erzeugt eine neue Datei, für den Druck. Wenn diese dann justiert ist, und Euch der Softproof dann gefällt, dann kann die Drucken-Taste betätigt werden.

Ich drucke meine Bilder aus Photoshop oder auch aus Lightroom direkt über das Canon Program (es ist ein PlugIn/Zusatzmodul) Canon Print Studio. In diesem sehr komfortablen „Drucker-Steuerungs-Programm“ wähle ich natürlich die vom Papierhersteller genannte Papiersorte aus (in meinem Falle beim Tecco PM230 also Fotopapier Matt) und stelle das Farbprofil passend zum Papier ein.

Und schon kann ich mich zurücklehnen und den Drucker seine Arbeit machen lassen. Wenig später halte ich das fertige Bild in den Händen und bin „positiv“ überrascht, dass mein Druck nun wirklich „sehr identisch“ (gefühlt) ist wie die Anzeige im Softproof.

Mein bisheriger Eindruck, die Bilder seien Farblich sehr gut, stimmte. Mein Eindruck, da geht aber noch was, stimmte jedoch auch. Durch den sehr gut kalibrierten EIZO Monitor sind meine Farben schon wirklich sehr „echt“ in der Darstellung – auch bei Prints und Ausbelichtungen so das man Differenzen und unterschiedliche Anmutungen schon suchen muss, aber mit den ICC-Papier-Ausgabe-Profilen das vorher checken und kontrollieren zu können im „Softproof-Prozess“, hilft mir enorm Kosten zu senken und nicht mehrfach drucken zu müssen, sondern schon vorher am Monitor zu sehen, wie dass auf Papier gedruckte Ergebnis aussehen wird.

Nutzt Ihr Softproof? Wie sind Eure Erfahrungen?

Ich hoffe ich konnte Euch mit diesem Artikel etwas motivieren einmal, ein zu Beginn eher komplexes Thema, anzugehen. Es ist in der Praxis wahrlich viel einfacher als man beim Lesen von Fachartikeln oder Wikipedia-Texten vermuten mag. Testes es mal selbst.

Was mir noch fehlt ist eine „Farbechte“ und gute Beleuchtung für mein Office. Solltet Ihr da Tipps und Empfehlungen haben…

Schöne Grüße – Euer Fotofuzzy – Jörg Langer


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16 Kommentare

  1. So einfach hätte ich das jetzt nicht erwartet. Hattest du denn ein Foto, dass den Dynamikumfang des Druckers/Papiers ausgereizt hat? Je nach Papier leidet ja manchmal der Dynamikumfang und dann ist es ärgerlich, wenn der punch durch knackige Tiefen und brillante Höhen dem nichtleuchtenden Medium Papier weichen muss.

    1. In dem Zusammenhang ist es auch gut mal die Farbumfang-Warnung in Lightroom zu aktivieren. Habe schon ne weile kein LR/PS mehr, aber der Menüpunkt müsste „Warnung zum Monitorfarbumfang ein-/ausblenden“ für das „normale Bild“ bzw. „Warnung zum Zielfarbumfang ein-/ausblenden“ für den Sofftproof heißen. Letzters halte ich beim drucken für wichtig, da Du ja nach perfektion suchst 😉 Aber tu dir einen Gefallen, übertreib es nicht. Ich kenne Fotografen die an diese Thema verzweifelt sind. Aber Du bist auf dem richtigen Weg 👍

  2. Ich hatte schon mal einen kurzen Bericht über Licht und die Auswirkung geschrieben. http://brainfracking.de/welchen-einfluss-hat-licht-auf-die-farbe/
    …wichtigste ist eigentlich die richtige Farbtemperatur 5000 Kelvin. Das ist in der Industrie der Standard. Die Bezeichnung der Neonröhren ist D50. Wenn Du dann noch darauf achtest, dass in dem Bereich wo der Proof beurteilt werden soll in einem hellgrau gestrichen ist hast du die größten Fehlerquellen vermieden.

    1. Sehr richtig, Burkhard. Wenn man Drucke beurteilt, ist das Licht, mit dem man die Drucke beurteilt von entscheidender Bedeutung. Manchmal tut man dem Matching des Drucks nämlich Unrecht, weil das Licht, mit dem man ihn betrachtet, „farbstichig“ ist und nicht der Druck.
      Idealerweise haben Monitor und Beleuchtung den gleichen Weißpunkt, dann ist man auf der sicheren Seite. Oder man sollte besser sagen, auf der sichereren Seite. Denn neben dem Weißpunkt ist auch wichtig, dass das Leuchtmittel möglichst die komplette Bandbreite des sichtbaren Lichtspektrums auch ausstrahlt.
      Aber ich denke, man sollte sich da als Fotograf auch nicht verzetteln. Der Hauptnutzen des Softproofs ist es in meinen Augen, die Auswirkung nicht so gutmütiger Papiere wie z.B. von Leinwänden oder sehr matten Papieren auf den Druck simulieren zu können und die Bilder dann entweder daraufhin zu optimieren oder halt ein anderes Papier zu wählen, wenn man feststellt, dass die erwünschte Anmutung mit dem präferierten Medium nicht zu realisieren ist.

  3. Hallo Jörg,
    Vielen Dank für den Artikel. Ich drucke zwar noch nicht selbst, aber selbst wenn man extern drucken lässt, läuft man immer wieder in Probleme mit den Farben. Spannendes Thema.

    grüße,
    Jürgen

  4. Hallo Jörg,
    schönes Posting. Spannend wird die Softproofansicht bei Papieren, die eine richtig große Auswirkung auf das Ergebnis haben. Also Papiere, die eine Eigenfarbe haben, sehr matten Papieren, Leinwand, Kunstdruckpapier. Je größer der Einfluss des Papiers, desto mehr Unterschied entsteht auch in der Softproofansicht. An den Eckdaten – also den maximalen und minimalen Farbwerten kann man in der Anpassung nichts ändern. Aber an allen Nuancen dazwischen. 🙂
    LG Chris

  5. Bezüglich deiner Frage zur Beleuchtung (ist meiner bescheidenen Meinung nach mit am wichtigsten, wenn man es wirklich ernst meint) hat Burkhard ja auf deinem Blog schon einen passenden Kommentar geschrieben. Wie ist den dein Monitor eingestellt? 5000 oder 6500 Kelvin?
    Neben der Farbtemperatur der Beleuchtung ist aber noch das Farbspektrum entscheidend.
    Es reicht nicht einfach eine einstellbare LED Leuchte zu kaufen und vermeintliche 5000 Kelvin einzustellen.
    Früher haben wir spezielle Neon Röhren von OSRAM verwendet, die einen hohen Farbwiedergabewert von 90 hatten. Die Einheit nennt sich Ra und sollte möglichst nahe an dem Maximum von 100 sein.
    Habe auf die schnelle keine LED Leuchten mit ca. 5000 Kelvin und einem Ra Wert größer 80 gefunden. Nur Neonröhren

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