28mm – eine echte Liebe mittlerweile – aber warum es die Ricoh GR II nicht war!

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Es war irgendwann Ende September als ich mit meiner Frau zusammen bei Steffen Stilpirat und seiner zauberhaften lieben Frau Christina im Heidestudio saß und Steffen von seinem Logbuch NYC und seiner Fotoreise nach Big Apple berichtete als Steffen sagte:

„Vergesst alle Sonys und sonstigen Kompakten – an DIESE Qualität der Ricoh GR II kommt keine heran….“

Nun, das sagte er sehr sicher und es klang spannend. Diese Kamera lies mich als recht sehr zufriedener Sony RX100 III Nutzer nicht wirklich los. Ich musste das ausprobieren. Als ich schaute was die Kleine kostet, lies ich mir das ganze zwar noch mal einen Tag länger durch den Kopf gehen, musste aber diese kleine Kamera haben. Immerhin war es wieder mal etwas „reduziertes“ an Kameratechnik das gemäß Steffen die „allerbeste“ Bildqualität liefern soll. Nun… einen Tag später *klick* – sie war bestellt.

Die Specs und Features der kleinen smarten Ricoh GR II sind schnell und einfach beschrieben:

  • Sensor im Cropfaktor 1,5 (also wie eine Fuji X oder Nikon D3xxx / 5xxx / 7xxx)
  • 28 mm Weitwinkel Festbrennweite (also 18 kommairgendwas Milimeter mal Cropfaktor)
  • Offenblende 2.8
  • Speichert die RAWs im DNG Format (was ich sehr gut finde!)
  • kleines und smartes Gehäuse
  • kein Sucher (und genau das war der Punkt der mich Skeptisch machte, schon bei der Bestellung…)

Und ja das waren eigentlich auch schon alle „nennenswerten“ Features.

Festbrennweite 28 mm? Das ist doch nix – oder?

Ja das muss man mögen solch eine Reduzierung der sonst gewohnten Möglichkeiten. Das klassische „Papa zoom mal auf das Pferd da hinten“ ist dann mit einem „über den Zaun klettern“ und mit einem Turnschuh-Zoom-Vorgang des Laufens verbunden denn 28 mm Weitwinkel sind nun mal kein Zoom und auch kein Tele. Das muss man sich schon vorher bewusst machen, bzw. das wird einem sehr schnell bei den ersten Bildern mit dieser Kamera bewusst. Mir gefällt das sehr, da ich auch sonst oft mit meinen Sonys unterwegs bin mit nur einem 35 mm Objektiv. Ob man nun 35 mm oder 28 mm lieber mag ist nicht die Welt an Unterschied aber schon was anderes. die 28 mm sind schon deutlich weiter und anders als der Bildwinkel eines 35 mm Objektives. Ich mag beide und kann mich mit beiden sehr gut anfreunden. Ich mag das bewusste erarbeiten eines Bildes mit den Füßen sehr, denn ich behaupte von mir selbst ich fotografiere anspruchsvoller und viel bewusster mit einer Festbrennweite als mit einem faulen bequemeren Zoom. Also zusammengefasst – muss man mögen – oder auch nicht. Ich mag die 28 mm für eine „Immer-dabei-Reportage-Kamera“ sehr!

Kein Sucher? 

Ich schrieb ja schon weiter oben das mich dieser Fakt, das diese kleine Kamera keinen Sucher hat, schon bei der Bestellung etwas ins Grübeln brachte. Ihr werdet es nicht glauben wie oft ich mir die Kamera vors Auge gehoben habe und dann in 3 cm Abstand vorm Auge gemerkt habe das da gar kein „Guckloch“ ist. Ich bin ein Sucherfotograf – ende! Der fehlt dieser Kamera extrem. Der Sucher in meiner kleinen Susi, wie ich die Sony RX 100 III immer nenne, ist auch nicht „Rocket Science“ aber er taugt und gerade im schicken Gegenlicht am frühen Abend ist der einfach Gold wert. Kurzum: Der Sucher fehlt dieser Kamera massiv!

Dadurch das die Kamera keinen Sucher hat vermisse ich das ebenso fehlende Klappdisplay noch mehr. Wenn die Kamera einen Sucher hätte, würde mir das Klappdisplay nicht so arg fehlen, aber dadurch das man gerade beim oben beschriebenen Gegenlicht nicht durch den angeschatteten Sucher schauen kann, wäre dann das verstellen des Displays ein brauchbarer Workaround.

Handling – wie ist das Anfassgefühl?

Ja auch Männer fühlen etwas in den großen Patschehändchen. Die kleine Ricoh GR II ist ein Handschmeichler ohne wenn und aber. Die kleine liegt sehr sehr gut in der Hand, fasst sich sehr wertig an und ist leichter als sie aussieht. Aber trotz ihres geringen Gewichtes hält man die Kamera sehr gut und stabil in den Händen. Das Gehäuse fühlt sich leicht aufgeraut an, so das die Kamera keinesfalls zu rutschen scheint in der Hand. Der Wulst oder Handgriff ist nicht sehr groß ausgelegt, tut aber genau das was er soll, er vermittelt einem ein gutes Gefühl, die Kamera sicher zu halten. Beim Handling und beim Anfassgefühl bekommt die kleine Kamera echte fünf von fünf Punkten von mir.

Das Programmwahlrad der Kamera ist arretiert und kann nicht versehentlich verstellt werden. Gefällt mir! Der Objektivdeckel ist eingebaut und verschließt die Frontlinse automatisch wenn man die Kamera ausschaltet. Auch nett – kennt man ja auch von anderen kompakten Kameras.

Die Menüs sind für einen Nikon / Olympus und Sony User irgendwie kompliziert obwohl die Menüsruktur sehr flach gehalten ist. Das ist aber etwas, was ganz sicher in die „Geschmäckle-Schublade“ gehört und etwas woran man sich schnell gewöhnen wird/würde.

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Connection – ja auch bei Kameras mittlerweile ein echtes Thema…

Es ist mir mittlerweile wirklich wichtig geworden auch schon unterwegs mal schnell per Wifi/Bluetooth oder NFC – wie auch immer – aber eben schnell unkompliziert und einfach ein paar Bilder aus Smartphone oder Tablet zu ziehen um diese von dort aus teilen zu können. Das gestaltet sich bei der Ricoh als möglich aber leider nicht einfach, nicht schnell und schon gar nicht unkompliziert. Was Steffen bei seinem Vortrag erwähnte, das er gerne mal mit den Smartphone die Kamera auslöst und fernsteuert während er diese Kamera entspannt an der Hüfte in der Hand hält, gestaltet sich zumindest bei meinen Android Phones als echter Krampf. Es gibt seitens Ricoh keine gescheite App zum Fernsteuern der GR II, sondern nur die Möglichkeit über eine mobile Website die Kamera anzusprechen. Also auch hier ist es mir nicht gelungen das Teil „schnell, einfach und unkompliziert“ steuern zu können. Diese Punkte können Sony, Fuji und Olympus aber um Welten besser. Ja es geht alles, aber eben nicht „Easy of Use“.

Apropos Connection – die Connection zum Strom und zum Aufladen des Akkus erfolgt nicht über ein externes Ladegerät, sondern über ein USB Ladekabel. Generell finde ich das sehr gut bei kompakten Kameras, den USB Laden kennt man ja vom Tablet und vom Smartphone zu Genüge. Nur leider hat Ricoh hier einen proprietären USB Stecker verbaut und nicht wie Sony auf einen Micro-USB Stecker gesetzt. Das bedeutet das man immer das „besondere Ladekabel“ dabei haben muss. Nicht schön und auch nicht intelligent gelöst liebe Ricoh´s.

Und – hat der Stilpirat recht gehabt? Ist die Ricoh GR II so viel besser?

Der Sensor leistet tolle Arbeit und die 16 Megapixel RAWs im DNG Format sind sehr gut. Die Kamera hat eine tolle Grundschärfe und eine zauberhafte Farbwiedergabe. Die Bildqualität ist auf einem sehr guten und sehr brauchbaren Niveau. Ich hatte die Ricoh GR auch auf einer Hochzeitsemotionen-Reportage dabei und zwei der damit gemachten Bilder haben es sogar ins Album geschafft. Die Ergebnisse sind gut und brauchbar und sehr schick. Die „Welten“ die zwischen einer Sony RX100 III und der Ricoh GR II liegen sollen habe ich jedoch vermisst. Und nein, ich kann Steffen Stilpirat in diesem Punkt nicht recht geben. Die Qualität ist gut aber nicht besser. Das was aus der Sony RX100 III an RAws raus kommt, braucht sich keinesfalls hinter der Ricoh GR II verstecken. Die RAWs, gerade die RAWs über ISO 800 sind keinesfalls schlechter oder besser und es liegen keine Welten dazwischen. Da ging dem lieben Steffen der ehemalige Marketer und der überzeugte Ricoh-Anwender meines Erachtens etwas durch. Also auch hier zusammengefasst: Die Kamera ist sehr gut und auf hohem Niveau – wie andere Kompakte Kameras auch!

Und nun? Fazit?

Die Ricoh GR II und ich sind keine bleibenden Geliebten geworden. Die 800 Euro sind mir für einen Kompromiss, und als das muss ich die Ricoh GR II für mich persönlich bezeichnen, einfach zu viel. Der Kamera fehlt um mich dauerhaft glücklich zu machen und zu meinem täglichen Begleiter zu werden einfach der Sucher und ein zuverlässiges Wifi mit einer einfachen App. Diese beiden Punkte haben leider das sehr angenehme Handling und die gute Bildqualität überschattet. Die Kamera und ich haben uns auf eine friedliche Trennung einigen können.

Was bleibt ist die Sehnsucht nach einer relativ kleinen Kamera mit einer 28 er Festbrennweite die reduziert auf das Minimum ist, einen Sucher hat, ein gescheites WiFi mit dem Smartphone kann und eine sehr hohe Bildqualität hat…

Mist, jetzt muss ich mir die Leica Q (hat einen Sucher und auch 28 mm Festbrennweite mit einem Vollformat-Sensor) doch mal näher ansehen, denn die 28 mm Festbrennweite in einem schicken Gehäuse haben mich auf jeden Fall gefesselt! Kommt Zeit kommt…

Schöne Grüße – Euer Fotofuzzy – Jörg Langer

6 Kommentare

  1. Hallo Jörg,
    Danke für den Testbericht. Ich wüßte gerne noch etwas über die Einstellungen: ich habe eine Fujifilm 100s und bei der finde ich hervorragend, dass die Einstellungen über einen dedizierten Knopf (Belichtungszeit) und einen Ring (Blende) funktioniert. Wie ist das bei Ricoh gelöst?
    Und nebenbei: es gibt einen Aufstecksucher von Ricoh für diese Kamera.
    Viele Grüße
    Konstantin

    1. Das geht beides über das kleine Daumenrad oder Fingerrad, wie bei „normalen“ anderen Kompakten. Die X100/X100x/X100t ist da schicker und mehr „Retro“ was ich in dem Falle auch viel besser finde.

      Der optionale Sucher ist zwar schick, aber unpraktisch. Er hat zudem keine Markierungen und man sieht in dem Sucher nicht wo die Fokuspunkte liegen. Für mich als „Offenblende-Freak“ ist das leider keine brauchbare Lösung.

  2. Die Ricoh in wird in meinem Freundeskreis auch sehr gelobt. Ich konnte sie kürzlich mal in den Händen halten und schon innerhalb weniger Augenblicke war mir klar, die ist nix für mich. Der Autofokus ist so schnarch langsam, da kann ich ja manuell schneller fokussieren. Die anderen Nachteile hast du ja schon aufgezählt.
    Mensch Jörg, wir haben doch beide kleine Kameras, was willst du (und ich) nun auch noch mit einer Kompaktknipse mit Festbrennweite? Welchen Vorteil soll das haben? Ach ja: die Fuji GW690 ist natürlich immer einen Blick wert 🙂

  3. Kann man bei der Sony nicht die 28mm per Firmwarehack fixieren? 😉

    Ich bin seit einigen Wochen recht zufrieden mit ner LX100 unterwegs. Ja, die kann auch zoomen. Nein, man muss das ja nicht nutzen. Ja, es ist nett es zu können wenn mans wirklich braucht…

  4. Hi Jörg,
    bei all den Tests ist es mir noch nicht in den Sinn gekommen, meine Pana LX7 wieder her zu geben.
    1.4 in dem Format unschlagbar, bissi Blech, bissi Zoom
    ok wireless mach ich nie … bin immer noch sd card stecker … jämmerlich ich gebs zu …
    habe aber auch keine Angst, dass jemand meine Knipse hackt und mir Bilder klaut, unterjubelt oder ändert …

    ABER ich lese dennoch gern mit – immer ein paar Minuten wert Dein Blog – MERCI!!!

    ciao Mad

  5. Iss ja witzig, ich war auch beim Stilpirat auf einem Workshop und habe mir im Anschluss die Ricoh gegönnt, und war zuerst davon überzeugt, das Richtige getan zu haben. Aber leider wars auch nicht meine Kamera, mittlerweile ist die wieder weg, aus ähnlichen Gründen wie Deine, aber dafür hab ich die 28er Brennweite für mich entdeckt, allerdings an einer X-Pro1 bzw. X-T1 🙂 VG Dirk

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