Ausflug oder Locationcheck? – Die lustige Vergewaltigung…

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… unserer schönen deutschen Sprache!

Ich war heute Abend nach dem Familien-Kino-Besuch mit einer meiner beiden Töchter, und Freundinnen, in Frankfurt einen Ausflug machen um eine Stelle auszukundschaften die mich schon lange interessiert hat. Und da kam mir das Thema „Vergewaltigung der deutschen Sprache“ wieder in den Kopf.

Ich musste wieder über mich selbst in der Vergangenheit schmunzeln und ebenso lachen über sehr viele „Freunde“ und „Bekannte“ die in Ihrem Sprachgebrauch ganz oft die deutsche Sprache absichtlich mit anglizismen und toll klingenden Begriffen versuchen aufzuhübschen.

Da heißen Orte jetzt „Locations“, Ausflüge auf einmal „Locationchecks“, da heißen Fototermine „Shootings“ und noch hochtrabender besser auf einmal „Shooting-Events“, Kurse sind „Workshops“, Fototermine mit Liebespaaren heißen „Engangement-Shootings“ und Fototermine in Hotels auf einmal „Boudoir-Shootings“. Ein zweiter Fotograf bei den Terminen ist dann der „Second-Shooter on Location“ oder der ganz einfache Aufheller ist der „Bouncer“. Das sind nur wenige der lustigen Begriffe die man tagtäglich in allen Blogs und Socials findet, auch in den Archiven meiner eigenen Beiträge.

Warum habe ich das früher getan und warum machen das heute immer Fotobegeisterte Menschen mehr in den Socials? Ist es der Gruppenzwang? Oder ist es der klägliche Versuch mit hochtrabenden Begrifflichkeiten besser und internationaler zu klingen wie die immer größer werdende Schaar an Hobbyfotografen, die noch dazu auch zum Teil echt gute und moderne Bilder abliefern. Oder ist es gar der Versuch „normale und langweilige“ Fotos aufzuwerten durch den Gebrauch international klingender Begrifflichkeiten? Will man dem vermeintlichen „Kunden“ eine Internationalität vorheucheln oder der Konkurrenz etwas mitteilen?

Nun, was denkt Ihr? Fühlt Ihr euch mit dem Thema angesprochen oder gar ertappt, so wie ich mich selbst ertappt habe damit?

Bin gespannt ob und wenn ja welche Kommentare es zu diesem Thema gibt.

Betonen möchte ich an dieser Stelle, das ich keinem meiner Bekannten und Online-Netz-Kontakten damit auf die Füße treten will und mir der obige Gedanke an mir selbst am meisten auffiel und mittlerweile missfällt. Ich versuche deswegen – nach dem Motto Schuster bleib bei Deinen Leisten – diese Sprachvergewaltigung nicht aufrecht zu erhalten. Das wiederum tue ich mit meinen Grammatik und Schreibfehlern schon hinreichend genug :-).

In diesem Sinne – schöne Grüße – Euer Fotofuzzy – Jörg Langer

6 Kommentare

  1. 1. Ich kaufe ein a: „Nun, was denkt Ihr? Fühlt Ihr euch mit dem Them angesprochen…“ 🙂

    2. Du hast durchaus recht. Wobei Ausflug und Locationcheck für mich dann doch noch unterschiedliche Dinge sind ;-). Aber ich komme aus der IT und von daher ist mir ein gewisser Mix aus deutscher Sprache mit englischen Begriffen nicht unbekannt und an sich normal. Vielleicht zu normal, will ich nicht ausschliessen. Aber welcher Minister hatte noch die glorreiche Idee aus einem Laptop einen Klapprechner zu machen?

    In der Fotografie verhält es sich meiner Meinung nach ähnlich. Früher, zu Prä-Internetzeiten hat man sich im örtlichen Fotoklub getroffen und sich dort ausgetauscht. Man holte sich auch die Infos eher aus dem deutschsprachigen Raum. In Zeiten des Internets kann ich mich aber eben auch von der anderen Seite des Erdballs mal schnell informieren lassen, da wird dann aber eben englisch gesprochen. Daher denke ich ist der Einfluss eben vorhanden.

    Und ja, es gibt bestimmt Leute, die die englischen Begriffe benutzen um „cool“ zu sein. Aber für viele ist es normaler Sprachgebrauch geworden, da nehme ich mich nicht aus. Allerdings versuche ich im Kundenkontakt darauf zu verzichten und deutsche Begriffe zu verwenden. Klingt vielleicht auch doof wenn ich sage „ich shoote dann Ihre Mitarbeiter“ :-D.

    1. Danke für Deine Einschätzung und den Kommentar!

      Das fehlende A kann ich Dir nicht verkaufen, da war ein anderer „Facebookianer“ (soviel zum Thema Sprachvergewaltigung…) schneller :-).

  2. Es gibt Bereiche, da machen Anglizismen Sinn. Wie oben schon erwähnt, wäre es etwas mühselig statt von einem Laptop von einem „tragbaren Rechner“ reden zu müssen.
    Doch in den meisten Fällen ist es aufgesetzt und in der Tat hochtrabend, vor allem dann, wenn es nicht aufgrund der Zeitersparnis geschieht, sondern weil es „besser“, „moderner“, „weltgewandter“ klingt oder was auch immer…
    Das gilt aber nicht nur in der Fotografie, sonder vor allem im Geschäftsleben (=“Business“)! Was dort für eine hohle sprachliche Luft generiert wird! Da kommt inzwischen kein „Bullshit-Bingo“ mehr mit!

  3. Nun, solange die Deutsche Bahn ihren Mitarbeitern ‚Mobility Networks Logistics‘ auf die Kleidung druckt, haben wir immerhin etwas zu lachen, da die Mehrheit der so Bedruckten dies nicht korrekt aussprechen und kaum ein Kunde es je verstehen wird. Insofern steckt in den Anglizismen zumindest etwas von gewollt komischer Weltläufigkeit und von der Sehnsucht, dazuzugehören zur internationalen Riege mit unserer komischen Sprache.
    Ich mag Isländer, die erfinden dann eben mal ein neues Wort und würden vor einem Klapprechner nicht zurückscheuen. Oder doch. Sie waren kreativer, denn bei ihnen wurde das Wort Zahlenwahrsagerin erfunden: ‚tölva‘. Und Emails sind dann Post von der Zahlenwahrsagerin, ‚tölvupost‘. Das hat doch was. Denn die wahre Ursache der vermeintlich anbiedernden und weltgewandten Nutzung von Wörtern der englischen Sprache ist bei uns eher eine Mischung aus fehlendem Selbstbewusstsein und mangelnder Kreativität, sowie aus einer geringen Wertschätzung der Schönheit unserer Muttersprache. Und es wirkt modern, es gab auch Zeiten, da war Französisch schick (oder chique?) und hinterließ inzwischen eingedeutschte Spuren. Sprache lebt also auch von Veränderung. Mir fällt aber wie dir auch der gedankenlose, inflationäre Gebrauch von Anglizismen auf, vor allem seit ich den größten Teil des Arbeitstages Englisch kommuniziere und es unweigerlich zu der Globalisierung geschuldeten Vermischungen kommt. Insofern, ja, lass uns mal mutig sein. Muss nicht gleich Klapprechner sein. Ich leg den mal meinen Streichelbildschirm weg… und grüble, wie man ‚HTML-Tags‘ übersetzen sollte, die dein Websiteformular mir unter dem Eingabefenster vorschlägt. Besser nicht. Fachchinesisch bleibt besser so.

  4. Bei manchen Gelegenheiten finde ich die Anglizismen gar nicht so schlimm. „Location“ verbinde ich schon automatisch mit einer Gegend, in der man gut fotografieren oder filmen kann.
    Manche Worte, die sich anhören, wie Anglizismen, sind gar keine echten. Frag‘ mal im Ausland nach einem „Handy“, das versteht kaum jemand, dort nennt man es „mobile“. Also: auch wir erfinden neue Wörter, wobei ich das für das Mobiltelefon sogar richtig gut finde. Und „Workshop“ anstelle von „Arbeitsgeschäft“ hört sich ja auch viel schöner an… 😉

    In diesem Sinne: „Sänk ju for träwwelling wis Deutsche Bahn!“

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