Der SW-Modus – oder – Warum ich eine Leica Monochrom für totalen Unsinn erachte

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2015-05-SW-Modus-05

11.000 Euro für eine Kamera und ein 35mm Objektiv mit einer 1.4er Blende. Für viele etwas „erschreckendes“, für viele aber auch was ganz normales. Genau so viel muss man für eine aktuelle Leica M Monochrom (6.800€) und ein Leica Summilux-M 35 1.4 ASPH (4.200€) auf den Tisch legen und bekommt dafür eine Kamera, die an edlem Aussehen und Markengeilheit kaum zu überbieten ist. Die Leica M Monochrom liefert einem zudem im wahrsten Sinne des Wortes „die Reduzierung auf das Wesentliche“ und lässt sogar die Farbe aus dem Sensor weg und liefert einem reine Schwarz-Weiß-Aufnahmen auf die Speicherkarte. Farbfotos sind nicht möglich mit dieser Kamera. Diese Kamera ist nun mit dem zweiten Release mit einem 24 Megapixel Sensor auf den Markt gekommen und ziert fast alle aktuellen Fotozeitschriften. Sicher eine der vieldiskutiertesten und gleichzeitig begehrtesten Kameras schlechthin. Reizt mich diese Kamera? Auf jeden Fall! Kaufe ich mir diese Kamera? Auf keinen Fall!

Warum reizt mich eine solche Kamera?

Eine Leica ist für einen Fotofuzzy immer ein positiver Reiz. Ich habe lange, wirklich lange und intensiv mit einer digitalen Leica M9 und einer analogen Leica M6 gearbeitet und habe beide geliebt. Die Langsamkeit ist erstaunlich Effektivitätssteigernd in der Fotografie. Widerspricht sich das nicht? Nein, das tut es nicht, denn die Konzentration beim Fotografieren auf das Motiv und die Grundeinstellungen wie Fokus, Blende und Ausschnitt ist bei keiner anderen Kamera (zwangsweise) so hoch wie bei einer Leica M.

Warum kaufe ich mir eine solche Kamera nicht?

Das sogar die Farbe aus dem Sensor verbannt wird, ist in meinen Augen eher ein Marketing-Gag und eine gewollte Reduzierung für die es meines Erachtens keinen Grund gibt und genau da fange ich an, die legendäre und geschichtsträchtige Marke Leica aus Wetzlar innerlich auszulachen. Das diese Leica, die in meinen Augen künstlich kastriert wurde, dann noch so viel Geld kostet, ist in meinen Augen als Marketer durchaus nachvollziehbar, aber als Nutzer einer Kamera die für mich Ergebnisse liefern muss, wiederum nicht akzeptabel. Auch nicht, obwohl diese Kamera so verdammt edel daherstrahlt. Wenn, dann wäre eine „normale“ Leica M in meinen Augen die bessere Wahl. Gegen diese sprechen aber leider wieder genug andere Gründe in meinen Augen, denn von der Bildqualität her haben andere die Leicas schon länger überholt. Ich möchte betonen das dieser Beitrag hier keinesfalls ein Leica-Bashing sein soll, sondern vielmehr meine Gedanken zur Leica M-Monochrom und dem SW-Modus anderer „normaler“ Kameras erklären soll. Leica baut gnadenlos gute Objektive und auch die Kameras sind vom allertfeinsten in der Mechanik und in der Haptik. Da wird eine Canon, Nikon, Sony, und die anderen leider nie herankommen.

Alternativen? Gibt es diese?

Aber hallo, und wie es diese gibt! Eindeutig Ja. In Sachen „Anfass-Gefühl“ leider nein, wie ich oben im letzten Absatz schon erwähnte, aber in Sachen Ergebnisse, die die Werkzeuge liefern soll, gibt es sehr wohl Alternativen und meines Erachtens sogar deutlich bessere. Es ist ja kein Geheimnis mehr, das ich in den vergangenen 18 Monaten zum echten Sony-Fan und Verfechter der Alpha-A7-Serie geworden bin. Die Sony der A7-Serie sind meines Erachtens sehr gute und vielseitigere Alternativen zur Leica-M-Serie. Der eingebaute elektronische Sucher ist erstklassig und muss nicht erst als Aufstecksucher angesteckt werden. Die Rausch-Armut der Sensoren ist deutlich fortschrittlicher und die Adaptierbarkeit der Leica Linsen an dieses System (und auch der anderen sehr guten Linsen anderer Hersteller…) mit der ausgezeichneten Fokussierhilfe, namens Focus-Peaking, macht die A7-Serie zu einer sehr ernsten Alternative zum Leica M-System.

Da mich das Reduzieren auf reine Schwarz-Weiß-Fotos (wie bei der Leica M-Monochrom) schon sehr reizte, habe ich mir in den letzten Tagen, die ich ja nur spazierend oder liegend (auf keinen Fall sitzend) verbringen durfte, mit dem SW-Modus meiner Sony A7R beschäftigt.

Die nachfolgenden Bilder sind alle Out-of-the-Cam-Jpegs und lediglich über Lightroom auf 1000px Kantenlänge verkleinert worden. Die Bilder sind entweder auf meiner Couch oder bei einem kleinen Spaziergang um den See entstanden nach einem Arztbesuch.

Alle Bilder sind mit der Sony A7R und dem Sony Zeiss Distagon 35 1.4 (meines Erachtens das beste Objektiv der Welt!) aufgenommen worden mit den folgenden SW-Modus-Einstellungen:

2015-05-30-Einstellungen

Man kann mit den Einstellungen die Wirkung und die kamerainterne Bearbeitung der Schwarz-Weiß Aufnahmen deutlich beeinflussen. Ich habe mich ganz bewusst für die harte und scharfe Variante mit +3 bei den Kontrasten und +2 bei der Schärfung entschieden. Mir gefallen diese harten Schwarz-Weiß-Bilder so am besten.

Das schöne an diesem Modus ist, das man reine Schwarz-Weiß-Jpegs bekommt und zeitglich die echten (und im Falle meiner Sony eben auch farbigen) RAWs auf die Speicherkarte geliefert bekommt, wenn man JPG fine+RAW als Bildmodus auswählt.

Was ist der Vorteil der von mir verwendeten Kombination?

Nun zum einen ganz klar die Vielseitigkeit des Systems. Autofokus, wenn man will, Farbe, wenn man diese will, Rauscharme Fotos bis in die hohen ISO Bereiche, Dynamikumfang wie bei kaum einer anderen Kamera und eben auch den extrem guten Sucher neben der extremen vielfältigen Adaptierfähigkeit des E-Mount-Bajonetts und der am Markt erhältlichen Adapter mit der man ganz sicher jedes auf diesem Planeten gebaute Objektiv inkl. einer Salami an das Bajonett adaptieren kann.

Dennoch kann ich das System so einstellen und mich auf das wesentliche Konzentrieren. Mit der von mir verwendeten Sony Zeiss Distagon 35 1.4 Linse habe ich einen echten Blendenring und das pure Fotografiegefühl.

Einen nicht unerheblichen Vorteil mölchte ich nicht unerwähnt lassen, der Preis! Mit der Kombination vin Sony A7R (1.599€) und dem Sony Zeiss Distagon (1.699€) komme ich auf eine Investition von 3.298 Euro und ich spare damit sanfte 7.702 Euro mit denen ich viel Farbe in mein Leben bringen kann. Wer schon nur Schwarz-Weiß-Bilder mag braucht doch viel Farbe im echten Leben, oder?

Ich werde den Schwarz-Weiß-Modus weiterhin nutzen und weiterhin damit experimentieren und mich weiterhin sehr glücklich und zufrieden mit meinem Sony System der Aufgabe des Bildermachens widmen.

Dennoch möchte ich betonen, das ich die Leica Kameras und besonders deren Objektive als sehr hochwertig erachte und es durchaus eine Daseinsberechtigung für dieses System gibt, zumindest für die Kameras die auch Farbe können. Das ich in diesem Blogbeitrag Apple mitg Windows, ähhh Äpfel mit Birnen verglichen habe ist mir durchaus klar, aber besteht unser ganzes Leben nicht aus Äpfel und Birnen?

Schöne Grüße – Euer Fotofuzzy – Jörg Langer

p.s.: Diesen Beitrag habe ich an meinem neuen Stehtisch geschrieben… ich lasse mich so schnell nicht unterkriegen…

19 Kommentare

  1. Vor ein paar Tagen hatte ich eine M6 in der Hand. Ja, die Verarbeitung und die Haptik einer Leica ist wirklich allererste Sahne, da gibt es nichts zu mäkeln. Allerdings halte ich die monochrome Leica für einen Marketing-Gag, zumindest aus rein fotografischer Sicht. Sie ist technisch nicht auf der Höhe der Zeit, wie Du schon schreibst, Leica hätte dann zumindest mal hingehen müssen, und den Sensor rauschärmer machen müssen.

    Ich beschränke mich selbst auch gern immer wieder auf schwarz-weiß und nutze in meiner Nex-6 gerne den s/w-Modus. Allerdings nutze ich in den wenigsten Fällen die JPGs die produziert werden, sondern ich nutze sie tatsächlich nur als Vorschau in der Kamera. Die eigentlicher Konvertierung findet in Lightroom statt. Wobei ich mir offen gestanden wünschen würde, wenn man in LR zwischen dem RAW und der Filialdatei, also dem JPG umschalten könnte. Meines Wissens muss man sich nach wie vor in den Einstellungen entscheiden, wie man beim Bildimport mit den Filialdateien umgehen möchte. On the fly mal eben umschalten geht einfach nicht, was ich sehr schade finde.

    Was die anderen Einschränkungen angeht: ich kann auch meine aktuellen Kameras auf komplett manuell stellen, da muss ich keine exorbitante Summe für eine Kamera ausgeben, die man als Fotograf in meinen Augen schlicht nicht braucht. Die normale M – da lasse ich mit mir reden, aber nicht die monochrom.

    Blendenring als Standard an den Objektiven – das wäre mal wieder etwas 🙂

  2. Ach naja jedem das seine würde ich mal sagen 🙂

    Die einen kaufen sich einen Porsche die anderen einen Dacia, die Kameraindustrie sucht halt händeringend nach neuen Produkten die Sie vermarkten können.

    Aber du hast schon recht man kommt natürlich auch mit anderen Mitteln zum Ziel die wesentlich günstiger sind…

    1. ich bin auch absolut der meinung von oliver und finde dessen kurzen blog sehr gut. ich bin nach der a55 und a77 auf die sony a7 umgestiegen. dazu viel analog mit der leica 6 und contax am fotografieren. die leica und zeiss objektive dann für die sony a7 verwendet. schlussendlich die leica MM gebraucht günstiger erworben. liebe auf den ersten blick. die sony a7 verwende ich fast nur noch mit dem speedmaster 0.95er, aber nicht mehr für s/w. bin aber immer noch ein „sonyboy“ 🙂

      man kann es einfach nicht vergleichen. die rohdaten der MM sind schlichtweg nicht zu toppen – da müssen wir glaub’s nicht diskutieren, das ist eine andere liga. wie oliver schon schreibt, ist sonys interne software resp. die lightroom-presets sehr gut – aber man darf das nicht vergleichen! daher sind aussagen wie „totaler unsinn“ wirklich blödsinn!

      auch bemerkungen wie „nicht auf der höhe der zeit“ kann ich einfach nicht gelten lassen. immer mehr, immer schneller, immer genauer….. ich weiss nicht, ob das die zukunft sein wird. ich denke, es wird da eine bewegung zurück geben – weniger ist mehr. manuell anstatt automatisch. überlegen statt nur knipsen. vielleicht bleibt das ein „nischenmarkt“, aber den hat die leica zumindest schon gut besetzt. ich bin auf jeden fall froh, nicht auf der höhe der zeit mich zu bewegen.

      ABER fast noch wichtiger ist der geruch vom leder um die MM, das auslöser-geräusch, das gelegentliche fluchen über den sucher, das….. ach… es ist einfach liebe!

  3. Hm, in letzter Zeit weiss man immer weniger, was man eigentlich von Leica bzw. den Sachen, die sie raushauen, halten soll. Ich hab so bisschen den Eindruck, dass das Marketing sich da gerade massiv und teilweise ohne Nachdenken/Hinterfragen austoben darf.

    Vor einiger Zeit wurde das manuelle und aufwändige Polieren der T-Bodies gehypt. Wenn man sich in dem Breich nen bisschen auskennt fragt man sich allerdings eher ob die Maschinen bei Leica so ausgeklappert sind, das da wirklich jeder Body manuell nachgearbeitet werden muss.

    Die Monochrom passt da irgendwie ins Bild. Technisch machbar, aber eigentlich unsinnig bis überflüssig. Den S/W-Modus dürfte es doch an jeder M geben. Was soll das also? Dafür das der Softwareentwickler da ein paar Grundeinstellungen anders festgelegt und und ein paar Menüpunkte ausgeblendet hat, soll ich nen dicken Brocken mehr Kohle auf den Tisch legen?

    Leica baut geile Linsen, keine Frage. Deshalb hoffe ich auch das sich für die Monochrom genug Sammler finden, die nicht unbedingt damit fotografieren wollen und sich das Ding in die Vitrine stellen. Es wäre schade wenn Leica den Bach runter ginge….

    Ansonsten bleibt alles wie immer: Der Fotograf macht das Bild. Wenn das Motiv Scheiße ist, dann nützt es auch nichts wenns mit der tollsten Leica gemacht wurde.

  4. Sicherlich ist es schön wenn man eine Leica sein eigen nennt aber es macht immer noch der Fotograf das Bild… Was bringt es wenn ich voll die teure Ausrüstung habe aber die Motive nicht sehe? Dann sieht auch ein Bild aus der Leica sch… aus. Oder wird das Bild dann gut wenn ich dem Betrachter sag das Bild ist aber mit einer Leica gemacht und der Betrachter dann sagt oh das ist aber gut geworden?

    Letztendlich versucht die Fotoindustrie mit immer neuen Kameras, Techniken etc. uns das Maul wässrig zu machen und das Gefühl „Haben will“ einzuimpfen 🙂

    In meiner Ausbildung damals hat es eine 20 Jahre alte Cambo mit Planfilmrückteil getan und zum ausleuchten wurden dann 30 Jahre alte Lichtwannen mit Tungsten oder Tageslicht für Industrieaufnahmen verwendet und die Bilder waren auch genial… von daher 😉

    Gut Licht.

  5. Huhu,

    Bin momentan Grad im Urlaub und würde gerne Anfang Juli noch auf neue Kommentare antworten. Also Jörg, falls du Artikelkommentare nach gewisser Zeit schließt, wäre es cool wenn du mit diesem noch ein wenig wartest.
    Hier im Norden Spaniens ist leider nicht viel drin mit Internet. Was aber auch mal ganz gut ist 😉

    Bis denne

    Olli

  6. Die ganze Diskussion führt darüber für mich persönlich nicht weiter, für mich hängt das Problem hauptsächlich bei den großformatigen Abzügen per Drucker, an den Tinten und dem entsprechenden „Foto-Papier“! Der PC-Monitor spielt da für mich eher eine untergeordnete Rolle!

  7. Moment, hier ist doch einiges im Argen

    Die Leica Monochrom ist nicht nur eine Leica ohne Farbe, sie hat nicht die gleiche Resultate wie eine Leica M im SW Modus. Der Sensor und die Struktur sind komplett anders, die Rohdaten verfügen über eine komplett andere Helligkeitswerte. Da die Rot Grün und Blaufilter weg gelassen werden,

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