„Der eigene Blick“ – ein Buch von Robert Mertens

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Ich glaube meinen eigenen Bildstil, meine fotografische Handschrift und auch meine Art der Bearbeitung für mich und meine Kunden gefunden zu haben. Ich gehöre aber auch zu den Menschen die fest daran glauben das ein Stillstand ein Rückschritt ist. Ich bilde mich sehr gerne weiter und erweitere meinen Horizont bei den Themen in denen ich einen Sinn sehe gerne unaufhörlich weiter.

Dazu gehört auch mein fotografischer Blick. Bücher lesen, Bilder anderer schauen in Galerien und Bildbänden und mit Menschen an deren Meinung mir viel liegt gehört zu meinem festen Bestandteil meiner fotografischen Weiterbildung. Das Buch „Der eigene Blick“ von Robert Mertens aus dem Rheinwerk Verlag (vormals Galileo Press) sprach mich damit sofort und direkt an und ich musste es haben und lesen. Über die ganzen Feiertage habe ich es von A nach B getragen und es war schon mit mir in Holland, in Berlin und in Hamburg bis es jetzt endlich zu Hause am Esszimmertisch nach den Feiertagen gelesen wurde. Ich nehme eins vorneweg: Es ist jeden Cent der 39,90 Euro wert!

„So entwickeln Sie Ihre persönliche fotografische Handschrift!“

heißt es auf den Buchcover und das ist mal eine ordentliche Ansage die meine Erwartungshaltung auf ds Buchinnere schon mal deutlich steigen lies. Weiter steht auf dem Buchcover:

„Machen Sie den nächsten Schritt in Ihrer fotografischen Entwicklung:
Robert Mertens gibt Ihnen die Impulse, die Sie zu Ihrer eigenen
fotografischen Bildsprache führen.“

OK, jetzt wollte ich es aber jetzt auch wissen. Ich erwartete grandiose Bilder die mich umhauen und mir meinen Blick neu definieren sollten.

„Die Motivation zu fotografieren ist um vieles intensiver, wenn wir uns mit Themen beschäftigen, für die wir wirklich brennen.“

Ein Satz der mir mächtig in Erinnerung geblieben ist und über den ich sehr lange noch nachgedacht habe, ebenso wie der folgende Satz:

„Wir sehen die Dinge nicht so, wie sie sind.
Wir sehen sie so, wie wir sind.“

Uffza, das ist mal ein Satz zum Grübeln, aber nach einer Weile denken bin ich tatsächlich zum selben Schluss gekommen.

Robert Mertens hat das Buch in 32 Kapitel und 31 Workshops aufgeteilt. Jedes Kapitel beschäftigt sich mit einem Schwerpunkt und hilft dem Leser das gelesene besser anzuwenden wenn er die Workshops „abarbeitet“.

Grandiose vollflächige Bilder wie in einem Bildband sucht man in diesem Werk vergebens. Irgendwo, ich glaube auf der Rückseite des Buches steht, das Robert Mertens mit diesem Werk einem in seinem fotografischen Werdegang Impulse geben möchte, so das man seine Bilder in der großen und immer größer werdenden Masse wieder heraus stechend findet. Und genau das schafft er mit diesen 344 Seiten im Format 21 x 24 cm sehr gut. Die Bilder haben teilweise sogar einen recht ungewöhnlichen und teils starken Künstlerischen Aspekt ud nicht überall habe ich einen Zugang zu diesen Werken, aber es sind starke Impulse die einem, also mir, den Mut geben mal aus seinem eigenen Pfad auszubrechen.

Auf der Website zum Buch habe ich das folgende über das Buch gelesen:

  1. Ihre eigene fotografische Handschrift

    »Wie entwickle ich eine eigene Bildsprache?« Dieses Buch hilft Ihnen dabei, die Antwort(en) auf diese Frage zu finden. Sie beginnen so eine fotografische Entwicklungsreise, auf der Sie neue und unverwechselbare Fotos entdecken und erschaffen.

  2. Fragen stellen, Antworten finden

    Was sind Ideen, und warum sind sie für die Fotografie wichtig? Was ist Ihre fotografische Motivation? Welches visuelle Vokabular können Sie für Ihre Bilder nutzen? Gibt es nur ein Bildkonzept? Wie wichtig sind Sehen und Wahrnehmen? Wie können Sie Bilder analysieren? u. v. m.

  3. Impulse für Ihren eigenen Weg

    Das Buch ist keine universelle Bauanleitung für die eigene Bildsprache, sondern ein Impulsgeber für Ihren persönlichen Weg. Es stellt Fragen und Gedanken in den Raum, auf die Sie Ihre Antworten finden müssen. Das ist anspruchsvoll, aber Ihr Lohn werden einzigartige und persönliche Bilder sein!

    Quelle: https://www.rheinwerk-verlag.de/der-eigene-blick_3898/

Dieses Statement des Herausgebers kann ich uneingeschränkt bestätigen. Ich zähle mich durchaus zu den alten Hasen die wissen wo der Weg lang geht und mit seinen eigenen Bildergebnissen recht zufrieden sind, aber genau diese Impulse für die Weiterentwicklung des persönlichen Weges ist dieses Buch hervorragend geeignet.

Gerade weil die Bilder von Robert Mertens nicht das sind was ich erwartete, sind die Impulse bzw. die Motivation anderes auszuprobieren vielleicht so hoch, nach dem Lesen dieses Buches.

Gerade das Kapitel „Das Drama der erste Idee“ hat es mir angetan und ich habe viel über das dort gelesene nachgedacht, denn oft fehlt es an der ersten Idee die einen wie einen roten Faden durch ein Projekt verfolgt. In meinem Hauptbusiness, der Hochzeitsfotografie ist der rote Faden und die „erste Idee“ ja mehr oder weniger vorgegeben und man begleitet in Form einer Reportage seinen Kunden auf sehr engem und teils intimen Weg, aber dennoch findet man in diesem Buch einige Impulse auch solche Reportagen neu zu überdenken. Das heißt nicht, dass das Rad auf jeder Seite neu erfunden wird, das schafft auch ein Robert Mertens oder ein Rheinwerk Verlag mit seinen hochwertigen Büchern nicht, aber es gibt Denkanstöße das bisher völlig normale und gewohnte etwas neu zu überdenken.

Das Zusammenspiel aus Beobachten, Fühlen und Fantasie beschreibt Robert Mertens als eine essentielle Komponente in seinem Kapitel „Werden sie zu einem guten Beobachter!“. Dieses Kapitel habe ich meiner Frau sogar (Achtung „Romanik-Alarm“ – wir lesen zusammen Bücher…) laut vorgelesen und wir haben vieles aus unserem Alltag der Fotografie wiedergefunden aber auch öfter einen „Aha, so haben wir das auch noch nicht gesehen…“-Effekt erlebt beim gemeinsamen Lesen.

Auch wenn meine Bildsprache eine ganz andere ist als die des Buchautors hat mir das Lesen des Buches zum einen sehr viel Freude gemacht und mir viele Gedanken zum Nachsinnen bereichert aber auch viele Aha-Effekte beschert. Dieses Buch werde ich, nachdem es nun meine Frau liest, sicher noch öfter mal aus dem Schrank nehmen und in ruhigen Minuten bei einem leckeren Kaffee mich weiter „Impulsieren“ lassen. Danke Robert Mertens!

Schöne Grüße – Euer Fotofuzzy – Jörg Langer

3 Kommentare

  1. Hi Jörg,
    werden wir alt oder ruhiger …. oder schrullig?
    Lesen mit Papier … Rezensionen schreiben (ich hab auch grad im Forum z.B. über alte Fotos aus den Alpen) – ist ja sooooo old School
    Mich zu Fotografenbüchern zu äußern scheint … nun ja … ich bin definitiv keiner – steh ich zu.
    Ich gebe gern ins Protokoll, dass mein wahres Interesse Wortbilder sind – mit n bissi Pixels dabei zum anbunten.
    Methoden und Techniken sind aber deckungsgleich, mit den hier von Dir angesprochenen.
    Es sind meiner Erkenntnis nach universelle Ideen zum „Geschichten“ erzählen, gleich, ob Bildgeschichte, oder Wort … oder Musik.
    Versuch es … „Ich erzähle nicht Geschichten, wie sie sind, sondern wir ich bin“ = passt
    „Drama der ersten Idee“ … kenn ich nur zu gut …
    „Werden sie zum guten Beobachter“ … wie sollte ich meinen Jungs Lügengeschichten erfinden, wenn ich mich nicht umblickte und entdecken würde …
    Ich behaupte, eine Transformation der Erkenntnisse in eine andere Bildende Kunst sollte kein Hexenwerk sein – und dann ist es wirklich ein gutes Buch, weil vereinend und nicht trennend – gratuliere unbekannterseits.

    Spannend darüber nach zu denken … Danke auch für diesen Impuls – liebe Grüße Mad

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