Blogparade „Arbeitsplatz der Zukunft“ – mein Senf dazu!

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Ein spannendes Thema – das auch sehr gerne diskutiert wird. Der Arbeitsplatz der Zukunft? Wie sieht er aus? Sind wir schon in der Zukunft? Sind wir noch „von gestern“? Sind Home Offices arbeitstauglich? „Wird man da nicht abgelenkt?“ Ist der klassische Nine to Five Job noch existent? Macht es sinn mit Millionen anderer Menschen zur genau der selben überfüllten Zeit auf der Straße im Stau zu stehen? … und so weiter …

Der CeBIT Blog hat sich dieses Themas auch angenommen und daraus eine Blogparade gemacht, an der ich auch gerne teilnehmen möchte, da ich seit Jahren ein „Mobile Worker“ bin und das auch zu schätzen weiß.

Im Netz und außerhalb des Netzes – Nur dabei oder Mittendrinne?

Da ich seit nunmehr über 25 Jahren für einen Großkonzern arbeite, in der IT Branche, der zwar in diesen vielen Jahren öfter mal das Firmenlogo gewechselt hat, aber ich irgendwie immer noch für den selben „Laden“ arbeite und quasi die IT inhaliere, sowohl bei Kunden, als auch bei Agenturen, auf Messen und natürlich auch in den verschiedenen Standorten die mein Arbeitgeber für seine Mitarbeiter bereithält. Mobiles Arbeiten ist in unserem Unternehmen schon heute an der Tagesordnung und dieses ist sogar über eine sogenannte Gesamtbetriebsvereinbarung zwischen den Betriebsräten und dem Arbeitgeber für die Mitarbeiter sauber geregelt. Somit ist es dem Mitarbeiter gestattet „mobil“ zu arbeiten wenn er ein paar Grundvorraussetzungen erfüllt, diese eben dann sind:

  • sein Arbeitsumfeld benötigt nicht zwingend die Anwesenheit in einer festen Arbeitsplatzumgebung am Standort
  • sein Vorgesetzter ist damit einverstanden
  • er kann zum Arbeiten eine Infrastruktur nutzen die technisch brauchbar ist (langsame Leitungen sind eben für eine Videokonferenz mit Desktopsharing via MS Lync nicht wirklich geeignet)
  • er kann ein Umfeld bereitstellen das Ihm ein ablenkungsfreies Arbeiten ermöglicht
  • er hat einen Remote Zugang mit entsprechender Hardware (Token und PIN Nummer)

Ich selbst habe mein Home Office in meinem Keller eingerichtet und habe dort einen etwa 26 qm großen Raum mit einem recht großen Schreibtisch in einer L-Kombination dort verbaut so das ich dort mehrere IT Systeme neben einander laufen lassen kann. Das ist für mich als Online in unserem Unternehmen und Verantwortlicher für die Social Media Aktivitäten meines Arbeitgebers in D-A-CH sehr wertvoll, denn viele von uns wissen das es sehr vorteilhaft sein kann das eine oder andere Verhalten einer Website oder einer Online Anwendung sowohl innerhalb des Fimennetzes (in meinem Falle via VPN) und ebenso auch außerhalb des Firmennetzes kontrollieren und koordineren zu können.

Da mir mein Arbeitgeber ein Notebook zur Verfügung stellt nutze ich dieses für die Outlook und Lync Kombination, während aufwendigere Sachen auf meiner Multi Monitor Workstation gemacht werden, die wesentlich flotter ist als ein Notebook und auch auf dieser Maschine kann ich via Citrix Client auf meine Firmenanwendungen wie Siebel eCRM, SAP und vieles andere zugreifen.

Als Leitung nutze ich eine Kabelanbindung via Unitymedia mit 100 MBit. Das ist ausreichend flott für eine ausgiebige Videokonferenz und Desktop-Sharing, was wir tagtäglich sehr intensiv nutzen. Da meine Mitarbeiter und auch Kollegen über das ganze Land(Länder…) verteilt sind ist eine Anwesenheit am Standort somit nicht wirklich zwingend nötig.

Dennoch bin ich auch sehr gerne im Office, denn der soziale Kontakt zu den Kollegen und auch der nicht zu unterschätzende „Kaffeeküchen-Informationsfluss“ hilft einem „dabei“ zu bleiben. Das meine ich Ernst, ohne eine regelm. Anbindung an die Kollegen ist es für mich persönlich nicht effektiv. So ist die Fahrt ins Büro für mich nach wie vor gegeben, aber eben nicht unbedingt in der High-Stau-Phase, sondern antizyklisch. Ich fange gerne schon morgens gegen 07 Uhr am Schreibtisch an und fahre dann eben zu anderen Zeiten ins Office. Da ich einige Agenturen betreue, die uns im täglichen Alltag viel unterstützen, arbeite ich auch ab und an aus deren Büros. WiFi und LTE in den Notebook sei Dank ist auch das kein Problem mehr.

Ablenkung – wo jetzt?

Von vielen hört man immer wieder das Sie im HomeOffice abgelenkt seien und deswegen lieber an einem Arbeitsplatz im Büro tätig sind. Ich selbst kann das nicht nachvollziehen, da ich in meinem Home Office eine Tür habe die ich schließen kann und damit ungestörter denn je arbeiten kann. Meine Töchter und auch meine Frau kennen seit Jahren den Code:

  • Tür zu = Er ist nicht da. Nicht anklopfen, nicht reinkommen, es ist genau so als säße er in Frankfurt an seinem Schreibtisch.
  • Tür Offen = wir können Ihn ansprechen und mit frischem Kaffee versorgen.

Mein Umfeld kennt das seit Jahren nicht anders und kommt damit gut zurecht. Selbst Hund und Katze haben sich daran gewöhnt das hinter der verschlossenen Tür jemand spricht… 🙂

Disziplin und Konsequenz

Ich glaube das diese beiden Begriffe das A und O eines „modernen Arbeitsplatzes“ oder eines Home Office sind. Wenn man sich nicht diszipliniert sich an etwas wir Arbeitsumfeld, Arbeitszeiten, Verantwortung und Selbstschutz zu halten, dann kann Home Office gefährlich werden und zwar für den Arbeitnehmer und ebenso für den Arbeitgeber. Die Gefahr jeden Tag von 07:00 bis 23 Uhr am Schreibtisch zu sitzen ohne Pause, ohne frische Luft und ohne Soziale Anbindung an Familie und Freunde ist sehr hoch, erst Recht wenn einem der Job, wie in meinem Falle, viel Spaß macht. Hier ist Disziplin wirklich nötig. So versuche ich jeden Tag eine Mittagspause zu machen und mit den Hunden einen Runde an der frischen Luft zu drehen oder mit der Frau oder einem Freund schnell mal was in der Pizzeria oder dem Asia Imbiss um die Ecke zu futtern um eben vom Schreibtisch weg zu kommen. Ebenso versuche ich spätestens 19 Uhr aus meinem Home Office raus zu grabbeln und mich meiner Familie, meinen Fotothemen und Freunden zu widmen. Diese Konsequenz sollte man sich meines Erachtens aber zwingend aneignen wenn man nicht „durchbrennen“ will, gerade wenn es einem Spaß macht und man ein „Verantwortungsvoller“ ist. Genau so diszipliniert sollte man aber auch dem Arbeitgeber gegenüber sein. 15 Uhr Rasenmähen oder 10:30 Baumarkt ist nicht, auch ein HomeOffice Arbeiter unterliegt in meinem Augen seinen Arbeitszeiten und seinem Arbeitsvertrag. Natürlich spricht da meiner persönlichen Meinung nichts dageben mal eben schnell zum Bäcker zu gehen oder seine Kinder in Schule, Job oder sonst wo hin zu bringen, aber danach eben direkt wieder back2Business. Kollegen die im Office arbeiten gehen auch mal eine Rauchen oder mittags in die Kantine oder schwätzen mal 20 mit einem Kollegen. Ich glaube das Disziplin, Konsequenz und eine ausgewogene Ausgeglichenheit der Schlüssel zum erfolgreichen „Home Worker“ und „Mobile Worker“ sind.

Abgrenzung?

Ja das Thema Abgrenzung, das wird mit verschwimmenden Grenzen zwischen Privat und Geschäftsleben immer schwerer zu realisieren. Als Social Media Manager kann ich nicht einfach 17 Uhr „Offline“ sein und das jeden Tag.  Da gehört das Auge auf die Medien im Prinzip 24×7 dazu. Da muss jeder für sich seinen Weg finden der für ihn, ohne die Konsequenz und persönliche Disziplin zu verletzen, noch akzeptabel ist. Für mich hat es sich bewährt einen Tag in der Woche komplett Offline zu verbringen. Ja dieses „Offline“ das gibt es wirklich und auch wenn es für viele unglaublich klingt, einen Tag in der Woche ohne Mails, Internet, Facebook und Co tun sogar richtig gut, auch wenn es die ersten Tage fast wie ein kalter Entzug ist. Probiert es mal aus, es ist wunderbar und tut nicht weh, auch wenn viele das glauben! Traut Euch – reist einmal in der Woche in dieses „Offline“ – eine tolle Reisegegend!
(Übrigens Mails ausdrucken und auf Papier am Offline-Tag lesen gilt nicht – das ist gemogelt!)

Was ich damit sagen will, ist aber im Prinzip, das es sehr wichtig ist sich selbst, sein Privatleben und seinen Job nach wie vor voneinander abzugrenzen. Das betrifft sowohl Zeitlichen als auch Ressourceneinsatz. Ein privater Rechner ist ein privater Rechner, ein Firmenrechner ist Firmeneigentum und darauf haben keine Urlaubsbilder was zu suchen und auch die private Musiksammlung und private lizensierte Software haben auf einem Firmenrechner nichts zu suchen. Nur durch eine solche Abgrenzung ist es meines Erachtens auch möglich mal abzuschalten und seine eigenen Akkus mal aufzuladen. Eine 24×7 Erreichbarkeit für den Arbeitgeber ist weder gefordert, noch wichtig und schon gar nicht bezahlt. Effektivität und Effizienz hat nichts mit Anwesenheit oder Dauer-Erreichbarkeit zu tun. Meine persönliche Meinung, die ich auch konsequent umsetze.

Technische Vielfalt

Ja ein Gadget-, Foto und IT-Freak wie ich genießt die modernen technischen Möglichkeiten natürlich extrem. Egal ob ich mit meinem Windows 8 Tablet, meinem persönlichen Macbook, meiner persönlichen Multimonitor Workstation oder meinem schicken 12″ Firmennotebook arbeite, ich komme überall auf die für den jeweiligen wichtigen Datenbestand und kann so arbeiten wie es die jeweilige Aufgabe bedarf. Auch auf den Smarthones kann ich auf meine privaten Termine und Kontakte auf meine Fotokontakte und Fotojobtermine und ebenso auf meine Termine für den Marketingjob. Wenn ich meineFirmennotebook aufklappe ist es völlig egal ob ich in Paderborn bei den Kollegen, oder in Hannover bei meinem Mitarbeiter oder in Frankfurt an meinem Standort sitze, ich bin immer direkt online und kann arbeiten, drucken telefonieren und meeten, egal wo – das Umfeld ist immer gleich. Headset auf, Kamera an und schon kann es losgehen. Ja auch ich habe schon in Shorts und weißem Hemd mit Krawatte am Home Office Schreibtisch gesessen. 🙂 Im Browser kann ich definieren wo meine Telefon-Nummer die auf einer Visitenkarte steht klingeln soll, denn ein festes Telefon mit dieser Nummer steht nirgends. „Managed Mobile“ – ein toller Begriff, der zumindest in meinem Job-Umfeld nicht mehr wegzudenken ist.

Flexibel. Schnell. Effektiv. Modern.

Ich liebe diese Vielfalt. Und das schönste an all dieser Vielfalt ist, egal welcher Formfaktor, egal welches Betriebssystem, alle diese Devices haben eine AUS-Knopf.

Fazit

Heute ist schon morgen für mich. Der Arbeitsplatz der Zukunft ist für mich schon Gegenwart. Auch gestern war schon morgen für mich. Präsenz ist m.E nicht mehr zwingend eine körperliche Präsenz, sondern vielmehr eine „Überall-Präsenz“ zur richtigen Zeit und in der richtigen Form, für den Mitarbeiter und für den Arbeitgeber. Die Apps, die Anwendungen, die IT und die Netze geben es her.

Ich schätze die Flexibilität meines Arbeitens auf das „Wo“, „Wann“ und „Wie“ sehr! Ich danke meinem Arbeitgeber für die Möglichkeit einen „modernen Arbeitsplatz“ der Zukunft nutzen zu können und somit für das Unternehmen und für mich selbst das beste aus mir und meinen Ressourcen raus zu holen. Eine Win-Win-Situation für beide Seiten!

Ich denke gerne an einen Satz eines Norwegers vor vielen Jahren zurück der damals zu mir und meinen Eltern sagte:

„Ihr Deutschen lebt um zu arbeiten,
wir Norweger arbeiten um zu Leben!“

So schön der „Arbeitsplatz“ der Zukunft auch ist, so wichtig ist dennoch das reale Leben da draussen und die Familie und die Freunde…

In diesem Sinne – frohes „Mobile-Worken“ in der Zukunft und auch schon heute!

Euer Fotofuzzy und IT-Freak – Jörg Langer

p.s.: Ich bin bewusst nicht auf den Öko-Footprint eingegangen den wir alle hinterlassen mit der ständigen Office Präsenz der 80er Jahre… oder auf die kalkulatorische Un-Effektivität von 2h Stau jedenTag…

3 Kommentare

  1. Sehr schöner und lesenswerter Text, Jörg.
    Ich als Lehrer mache schon mein ganzes Berufsleben „Home office“ in über der Hälfte meiner Arbeitszeit.
    Allerdings habe ich noch nie irgendwelche Arbeitsmittel von meinem Arbeitgeber bekommen. Notebook? Ha! Nicht einmal die Schulbücher, die wir brauchen, kriegen wir gestellt.
    Von daher, sei dankbar, mein Freund!

    Für mich ist die Selbstdisziplin, die Du erwähnst, extrem wichtig, da mein Job nie wirklich „fertig“ ist. Es gibt immer noch etwas, das man noch tun könnte. Da ist es sehr wichtig, irgendwann den Stift hinzulegen und vom Schreibtisch aufzustehen. 50-60 Stunden pro Woche sind genug, oder?

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