Adobe Lightroom Mobile – das wird nix mit uns beiden!

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Also liebe Adobe – mit uns beiden das geht ja schon sehr sehr lange und man könnte behaupten wir hätten eine sehr vertraute und innige und sogar langjährige Beziehung und haben echt schon viel erlebt zusammen. Seit unserer Verehelichung damals zu Photoshop CS2 sind wir ein tolles Paar und haben uns schon oft den einen oder anderen Ausrutscher mit der Maus verziehen. Aber dieses nicht gewollte und irgendwie nie richtig verstandene Kind Adobe Lightroom Mobile und ich – das wird einfach nix! Ich erkläre das jetzt seit 4 Wochen laufende Experiment einer gütlichen Zusammenführung hiermit offiziell für gescheitert.

Adobe selbst sagt zu Lightroom Mobile:

Erste Schritte mit Lightroom auf dem mobilen Endgerät
Bearbeiten und organisieren Sie Ihre Fotos bequem auf dem iPad, iPhone oder Android-Gerät. Ihre Korrekturen lassen sich ohne Umweg mit Lightroom auf dem Desktop synchronisieren.

Quelle: https://helpx.adobe.com/de/lightroom/how-to/lightroom-mobile.html

Da ich seit ein paar Monaten wieder vermehrt unterwegs bin und auch wieder, im Vergleich zu den Vorjahren, gerne meine Kameras dabei habe, kommt der Wunsch nach einer Mobile Lösung für das Tablet und Smartphone mit einer Anbindung an das „heimische“ große und echte Lightroom immer mehr in mir hoch. Die Smartphones und Tablets sind auch von der Rechenleistung auf einem Niveau angekommen wo man gut mal ein RAW mit den Reglern schubsen kann unterwegs und das eben dann zu Hause nicht erneut tun muss, wenn die ganze Speicherkarte den Weg in den heimischen Rechner und die Workstation nimmt. Genau dafür sollte ja – so mein bisheriges Verständnis – auch Lightroom Mobile entwickelt worden sein. Soviel erstmal zur Einleitung meines heutigen Postings.

Ich habe nun in Summe gute vier Wochen immer wieder mal mit Lightroom Mobile und auch verschiedenen Kameras herumgespielt um einen Workflow zu finden der für mich Sinn macht. Eine schöne Abendbeschäftigung in den Hotes. Um das Ergebnis meiner Tests vorweg zu nehmen: Die Lösung meines Workflows sieht vor, das Notebook mit dem „echten“ Lightroom immer dabei zu haben wenn es um mehr Bilder geht…. aber nun erst mal zu dem was ich getestet habe.

Was habe ich gestestet?

  • Tests bzw. von mir selbst deklarierte „Ziele“:
    • Bilder von den Kameras per WiFi Funktion und Kameraspezifischer App auf das iPad übertragen.
    • Bilder per iPad Connection Kit (SD Card Reader am Lightning Port) auf das iPad übertragen.
    • Bilder in LR Mobile importieren.
    • LR Mobile mit dem Lightroom am Rechner syncen über die Adobe Cloud so das die Bilder und die Einstellungen dazu auf der Workstation sind wenn ich den „großen Lightroom-Rechner“ nutze.
  • Verwendete Hardware:
    • Kameras:
      • Leica Q (Typ 116)
      • Leica D-LUX (Typ 109)
      • Sony RX10
      • Sony A6000
      • Sony A7R II
    • Tablet:
      • Apple iPad Air 2 128GB

Nun zu den Tests und dem was mir dabei aufgefallen ist.

  • Leica Q:
    • Die von mir wirklich heiß und innig geliebte Leica Q kann (dämlicherweise) nur RAW+JPGs. Die Kamera kann von Haus aus keine „nur RAWs“ aufzeichnen. Aber nur die brauche ich eigentlich.
      Übertrage ich die Bilder per WiFi von der Leica Q auf das iPad mit der Leica-Q-App, so werden nur die JPGs übertragen auf das Tablet. Beim Import mit dem Connection Kit, dem kleinen SD-Card-Reader am Lightning Port, erkennt das Apple Tablet nur die JPGs und lässt die DNG/RAWs unangetastet auf der SD-Card verweilen. Die importierten JPGs sind nach dem Import in voller Größe in LRMobile angekommen mit 6.000 x 4.000 Pixel, also den ganzen 24 Megapixeln der Kamera. Wenn ich auf dem großen Rechner die SD-Card in den Reader stecke und darauf die JPGs lösche und nur die RAWs auf der SD-Card liegen lasse, so kann ich diese in LR Mobile importieren auf dem Tablet. Das hilft mir aber nicht, da ich keine Funktionalität auf dem iPad unter iOS gefunden habe mit dem ich wie mit einem Finder/Explorer auf die SD-Card zugreifen könnte um die überflüssigen JPGs zu löschen.
  • Sony RX10:
    • Bei der Sony Bridge Kamera Sony RX 10 wird das RAW im ARW Format erkannt und kann mit dem Apple Connection Kit auf das Tablet übertragen werden. LRMobile zeigt aber leider JPGs an mit einer Auflösung von 1.616 x 1.080 Pixel. Hier scheint Lightroom Mobile nur das embedded JPG zu verwenden aus den RAWs.
  • Sony A6000:
    • Identisch wie Sony RX10.
  • Sony A7RII:
    • Identisch wie Sony RX10 und Sony A6000.
  • Leica D-LUX (Typ 109)
    • Die Kamera, die der Panaonic LX100 extrem ähnlich ist, kann RAW und JPG und auch nur RAW aufzeichnen. Der erste Gedanke war „Yeah!“. Bei RAW und JPG funktioniert alles wie es soll (von Apple aus gesehen wie es soll…), denn es werden nur die JPGs importiert. Bei RAW only – und nur das will und brauche ich – werden die RAWs zwar über das Connection Kit übertragen, aber von LR Mobile nicht erkannt im Folder „letzter Import“. Im Folder „Mein Fotostream“ finde ich die Bilder (nach einigen Minuten) und kann diese in LR Mobile importieren. Diese sind dann aber nur als JPGs mit der Auflösung 1.920 x 1.280 px im LR Mobile zur Verfügung. Per App Leica Shuttle kann die ich die „nur RAW“ Bilder gar nicht übertragen. Die App überträgt nur die JPGs, wenn ich JPG und RAW gleichzeitig aufzeichne mit der Kamera bei der Aufnahme.

Generelles
Ich erkenne die Sony RAWs in „Aufnahmen“ beim Import in LRMobile nicht im Folder Aufnahmen, da wo LRMobile immer nach neuen Aufnahmen sucht. Die importierten Aufnahmen sehe ich erst nah einigen Minuten im Foto-Ordner „mein Fotostream“. Warum das so ist, ist mir unerklärlich…
Wenn ich die Dateien dann zum Beipspiel mit der Dropbox App auf die Cloud übertrage, dann sehe ich die großen und hochauflösenden RAW Files aus den Kameras (.ARW bei den Sonys z.B.). Bei der Leica D-LUX 109 ebenso. Nur LR Mobile kann damit nicht wirklich umgehen und nutzt nur die in den RAWs eingebetten kleineren JPGs die auch die Kamera selbst nutzt um die Bilder direkt nach der Aufnahme auf dem Kameradisplay anzuzeigen. Diese sind aber eben nur 1.6xx oder 1.9xx Pixel breit und bieten nicht die volle Auflösung.

Mein Fazit
Lightroom Mobile ist ein tolles System und im Ansatz auch super durchdacht. Wenn die Files sauber und in voller Größe importiert würden in LR Mobile und damit auch in dieser großen und brauchbaren Größe gesynct werden würden, so wäre das System genial und brauchbar. In dieser Version, so wie ich es oben beschrieben habe ist es für mich als „RAW-Fotograf“ leider nicht wirklich brauchbar. Vielleicht ist das bei Canon oder Nikon RAWs anders, aber das habe ich nicht getestet, da diese Kameras zwar vorhanden sind, ich aber bei diesen Kameras unterwegs keine Bilder mobile am Tablet „brauche“. Das ist in meinem „Fuhrpark“ und meinen persönlichen Vorlieben nur bei den oben verwendeten Kameras der Fall.

Stelle ich meine Kameras komplett auf „JPG-Only“ im Dateiformat um, so funktioniert LR Mobile und das gesamte System sehr gut. Da würde ich sogar über eine glaubhafte Adoption des unerwünschten Kindes Adobe Lightroom Mobile ernsthaft nachdenken, aber so … im Moment – wird nix aus uns beiden!

Aber keine Bange liebe Adobes, Mama Lightroom, Onkel Photoshop und Tante InDesign sowie Opa Bridge bleibe ich weiterhin familiär verbunden und treu. Versprochen!

Schöne Grüße – Euer Fotofuzzy – Jörg Langer

8 Kommentare

  1. Schonmal über eins der neuen schicken Windows Tablets nachgedacht? Bei Windows10 gibt es zwischen PC, Laptop, Tablet keinen Betriebssystem-Bruch und man kann LR in voller Blüte laufen lassen, mit der kompletten Kameraunterstützung und allen Features 🙂

  2. Moin Jörg

    Windows 10 ist kein und wird wahrscheinlich auch niemals ein 100% Touch gesteuertes Betriebssystem werden. Es ist in der derzeitigen Version immer noch ein Desktop Betriebssystem, eben mit Touch Erweiterung. Mit iOS kann man es einfach nicht vergleichen, iOS ist ein von Grund auf ausschließlich für Touch Bedienung entwickeltes Betriebssystem, bei Windows ist – wie schon geschrieben – die Touch Funktionalität nur eine Erweiterung. Windows 10 ist (für mich!) das beste Desktop Betriebssystem, das ich je hatte. Mit einem MAC Betriebssystem hatte ich in diesem Leben noch nicht das Vergnügen und wenn ich mir die Apple’sche Hardware Update Strategie so anschaue, wird das wohl erstmal auch so bleiben. Obwohl ich mich in den letzten Jahren wirklich angestrengt habe, einen MAC zu kaufen.

    Warum sag ich das? Ich habe inzwischen beide PRO iPads hier und seit Ende letzten Jahres auch ein Surface Pro 4 in der höchsten Ausbaustufe. Habe brav zu allen Geräten die (leider teils amerikanischen) Tastaturen und Stifte gekauft. Die Kombination aus Stift- und Fingerbedienung bei den iPads ist für mich die hohe Schule der Tablett Bedienung. Ich empfinde die Kombination aus Stift und Finger sehr elegant und flüssig, so soll es (again: für mich) sein.

    Und so sehr ich das Surface und auch WIN10 liebe, an die Eleganz der (Touch-) Bedienphilosophie der Pro iPads kommt WIN10 nicht heran. Natürlich gibt es auch beim iOS Verbesserungsbedarf. Zum Beispiel erinnert mich die Größe und der Abstand der Icons auf dem 12“ Bildschirm schon irgendwie an Zeiten von Windows 3.1 mit dem zugehörigen Hardware Standard (SVGA Auflösung). Ich denke da wird Apple in einer der kommenden iOS Versionen nachbessern müssen.

    Win10 dagegen sieht auf hochaufgelösten Surface Bildschirm durchaus elegant aus. Aber die Bedienung mit Stift und Finger ist einfach nicht auf demselben Niveau wie beim iOS. Und obwohl der Microsoft Stift massiv komplexere Funktionalität besitzt gegenüber dem Apple Stift (magnetisches Snap-On der Maus etc., und man kann SOGAR die Batterien wechseln, LOL), ist der Umgang mit ihm für mich nicht so flüssig wie der der iPads. Ich drücke die Daumen, dass ich auch mein nächstes iPhone mit diesen Stiften bedienen kann, und nicht jedes Mal wenn ich vom iPad auf das iPhone muss, den Stift erst benutze und dann doch den Finder „zücke“, weil ja die 6er Generation der iPhones mit dem Stift nix anfangen kann.

    Soviel zum Vorwort 🙂 Schreiben wollte ich eigentlich wegen ganz etwas Anderem, nämlich wegen Deines LRM Workflows. Ich bin seit Stunde 1 hardcore LRM Anwender, aber ich würde niemals auf die Idee kommen, LRM so zu benutzen, wie Du es beschrieben hast. Schon bei der Frikelei mit den Adaptern würden mir wohl alle Körperhaare zu Berge stehen.

    Ich importiere frische Bilder IMMER zuerst in meinen Arbeitskatalog, egal ob daheim, im Büro oder im Hotel. Damit ist alles Verschlagwortet, Objektiv Profile sind zugewiesen und auch sonst ist alles getan, was ich mit ALLEN Dateien vor dem Bearbeiten mache. Während des Importierens werden die neuen Dateien gleich in die entsprechende(n) Sammlung(en) eingeordnet, die sich dann automatisch mit der Adobe Cloud syncen. Dann synce ich die iOS devices mit den Sammlungen in der Cloud und von diesem Augenblick an kann ich entspannt an jedem Ort auf diesem Planeten (Couch, Hotelbar, Strand, Sauna, Bett) meine files editieren. Wenn ich wieder am Rechner bin, syncen sich die lokalen Sammlungen auf dem Rechner wieder mit denen der Cloud und dann mache ich nur noch die Dinge, die ich mit LRM nicht tun kann oder für die ich Photoshop oder NIK brauche. Ich habe einen definierten Workflow für das alles, das würde hier aber zu weit führen.

    Für mich (!) ist LRM eine massive Verbesserung meines Workflows, gerade wenn ich viele Bilder habe (was bei mir sicher nicht so häufig vorkommt wie bei euch). Also, vielleicht konnte ich Dir ja ein paar Anregungen geben und Dich animieren, einen zweiten Anlauf zu starten.

    Ansonsten hoffe ich, dass es euch gut geht. Viele liebe Grüße,
    Sven

  3. Hey Jörg, vielen Dank für den ausführlichen Bericht. Ich bin zwar hauptsächlich mit Canon unterwegs, aber auch vor zwei Jahren schon nicht mit Lightroom Mobile auf dem iPad warm geworden. Obwohl ich die Idee immer noch sehr bestechend finde – und darum auch immer mal wieder bei Kollegen reinschaue. Aber wie ich sehe: entscheidendes getan hat sich da noch nicht. Schade. Aber wir bleiben dran, wird schon noch … Schöne Grüße von der Spree! Klaus

  4. Hallo an alle,

    super, dass ich diesen Artikel gefunden habe. Es gibt m.E einen eklatanten Fehler in LRM unter iOS:

    Wenn ich Bilder aus der Fotorolle des iPhones nach Lightroom Mobile rüberziehe, dann synce ich die Bilder mit der Adobe Cloud.

    Wenn ich mir die am Rechner synchronisierten Dateien (JPEG) ansehe ist das Problem jedoch, dass die ORIGINALE Datei das Änderungsdatum / Erstellungsdatum vom Zeitpunkt der Synronisation hat!

    Das geht gar nicht – auch wenn ich die Verwaltung über ein Katalogprogramm wie LR mache, dann möchte ich aber die Originaldatei immer „unangetastet“ im Ordner liegen haben. Die in Lightroom am MAC importierten und synchronisierten Dateien behalten ihren Original Zeitstempel.

    Die Lösung wäre, zuerst die Bilder vom iPhone am MAC nach Lightroom mit Kabel zu importieren und dann in eine gesyncte Sammlung zu befördern und am iPhone / iPad weiter zu bearbeiten. Aber dann wäre ja genau der Vorteil eines LRM weg. Das schöne ist ja gerade bereits unterwegs alles zu sortieren und zu bearbeiten…

    Eigenartig, dass ich zu dieser Problematik im Netz noch nie etwas gefunden habe.

    Ist das bei Euch auch so?

  5. Hallo Jörg, vielen Dank für Deinen Bericht.

    Eventuel kannst Du das Tool Syncomatic sinnvoll in Deinen Workflow integrieren http://www.photographers-toolbox.com/products/jbeardsworth/syncomatic/index.php?sec=main .
    Ich habe nur davon gehört und kann daher keine Bewertung dazu abgeben. Es wird auf dem Lightroom PC installiert und syncronisiert wohl die Einstellungen aus der Cloud die mit den jpg-Dateien gemacht wurden auf die dng-Dateien auf dem PC.
    Das Matching erfolgt auf Basis der Dateinamen und ggf Aufnahmezeiten.

    Wie gesagt kann ich nichts dazu schreiben, wie gut oder schlecht das funktioniert. Und es wäre sicherlich nur ein Behelf, bis Adobe entsprechende Funktionaltäten zur Verfügung stellen kann.
    Ich hoffe, dass das zum Thema passt.

    Gruss,
    Holger

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